Haft für Messerstiche bei Familienfehde in Düren

Schwurgericht : Haft für Messerstiche bei Familienfehde

Jeweils dreieinhalb Jahre müssen die beiden Brüder Mehmed (24) und Abdulkadir H. (36) wegen des Tatbestandes der gefährlichen Körperverletzung in Haft, weil sie nach Überzeugung des Aachener Schwurgerichts gemeinsam ihren Schwager Ali B. am 15. Dezember vergangenen Jahres angegriffen und mit einem Messerstich in den Bauch schwer verletzt haben.

Ausgangspunkt der Tat war ein Familientreffen in der Dürener Wohnung des jüngeren Angeklagten. Dabei sollten nach den Ausführungen des Vorsitzenden Richters Roland Klösgen die Modalitäten einer endgültigen Trennung besprochen und festgelegt werden. Es ging um das Beziehungsende von der Schwester der Angeklagten und ihrem Mann Ali B., dessen Familie aus Oberhausen genau so an dem Treffen teilnahm wie Angehörige der Angeklagten.

„Hier sollten“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung, „wie in diesem Kulturkreis üblich, die Dinge privat unter den Familien geregelt werden.“ Das Treffen sei durchaus friedfertig geplant gewesen, erteilte Klösgen Vermutungen eine Absage, nach denen die Oberhausener in der Dürener Wohnung in eine Falle hatten gelockt werden sollen.

Auch die andere Seite hatte während der langen Beweisaufnahme mit vielen Zeugen immer wieder betont, man sei „mit guten Absichten“ nach Düren gekommen. Die Schwester sei eine in Deutschland geborene Frau türkischer Abstammung. Sie sei nach der vermutlich „arrangierten“ Hochzeit wohl nicht mit dem unmittelbar aus dem Heimatland eingetroffenen Ali B. zurecht gekommen. Sie habe ihren Ehemann verlassen und das Kind bei ihrer eigenen Dürener Familie gelassen, sei gegangen mit unbekanntem Aufenthaltsort.

So habe sich vor allem der ältere Bruder, Abdulkadir H., in Einvernehmen mit der Familie großzügig um Ali B. und das Kind gekümmert, auch finanziell – der Angeklagte betreibt seit Jahren einen florierenden Autohandel in Düren. Als sich jedoch am Tattag im Dezember die Familienmitglieder im Wohnzimmer gegenüber saßen, ergab ein Wort das andere. Vor allem hatte ein Cousin scheinbar falsche Worte in den Raum geworfen, so dass sich Abdulkadir angegriffen fühlte und ihm Schläge gegen den Kopf verpasste.

Daraufhin nahm das Unglück seinen Lauf. Schwager Ali, dem man sein Unvermögen in Sachen Eheführung vorgeworfen hatte, mischte sich ebenfalls ein. Anschließend stürzte auch der kleine Bruder Mehmet H. ins Getümmel, Mehmet und Abdulkadir zückten ihre Messer und griffen den Schwager an. Alle sprangen auf, es gab einen Tumult, der sich jedoch später draußen vor der Türe auflöste.

„Strafbefreiender Rücktritt“

Die Kammer bewertete das Ablassen der beiden Angeklagten von der Tat „als strafbefreienden Rücktritt“, denn ursprünglich war diese Sache als versuchter Totschlag von der Staatsanwaltschaft angeklagt worden.

Die Einlassungen der Angeklagten, sie hätten sich gegen die anderen zur Wehr setzen müssen, verwies die Kammer ins Reich der Märchen, die Richter hielten beiden jedoch zugute, dass sie bislang ein unbescholtenes Leben geführt hatten. Die beiden werden in absehbarer Zeit einen Termin zum Strafantritt in einer Haftanstalt bekommen.

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