Vettweiß: Gute Noten für Kunstprojekt in Kelz/Müddersheim

Vettweiß: Gute Noten für Kunstprojekt in Kelz/Müddersheim

Die Schulwelt, wie die Jungen und Mädchen der Regenbogen-Schule in Kelz und Müddersheim sie bisher gekannt haben, war aus den Angeln gehoben.

Es hat keine Rolle gespielt, wer noch ein kleiner ABC-Schütze war und wer schon zu den Großen zählt, weil der Sprung in die weiterführende Schule unmittelbar bevorsteht.

Der Stundenplan war außer Kraft gesetzt, Mathe- und Deutschunterricht hat es keinen gegeben. Und Hausaufgaben sowieso nicht.

Statt dessen konnten die 200 Schüler Tanzen lernen, kurze Theaterstücke einstudieren, lustige Kopfbedeckungen basteln, kleine Kunstwerke aus Tiffany erschaffen oder Schach spielen.

In der vergangenen Woche hat es an der Regenbogen-Schule eine Projektwoche gegeben, die eigentlich keine war. Kulturwoche haben die Lehrer das Projekt genannt, mit der sie ihren jungen Schülern das Thema Kultur näher bringen wollten.

Mit Erfolg. 18 Arbeitsgemeinschaften hat es gegeben, die mit Hilfe von Menschen, die in kreativen Berufen arbeiten oder ein solches Hobby haben, angeboten werden konnten. Jeder Schüler hat an drei verschiedenen Kursen teilgenommen. Am vierten Tag wurden die Ergebnisse den Familien der Schüler in der Turnhalle in Kelz präsentiert.

Das erfreulichste Ergebnis war nicht zum Anfassen oder Zuschauen. Es war die Tatsache, dass die Schüler die Kulturwoche nicht nur toll fanden, weil der Unterricht ausgefallen ist und weil es keine Hausaufgaben gegeben hat. „Das war voll cool”, sagten die Jungs aus der Klasse 4 b. Gemeint war eine Kunst-Art, die bei jungen Menschen nicht gerade als cool verschrieen ist.

Tiffany, die Kunst, bei der bunte Glasstücke zu einem größeren Ganzen zusammengesetzt werden, war einer der Knüller. „Vorher hab ich das gar nicht gekannt”, sagte Pascal. „Und jetzt könnte ich mir sogar vorstellen, das als Hobby zu machen.”

Mitschülerin Manu nickt. An Tiffany im Schulunterricht könnte man sich gewöhnen. Nicht nur die Schüler haben dazugelernt: Für Dieter Sturmhövel, Tiffany-Experte aus Vettweiß, war die Arbeit mit den Schülern ebenfalls eine neue Erfahrung. „Sie waren sehr spontan und wollten direkt loslegen”, berichtete er.

Inspirierend war die Kulturwoche auch für den Künstler. „Die Kinder haben sich beispielsweise für Farbkombinationen entschieden, auf die unsereins gar nicht erst kommen würde.”

Peter Imdahl, der meist im stillen Kämmerlein besonders aufwendige Weihnachts-Krippen baut, hatte erstmals so viele junge Menschen um sich herum, die ihm bei der Arbeit zugeschaut haben. „Am Anfang war er nervös, als er plötzlich 24 Kinder um sich herum hatte”, berichtete Lebensgefährtin Liesel Noeres. „Aber dann hat alles sehr gut geklappt.”

Christoph, ebenfalls aus der 4 b in Kelz, hat seine grauen Gehirnzellen angestrengt, weil er an einem Schach-Kurs teilgenommen hat. Jetzt weiß er, dass der König die wichtigste Figur im Spiel ist. „Mein Gegner konnte schon vorher Schach spielen”, erklärte er seine knappe Niederlage. Nächstes Mal wird er bestimmt gewinnenÉ

Weitere Angebote: Tanzkurs für Dicso Fox, ein Musikkurs, bei dem die Schüler mit Hilfe des Nörvenicher Musikers Lajos Tar verschiedene Instrumente kennen lernen konnten, sowie Gruppen, die Musik- und Theaterstücke einstudiert haben. „Wir haben Wert darauf gelegt, dass die Kinder ein breites Spektrum kennen lernen”, erklärte Rektor Lothar Jansen.

Im nächsten Jahr soll die Kulturwoche wieder stattfinden. Luca, Christoph, Manu und Co. sind dann nicht mehr dabei, weil sie dann eine weiterführende Schule besuchen. Aber vielleicht macht die Idee der Kulturwoche ja Schule. „Es wäre toll, wenn es so etwas öfter geben würde”, sagten die Kinder aus der vierten Klasse.

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