Nörvenich: Gute Nachbarschaft: Patenschaft zwischen Nörvenich und Fliegerhorst

Nörvenich: Gute Nachbarschaft: Patenschaft zwischen Nörvenich und Fliegerhorst

„Diese Patenschaft ist längst überfällig. Ich bin froh, dass wir unsere langjährige Verbundenheit jetzt endlich auch auf offizielle Füße stellen.“ Oberst Stefan Kleinheyer bringt es auf den Punkt. Gemeinsam haben er und Nörvenichs Bürgermeister Dr. Timo Czech eine Patenschaftsurkunde zwischen der Gemeinde Nörvenich und dem dort beheimateten Luftwaffengeschwader „Boelcke“ unterzeichnet.

„Es gibt nur noch wenige Bürger in Nörvenich“, sagte Czech bei der Feierstunde, „die ihre Gemeinde ohne den Flugplatz kennen. Das Luftwaffengeschwader gehört einfach zu uns.“ Am 20. Juni 1958 hat der damalige Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß den ersten „Einsatzverband der deutschen Luftwaffe“ in Nörvenich in Dienst gestellt.

Knapp 1000 Soldaten und 450 zivile Mitarbeiter sind seitdem hier beschäftigt. „Die Proteste gegen den Flugplatz waren anfangs sehr groß“, erinnerte sich der frühere Gemeindedirektor Gerd Bandilla. „Trotzdem war das Verhältnis zwischen den Nörvenichern und den Soldaten von Anfang an eigentlich ziemlich normal.“

Viele Nörvenicher hätten Arbeit auf dem Flugplatz gefunden, die Soldaten hätten sich am Vereinsleben beteiligt. Bandilla: „Nörvenich hat durch die Bundeswehr einen Aufschwung erlebt.“

In den vergangenen Jahren hat die Bundeswehr mit Umstellung auf den Eurofighter circa 150 Millionen Euro in die Modernisierung der Infrastruktur des Fliegerhorstes investiert, wobei lokale Unternehmen bei der Bauausführung in nennenswertem Umfang Berücksichtigung fanden. Auch bei den Herausforderungen der Flüchtlingskrise stand die Bundeswehr der Gemeinde bei und stellt seither ein Gebäude mietfrei zur Verfügung.

Die Gemeinde ihrerseits unterstützt mit Feuerwehr und Ordnungskräften bei Großveranstaltungen wie dem „Tag der Bundeswehr“, und arbeitet für eine stärkere Anerkennung des Dienstes der Soldaten in der Gesellschaft. So hängen an den Ortseingängen von Nörvenich Schilder mit der Aufschrift „Gemeinde Nörvenich — Heimat des Boelcke-Geschwaders“.

Timo Czech: „Die Menschen unserer Gemeinde und die Menschen auf dem Fliegerhorst sind schon lang eng miteinander verbunden. Mit dieser Patenschaft wollen wir diese gelebte und lebhafte Patenschaft noch einmal untermauern.“ Es sei ihm bewusst, dass so eine Freundschaft Zeit kosten würde. „Und Zeit ist in unserer Gesellschaft sehr knapp. Ich möchte mir diese Zeit auf jeden Fall nehmen.“

„Eine Patenschaft wird zwar zwischen zwei Institutionen geschlossen, aber nur Menschen sind in der Lage, eine Patenschaft mit Leben zu erfüllen“, ergänzte Oberst Stefan Kleinheyer. „Auch deshalb sind wir heute so zahlreich hier erschienen. Wir fördern damit die Kontakte und ich bin sicher, dass dies noch viele Früchte tragen wird.“

(kin)
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