Düren: Hafez' Worte sprechen nun aus Günther Ueckers Siebdrucken

Düren : Hafez' Worte sprechen nun aus Günther Ueckers Siebdrucken

Das Werk des iranischen Dichters Hafez hat immer wieder für Annäherung von Orient und Okzident über die Mittel der Kunst gesorgt. Im 19. Jahrhundert inspirierte es Johann Wolfgang von Goethe zu der Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“. Den mit seinen Nagelbildern berühmt gewordenen Künstler Günther Uecker regten die Verse des persischen Poeten aus dem 14. Jahrhundert zu einem Zyklus mit 42 druckgrafischen Arbeiten an. Er übersetzt darin die Sprache des Poeten in seine eigene Bildsprache.

Die Ausstellung wurde 2015 in Shiraz gezeigt, dem vermutlichen Geburts- und Sterbe-Ort von Hafez. 2016 war sie erstmalig in Deutschland zu sehen. Im Leopold-Hoesch-Museum wurde sie am Freitagabend eröffnet, gewissermaßen als „Rheinland-Premiere“. Bürgermeister Paul Larue, der auch Vorsitzender des Museumsvereins Düren ist, brachte es in seiner Rede auf den Punkt: „Hafez hatte zwei große Themen: Die Liebe in all ihren Facetten — von der Begierde bis hin zur mystischen Gottesliebe — war das eine. Das andere war der Wein.“ Letzteres überrasche zwar, da es sich bei dem iranischen Dichter um einen gläubigen Muslimen handele, passe aber sehr gut ins Rheinland.

Der Stadt Düren habe Künstler Günther Uecker bereits 2006 mit der Installation „Zeichen und Schriften“, die in der Christuskirche gezeigt wurde (und mit der korrespondierenden Ausstellung im Museum), ein großes Geschenk gemacht. Mit den „ueckerschen Interpretationen“ von Friedenstexten in der Bibel und im Koran sei dem Betrachter ein neuer Blick auf die Religionen eröffnet worden.

Zurück zu der Sache mit dem Weingenuss: Professor Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, wird auf Ueckers Internetseite zu dem scheinbaren Widerspruch von muslimischem Glaube und Alkoholkonsum befragt. Er erklärt, dass Hafez mit Allegorien arbeitete: „Liebe und Wein sind für ihn nur Metaphern für mystische Trunkenheit bei der Hingabe zu Gott. Einzig die Liebe zu Gott ist der Rausch, der ewig währt. Durch seine Dichtung schuf Hafez einen mystischen Gegenentwurf zur von Heuchelei und Machtbesessenheit geprägten Welt seiner Zeit.“

Was die Zeilen des Dichters in ihm auslösten, beschreibt Uecker selbst am besten. Und zwar als Teil einer der gezeigten Wort-Bild-Arbeiten: „Erfüllt vom Klang der Poesie, von Hafez tief in der Seele angerührt, beschwingt durch die lebensvolle Kraft der Wörter“ steht da unter anderem zu lesen. Auf den Zustand des Rausches nimmt er hier auch Bezug, indem er vom „Rausch des Malens“ berichtet.

Ueckers Iran-Begegnungen

In dem Film, den Dr. Michael Kluth über Ueckers Großprojekt „Huldigung an Hafez“ machte, bezieht der Künstler sich auch auf seine Aufenthalte in Teheran, die Strahlkraft der Landschaft sowie die Sinnlichkeit und Farblust, die ihm überall begegnete und die er „intuitiv malend und schreibend“ in seinem Werkzyklus umsetzte. Der kraftvolle Pinselstrich, die leuchtenden und kräftigen Farben und die immer wieder auftauchenden Spiralen und Strudel erzählen von dieser Begegnung Ueckers mit dem Iran und dem wichtigsten Dichter dieses Staates.

Uecker gestaltete in seiner Düsseldorfer Werkstatt zunächst Schwarz-Weiß-Schablonen für die Arbeiten. In kleinen farbigen Aquarellen bedeutete er dann der Druckerei, wie die fertigen Sieb- und Sanddrucke später aussehen sollten. Verwaltungsleiterin Sandra Schneider, die den erkrankten kommissarischen Museumsleiter Markus Mascher bei der Einführungsrede vertrat, wies darauf hin, dass bei den Sanddrucken auf die Sandbeschaffenheit der Heimatregion des persischen Dichters Bezug genommen wurde.

Der ebenfalls erkrankte Günther Uecker konnte bei der Eröffnung seiner Ausstellung nicht dabei sein. Seine Frau Christine und sein Sohn Jacob vertraten ihn. Die Eröffnung fand mit 150 Gästen eine gute Resonanz. Eine politische Auseinandersetzung mit dem heutigen Iran, auf dessen Verstöße gegen die Menschenrechte mit Folter und Diskriminierung sowie Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit unter anderem Amnesty International hinweist, findet in Günther Ueckers Arbeiten nicht statt. Aber vielleicht ist allein die Würdigung eines Dichters, der zu seiner Zeit gegen Machtmissbrauch aufbegehrt und an die Lebensfreude erinnert hat, politisches Statement genug.

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