Heimbach/Vlatten: Großes Engagement für die kleine St. Michaelskapelle in Vlatten

Heimbach/Vlatten: Großes Engagement für die kleine St. Michaelskapelle in Vlatten

Sie thront 40 Meter über dem Dorf und wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Sie ist nicht nur sehr alt, sondern auch sehr schön, und der Ausblick, der sich von ihrem Standort aus bietet reicht weit über das gesamte Umland.

Wer den Innenraum der Kapelle in Vlatten betritt und sich die Zeit nimmt, die anheimelnde Atmosphäre auf sich wirken zu lassen, wird die Spuren spätgotischer Malereien im Gewölbe des Chorraumes entdecken, die vermutlich Anfang des 15. Jahrhunderts geschaffen wurden.

Eine Besonderheit hat der Altar, der komplett aus rotem Sandstein gefertigt wurde zu bieten. In seinem Inneren werden Reliquien des heiligen Gereon und der heiligen Ursula, beides Stadtpatrone von Köln, aufbewahrt.

Spurlos vorüber gegangen sind die Jahrhunderte an diesem schönen Bauwerk allerdings nicht. Der Zahn der Zeit nagte besonders am Turm, der im Jahre 1860 so baufällig war, dass er nur noch abgetragen werden konnte.

Neues Leben

Weil die Vlattener Bürger aber schon immer eine besondere Liebe zu ihrer Kapelle hegten, ging es 1912 und 1913 an den Neubau von Schiff und Turm. Beides wurde auf den alten Fundamenten errichtet und erweckte die St. Michaelskapelle zu neuem Leben.

Seit dieser Zeit wurden in der Kapelle regelmäßig Gottesdienste abgehalten. Eine Tradition, mit der bis in die heutige Zeit nicht gebrochen wurde.

Noch immer versammeln sich die Gläubigen im Sommer, einmal monatlich mittwochs pünktlich um 18 Uhr, um Gottesdienst zu feiern. Darüber hinaus gibt es freitags um die gleiche Uhrzeit eine Andacht.

Die Wertschätzung, die dieser Kapelle zuteil wird, gründet sich auf eine alte Legende. Zu Ehren ihrer Kapelle und zur Erinnerung an die alte Legende errichteten die Vlattener einen Brunnen vor ihrem Jugendhaus.

Zwei Bronzefiguren auf dem Brunnen, die von dem ungarischen Künstler Laszlo Marton geschaffen wurden, rufen die Sage jedem Vorübergehenden ins Gedächtnis.

Der Erzengel Michael drückt den am Boden liegenden Teufel mit dem Fuß nieder und schwingt mit der rechten Hand das Schwert, während er in seiner Linken die Kapelle hält.

Der Bau der St. Michaelskapelle wird auch sehr oft für einen glücklichen Umstand, der Vlatten zuteil wurde, verantwortlich gemacht. Im Zweiten Weltkrieg blieb der Ort nahezu unbeschädigt, die Bombenteppiche zerstörten sonderbarerweise nur das Umland. Ein Dank des Erzengels Michael für den Bau der Kapelle, die zu seinen Ehren errichtet wurde, so deutet man das.

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen, die von der Existenz der St. Michaels-Kapelle künden dürften, nicht mit dem Datum der tatsächlichen Erbauung identisch sein.

Der Ursprung ihrer Entstehung liegt sicherlich noch wesentlich weiter zurück und steht in engem Zusammenhang mit der Abteikirche von Siegburg, die ebenfalls zu Ehren des heiligen Michaels erbaut wurde.

Die dortige Benediktinerabtei war schon im Jahre 1065 im Besitz eines Gutes in Vlatten. Es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen, dass ein Abt von Siegburg um jene Zeit erstmals den Bau der Kapelle in Angriff genommen hat.

Erlaubnis beantragt

Der Kreuzgang, der heute im Inneren zu bewundern ist, war allerdings im Mittelalter noch nicht vorhanden. Er ziert die Kapelle erst seit dem 26. September 1915, nachdem der damalige Pfarrer Breuer bei der zuständigen Behörde in Köln „die Erlaubnis zur Errichtung eines Kreuzweges” beantragt hatte.

Vieles hat sich in der St. Michaelskapelle geändert: die Inneneinrichtung ist nicht mehr die ursprüngliche, die Fenster wurden erneuert, die Wandmalereien restauriert, nur eine der alten Glocken hat alle Zeiten überdauert und hängt immer noch an ihrem angestammten Platz im Turm. „Sanctus Michiel heischen ich, Gregorius van Trier gous mich anno 1499” steht in einer Inschrift auf der Glocke zu lesen.

Wer einmal die Stille und die besondere Atmosphäre der St. Michaels-Kapelle erleben möchte, hat dazu ab sofort noch bis zum 14. Oktober immer sonntags die Gelegenheit. In der Zeit von 11 bis 18 Uhr ist die Kapelle für Besucher geöffnet.

Aber nicht nur stille Einkehr ist möglich, auch der Bund der Ehe kann in Heimbachs Ortsteil Flatten unter dem Schutz des Erzengels Michael geschlossen werden.

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