Hallenbad-Becken in Düren steht schief: Bergschaden?

Am Jesuitenhof : Dürener Hallenbad-Becken steht schief: Bergschaden?

Das Hallenbad Jesuitenhof hieß über viele Jahre „neues Hallenbad“, weil es an der Bismarckstraße eben auch ein „altes“ gab. Der eine Schwimmtempel gehört schon länger der Vergangenheit an, sein 1971 (!) in Betrieb genommener Nachfolger wird es auch bald hinter sich haben.

Der politische Beschluss steht, und die Planungen für das dann dritte Nachkriegs-Hallenbad in Düren sind weit fortgeschritten. Das kommt zur rechten Zeit, denn der Handlungsbedarf in dem Gebäude am Jesuitenhof ist weit größer als gedacht und erfordert nicht nur eine grundlegende technische Instandsetzung. Schon seit mehr als einem Jahr besteht für den Bau ein Bergschadensverdacht. Das bestätigte die Betriebsleitung des Dürener Service Betriebes (DSB) auf Anfrage unserer Zeitung.

Es gibt zwei wesentliche Auffälligkeiten: Das Schwimmbecken steht schief, was sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Bei genauem Hinsehen ist aber festzustellen, dass die eine Beckenseite vom überlaufenden Wasser komplett überspült wird, die andere kaum. Der Schiefstand ist zwischenzeitlich untersucht worden. Zum anderen zieht sich ein viele Meter langer Riss durch die Bodenplatte fast des gesamten Untergeschosses. Diese Spalte verändert sich, wie die Mitarbeiter des DSB festgestellt haben: Sie wird breiter, die Kanten sind unterschiedlich hoch, also versetzt.

„Wir hatten eine Bergschadensvermutung und haben Kontakt mit RWE Power aufgenommen. Darauf hin gab es eine Untersuchung, und dieser Gutachter – ein Statiker – kam zu dem Ergebnis, dass es sich um keinen Bergschaden handeln soll“, sagte DSB-Chef Richard Müllejans der Redaktion. An der Einschätzung des von RWE beauftragten Experten habe es Zweifel gegeben, so dass der Dürener Service Betrieb eine juristische Klärung erwirkt hat.

Auch das Schwimmbecken steht schief. Foto: Volker Uerlings

Die sei im Gang, „von daher möchte ich zum laufenden Verfahren nichts sagen“, erklärte Müllejans. Nur so viel: Das Gericht hat einen weiteren Gutachter mit einer Einschätzung des Schadensbildes beauftragt. Dessen Bewertung bleibt abzuwarten. Die Schäden sind aktuell nicht von einer Qualität, dass es Einschränkungen im Badbetrieb geben müsste.

Nach Informationen unserer Redaktion ist ein Indiz für die Bergschadensvermutung die in Düren fast schon prominente tektonische Störzone namens „Pierer Sprung“. Sie zieht sich quer durchs Stadtgebiet, hat unter anderem an der Stürtzstraße den Abriss eines Gebäudes erforderlich gemacht und war jüngst noch Thema, als über den Bau eines Veranstaltungssaals auf der Fläche an der Pleußmühle im Stadtrat diskutiert worden ist.

Der Dürener Service Betrieb hat eine Bergschadensvermutung, RWE widerspricht. Nun wird die Frage vor Gericht geklärt. Foto: Volker Uerlings

Auf einer Karte, die Störlinien im Dürener Boden zeigt, ist jedenfalls deutlich zu sehen: Der „Pierer Sprung“ geht mitten durch den Untergrund des Hallenbads Jesuitenhof.

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