Beindruckende Moment, imposante Bilder: Gymnasium Vossenack veranstaltet bunte Friedensaktion

Beindruckende Moment, imposante Bilder : Gymnasium Vossenack veranstaltet bunte Friedensaktion

Der beindruckendste Moment an diesem ohnehin mit zahlreichen imposanten Bildern angereicherten Nachmittag am Vossenacker Franziskus-Gymnasium war einem 94 Jahre alten Mann vorbehalten: Victor Neels.

Er erlebte als Anführer in der belgischen Resistance den Zweiten Weltkrieg in der Eifel und zählte als Kommandant in Vogelsang zu den Besetzern des besiegten Deutschlands. Im Hürtgenwald starben Tausende. 2221 gefallene Soldaten liegen auf der Kriegsgräberstätte Vossenack. Nebenan befindet sich die Klosterkirche, in der Neels am Donnerstagnachmittag sprach und scherzte.

Der Belgier sandte das vielleicht greifbarste und stärkste Signal bei der Vossenacker Friedensaktion, dass Feinde von einst zu Freunden werden können. „Wir alle wollen gemeinsam leben, feiern und tanzen – das geht nicht im Krieg, das geht nur im Frieden“, sagte er und erntete dafür Applaus in dem Gotteshaus. Seine Zuhörer konnten nur erahnen, welche Grauen der 94-Jährige erleben musste.

Auf den Bänken saßen Schüler und Lehrer des Vossenacker Gymnasiums, deren Angehörige, aber auch zahlreiche Gäste wie eine Delegation der deutsch-russischen Städtepartnerkonferenz im Kreis Düren. Er habe Deutschland gehasst, gab er unumwunden zu. Später heiratete er eine Deutsche, was eigentlich verboten war. „Wir mussten unsere Liebe verstecken“, schilderte er. Als er dies in Vossenack sagte, stand seine Frau Annelene in der Kirche neben ihm.

„Sinn(e) für Freiheit und Frieden“ lautete der Titel der Aktion in der Klosterkirche und der Kriegsgräberstätte Vossenack, an der über 600 Schüler und Gäste teilnahmen. Foto: Patrick Nowicki

Neels ist ein Brückenbauer, jemand, der die Menschen versöhnte und nach dem aus diesem Grund eine Brücke über dem Urftsee benannt wurde. Brücken wollten auch die Schüler des Vossenacker Gymnasiums schaffen und stießen damit bei ihrem Lehrer Clemens Amendt auf offene Ohren. Dieser hatte die Idee zu einer Friedensaktion – im Urlaub in Griechenland. Einen konkreten Anlass gab es nach seiner Aussage allerdings nicht. Dabei passte die Aktion perfekt in die Zeit, in der Schlagzeilen über wieder aufkeimende Fremdenfeindlichkeit die Medienwelt bestimmen.

Künstlerisch eindrucksvoll setzten die Schüler, Lehrer und einige Gäste das Thema „Sinn(e) für Freiheit und Frieden“ um. Tänzer verkörperten vier Sinne: das Ohr, das Auge, die Hand und den Mund. Krachende Gongschläge und dunkle Trommeltöne deuteten den Konflikt an, der schließlich an einer in der Kirche aufgebauten Grenze mit Stacheldraht endete. Dort verharrten die Tänzer, in Schwarz gekleidet, ehe sie zwei bunte Friedensboten erlösten, die dunkle Kleidung abgestreift wurde und sie mit den anderen Menschen in der Kirche zur Kriegsgräberstätte zogen.

„Sinn(e) für Freiheit und Frieden“ lautete der Titel der Aktion in der Klosterkirche und auf der Kriegsgräberstätte Vossenack, an der über 600 Schüler und Gäste teilnahmen. Zeitzeuge Victor Neels nahm in Begleitung seiner Frau Annelene daran teil. Foto: Patrick Nowicki

Dort ging es lebendig und farbenfroh zu – als Gegensymbol zum todbringenden Krieg. Aus dem „Lebenskreis“ in der Mitte der Gedenkstätte strömten die Schüler zu den Steintafeln und blieben davor stehen. Gesprochen wurde auch: In vier Sprachen sandten die Sprecher Friedensgrüße in die Welt, ehe sich ein Großteil der Schüler an den Rand begaben, während es in der Mitte farbenfroh zuging. Die Europahymne, Beethovens „Ode an die Freude“, erklang, als auf eine Gruppe Schüler bunte Kreide im „Lebenskreis“ regnete. Zum Abschluss schritten alle Schüler wieder in die Mitte – jeweils mit einem Luftballon in der Hand, der schließlich zum Schlussakt in die Eifelluft entlassen wurde.

Nach eineinhalb Stunden war die ergreifende Friedensaktion beendet. Initiator und Organisator Clemens Amendt klatschte die beteiligten Schüler ab, bedankte sich bei allen Beteiligten. Vielleicht wird die Veranstaltung des Vossenacker Franziskus-Gymnasium ein positives Nachspiel haben. An jedem Ballon war ein Zettel mit dem Wort Frieden in fünf Sprachen gebunden. Darauf ist die auch Bitte zu lesen, dass der Finder sich per E-Mail meldet. Da Ballons keine Grenzen kenne, sandten die Schüler damit eine bunte Friedensbotschaft in die ganze Welt. Von einer Stelle aus, auf der Tausende im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren hatten.

Blick auf die Kriegsgräberstätte bei der Friedensaktion des Franziskus-Gymnasiums in Vossenack. Foto: ZVA/Sven Festag
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