Gruseliges Wochenende

Sehenswerte Gesichtsgymnastik : Theater im „schönste Dörp“

Wenn die Akteure des „Manes-Theaters“ zu ihren Aufführungen in das Bürgerhaus von Boich bitten, müssen die Besucher schon eng zusammenrücken, um dem lustigen Geschehen auf der Bühne folgen zu können.

Boich Auch am zweiten Theaterwochenende konnten sich die Akteure des „Manes-Theaters“ Boich nicht über mangelnden Zuspruch beklagen. Das Haus war voll, und hier und da musste man sich dazwischen quetschen, um die beiden Lustbarkeiten auf der Bühne erleben zu können.

Schon die Begrüßung durch Hermann-Josef Schmitz, Ortsvorsteher, Vereinsvorsteher des örtlichen Bürgervereins und Schauspieler in einer Person, verursachte Lachsalven. „Ich bejröße üsch he em schönste Dörp der Jemende Krözau“, brachte er die erste Salve ins Rollen. Kinder im Grundschulalter, junge Erwachsene, Mittelalter und Senioren hatte Schmitz sofort auf der Seite der Lacher.

Zwei Theaterstücke hatte das „Manes-Theater“ wieder auf dem Programmzettel.

Im ersten Teil geht es gar grauselig zu. Lotta (Britta Salentin) und Horst (Patrick Claßen) sind seit 20 Jahren verheiratet. Das Datum soll groß gefeiert werden. Als Geschenk und Überraschung lässt Horst seine seit 20 Jahren verschollene Schwester Evi (Jenny Mundt), die beste Freundin seiner Frau, suchen. Er beauftragt einen Detektiv, erwischt dabei aber den Betrüger Magnus Hommel (Addy Waider). Hommel wird gleichzeitig von Lotta gebucht, der ihr später Bilder zeigt, auf denen Horst mit einer fremden Frau zu sehen ist. Lotta gerät ob dieses angeblichen Betrugs außer sich und sinnt auf Rache. Zunächst sägt sie die Bremsleitung am gemeinsamen Auto an. Ein Nachbar, der den Wagen für ein paar Stunden leiht, gibt als Schadensbericht ein Loch in der Zuleitung zur Scheibenwaschanlage an. Lotta manipuliert den Fön. Der aber bläst nicht mehr, sondern saugt an den Haaren ihres Mannes. Eine mit Schlaftabletten manipulierte Flasche Rotwein wird unglücklicherweise von Kommissar Jäger (Artur Salentin) geleert. Der Polizist fällt in einen komaähnlichen Schlaf. Es kommt, wie es kommen musste. Die Schwester des Ehemannes Evi, Mitarbeiterin von Kommissar Jäger, wird gefunden. Gemeinsam mit Jäger, der dank „Behandlung“ unter der Dusche wieder munter ist, verhaftet sie Hommel. Drei Attentatsversuche, kein Erfolg.

Die Darsteller waren gut verständlich, für den kleinen Jungen in der zweiten Stuhlreihe übersetzten Oma oder Opa simultan von Platt ins Hochdeutsche. Herausragend spielte Britta Salentin die Rolle der Lotta. Salentin nahm jeden Zentimeter der Bühne in Beschlag, schlich, trampelte, lief, huschte. Sehenswert ihre Mimik und Gestik, umwerfend.

Im zweiten Stück geht um Geld, genau um 100 Mark, die Lehnchen (Sina Kemmerer) und Tant´ Draudche (Cornelia Schmitz) im Toto gewonnen haben. Die Frauen können sich über Besuch nicht beklagen. Jeder Besucher möchte nur das Beste für Lehnchen und ihre Tante. Einer bietet im Tausch gegen die 100 Mark eine Couchgarnitur an, eine Nachbarin will ihr Radio tauschen. Lehnchen und Draudche haben natürlich ihre eigenen Vorstellungen. Draudche hätte gern den Sessel, der ihr madig gemacht wird. Es laufen Verkaufsgespräche wie vor langer Zeit, als es noch kein Geld gab und es hieß „Im Anfang war der Tausch.“ Schließlich finden die beiden Frauen tausende Mark im Sessel versteckt. Das aber darf keiner wissen.

Eine Bank auf der Bühne war Cornelia Schmitz als Tant´Draudche und mit ihr der geräuschempfindliche Nachbar Nöll alias Heribert Büchel, der beim Sprechen und Essen eine sehenswerte Gesichtsgymnastik hinlegte.

Die letzten Vorstellungen im Manes Theater sind am Freitag ab 19.30 Uhr, Samstag ab 19 Uhr und Sonntag ab 17 Uhr.