Düren: Große Beteiligung an Maikundgebung des DGB in Düren

Düren: Große Beteiligung an Maikundgebung des DGB in Düren

Mehrere Hundert Menschen beteiligten sich an Aufmarsch und Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum 1. Mai in Düren. Sie kamen in der Kuhgasse zusammen und zogen von dort durch die Innenstadt zum Willy-Brandt-Park.

Bei der abschließenden Gesprächsrunde thematisierten die Sprecher die Inhalte, die auch anderenorts die zentrale Rolle spielten: prekäre Beschäftigungsverhältnisse im Bereich der Leiharbeit und die Forderung nach der unbefristeten Übernahme aller Auszubildenden.

DGB-Sekretär Karl Panitz, der die Diskussion leitete, ging in seiner Anmoderation auf das bundesweite Motto zum 1. Mai, „Gute Arbeit für Europa - gerechte Löhne, soziale Sicherheit”, ein. Der Gewerkschafter stellte eine alarmierende Bilanz auf: „50 Millionen Arbeitsplätze hat die Finanzkrise in Europa bereits vernichtet.”

Um den Blick seiner Zuhörer für die soziale Situation in den Mitgliedsländern der EU zu schärfen, war Bernd Despineux, Bezirkssekretär der christlichen Gewerkschaft CSV aus Belgien nach Düren gekommen. Er berichtete von der „Konkurrenz der Vielfalt”, die sich die verschiedenen gesellschaftlichen Kräften verpflichteten Richtungsgewerkschaften des Königreiches liefern, aber auch von „kleinen Splittergruppen, die viel Schaden anrichten” und beklagte den „sozialen Kahlschlag” in Belgien.

„Neapco eine Ausnahme”

Aus Dürener Sicht erläuterten Jürgen Müller, Leiter der IG-Metall-Vertrauensleute beim Automobilzulieferer Neapco, und seine Kollegin, die Jugendvertreterin Katharina Faust, ihre Sicht des DGB-Mottos. „Neapco ist da eine Ausnahme”, kommentierte Faust, ihre Erfahrungen im Ausbildungsbereich.

In dem Unternehmen gelte, was sonst kaum zum Tragen komme: „Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, wird übernommen.” Vertrauensmann Müller machte sich die Lage der Mitarbeiter, die von speziellen Firmen für die Arbeit bei Neapco abgestellt werden, zum Anliegen und kritisierte: „Alle Menschen sind gleich - außer Leiharbeiter.” Letztlich seien diese „lebendes Dispositionsmaterial”, denn: „Wenn die Leiharbeiter nicht mehr gebraucht werden, werden sie rausgesetzt.” Diesen Menschen werde noch nicht einmal der gerechte Lohn gezahlt, wie er und seine Mitstreiter bei einer Überprüfung von Lohnabrechnungen festgestellt hätten.

Im Zeichen der laufenden Warnstreiks standen die Äußerungen des Dürener IG-Metall-Vorsitzenden Paul Zimmermann. Er lud nicht nur für den 8. Mai zwischen 6 und 8 Uhr zum Frühstück ins „Warnstreik-Café” in der Festhalle Birkesdorf ein, sondern nahm auch die Haltung der Industrie aufs Korn: „Die Arbeitgeber wollen wohl testen, ob die Beschäftigten der Metall- und der Elektrobranche noch kämpfen können.” Dass dem so ist - daran ließ er nicht den geringsten Zweifel.

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