Düren: Gute Qualität bei Kurzfilm-Wettbewerb

Düren : Gute Qualität bei Kurzfilm-Wettbewerb

So ähnlich wie bei der Vorentscheidung zum „Eurovision Song Contest“ ging es im Lumen-Filmtheater zu. Nur, dass die Jury nicht Wertungen für die besten Lieder, sondern Punkte für die tollsten Filme vergab.

Dieser Herausforderung im Rahmen des „Eurofilmer Kurzfilm-Wettbewerb Forum-West“ stellten sich 19 Filmautoren. Zehn von ihnen wurden ausgewählt, um an der Endausscheidung, dem „Eurofilm-Festival der Eurofilmer“, teilzunehmen, die vom 26. bis zum 29. September im österreichischen Bludenz stattfinden wird. Doch zurück zum Dürener Kino-Saal: Etwa 100 Gäste schauten sich einen Tag lang Dokumentationen, Spielfilme sowie Reise- und Erfahrungsberichte zu unterschiedlichen Themen an. Das inhaltliche Spektrum reichte vom „Problem bei einer Spermaprobe“ im gleichnamigen Sketch bis hin zu einem kurzen Spielfilm mit dem Titel „Respekt“, der von der Wertschätzung zwischen den Generationen handelte.

An dem Wettbewerb nahmen ausnahmslos Senioren teil. Das war allerdings reiner Zufall. Eigentlich können sich Menschen aller Altersstufen beteiligen. Doch, erklärte die Festivalmanagerin Roswitha Katharina (RoKa) Wirtz, jüngere Filmer fänden meist andere Foren für die Veröffentlichung ihrer Beiträge, allen voran Youtube. „Ich bin die Jüngste“, sagte Wirtz, selbst seit fünf Jahren Filmautorin und im zweiten Jahr Organisatorin des Kurzfilmfestivals des „Forum West“. Sie ist 76 Jahre alt, der älteste Teilnehmer ist 88 Jahre alt. Dass Senioren überhaupt bereit seien, sich einem Wettbewerb zu stellen und dabei so beachtliche Leistungen erbrächten, findet Wirtz großartig.

Tatsächlich war die Qualität der gezeigten Filme für den Amateurbereich ungewöhnlich gut. Bild- und Klang überzeugten durchweg. Die Beiträge wurden nach Kriterien wie Ideenumsetzung, Recherche, Dramaturgie, Kamera-Arbeit, Bild-, Ton- und Textgestaltung, Nachbearbeitung von Bild und Ton sowie dem Einsatz besonderer Gestaltungsmittel bewertet. In diesem Jahr vergab die fünfköpfige Jury kein „Gold“. Sechsmal wurde „Silber“ in Form einer Urkunde vergeben. Alle anderen Teilnehmer erhielten „Bronze“. Die höchsten Punktzahlen gingen an zwei Reiseberichte („Hamburg und das Wunderland“ von Reinhard Merke und „Die Regenbogengesellschaft“ von Suzy Sommer) sowie zwei Dokumentationen („Necronomicon“ über eine Aachener Rockband mit diesem Namen und „Gewinn Verlust Zukunft“ über den Badminton Club Düren, beide von RoKa Wirtz).

Besonderes Erlebnis

Zwischen den Filmblöcken wurden die Filmemacher von Moderator Oliver Bücker zu ihrer Motivation befragt, dieses Gestaltungsmittel zu nutzen. „Ein Film sagt mehr als Tausende Fotos“ wurde da als Argument geäußert. Ein Teilnehmer erzählte, dass er die digitale Phase des Filmens eigentlich gar nicht mehr mitmachen wollte, jetzt die neuen Möglichkeiten aber begeistert nutze. Und RoKa Wirtz, Viel-Filmerin und Orga-Talent, wies darauf hin, dass sie beim Filmen ganz besonders die Herausforderung schätze. Etwa die, einen 400 Stundenkilometer schnellen Badmintonball filmisch festzuhalten.

Für alle Filmemacher war es ein besonderes Erlebnis, die eigenen Filme einmal auf der großen Leinwand zu sehen. Unterstützt vom Kreis Düren und vom Lumen-Filmtheater ging für die Amateurfilmer dieser Traum in Erfüllung. „Filme gehören ins Kino. Wir unterstützen die regionale Amateurfilmer-Szene gerne“, erklärte Lumen-Geschäftsführer Benjamin Riedel das Engagement des Filmtheaters.

Filmen scheint außerdem gut für die Kontaktpflege zu sein. Auch den Musiker und „Eifeltroubadour“ Günter Hochgürtel hatte Wirtz über ein Filmportrait, das sie von ihm angefertigte, kennengelernt. Er bedankte sich dafür mit einem Gastauftritt im Lumen. Hochgürtel bereicherte den Festival-Ausklang mit einigen seiner Songs und mit seine witzigen Moderationen.

Die umtriebige Netzwerkerin RoKa Wirtz arbeitet auf Europa-Ebene als „kommissarische Landesbeauftragte Forum West der Eurofilmer“. In dieser Funktion kennt sie auch die Hintergründe des Festivals. Es sei bereits 1976 gegründet worden, aus der Idee heraus, eine faire Plattform für Amateurfilmer zu schaffen, auf der ihre Arbeiten geschätzt und bewertet werden sollten. Für die Endausscheidung in Bludenz bestehen jedenfalls beste Chancen, den Schnitt der deutschen Beiträge deutlich zu verbessern. Ein Blick auf die Sieger im letzten Jahr verrät: Auf den Plätzen eins bis sieben waren drei deutsche Filmemacher vertreten.

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