Große Angebotslücken bei Kitas und OGS in der Stadt Düren

Betreuungssituation in der Kreisstadt : Große Angebotslücken bei Kitas und OGS in Düren

Eltern, die in der Stadt Düren einen Betreuungsplatz für ihr noch nicht schulpflichtiges Kind suchen, müssen zum Teil gute Nerven haben. Mit Blick auf das am 1. August beginnende Kindergartenjahr 2019/2020 liegt die Versorgungsquote für Kinder unter drei Jahren (U3) aktuell bei gerade einmal 28 Prozent, inklusive der Tagespflegeplätze.

Das heißt: Nicht einmal für jedes dritte Kind unter drei Jahren steht ein Betreuungsplatz zur Verfügung. Dabei ist der Bedarf weitaus höher. Thomas Floßdorf (CDU), Vorsitzender des städtischen Jugendhilfeausschusses, spricht von 45 bis 50 Prozent. Insbesondere im Bereich der Zwei- bis Dreijährigen sei der Bedarf enorm gestiegen. Und daran wird sich wohl kaum etwas ändern, zumal der Kita-Besuch seit vergangenen August in Düren für die Eltern komplett beitragsfrei ist.

Aber auch bei den älteren Jungen und Mädchen (Ü3) kann die Stadt Düren dem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz nicht immer gerecht werden. Hier liegt die Quote bislang aber immerhin bereits bei knapp 97 Prozent.

Aus diesem Grund hat die Politik bereits im vergangenen Jahr den Ausbau von drei Kindertageseinrichtungen (Kitas) beschlossen: der Kita „Im Eschfeld“ um zwei Gruppen und der Kita „Eiswiese“ um eine Gruppe (beide in der Innenstadt) sowie der Kita „Tabaluga“ im Osten der Stadt um eine Gruppe. Problem: Die Bauprojekte werden frühestens zum Beginn des  Kita-Jahres 2020/21, zum Teil sogar noch später fertig sein.

Daher setzen Stadt und Politik nun auf mobile Modullösungen. Einstimmig hat der Jugendhilfeausschuss beschlossen, vier Kitas so schnell wie möglich auf diese Art zu erweitern: die Kitas „Lollypop“ in Norddüren und „Don Bosco“ in Ostdüren um jeweils zwei mobile Gruppen, wobei parallel auch die bauliche Erweiterung der beiden Einrichtungen geplant werden soll.

Die Stadt will mit Modullösungen kurzfristig 116 neue Kita-Plätze schaffen, unter anderem 33 in zwei zusätzlichen Gruppen in der Kita „Don Bosco“. Foto: ZVA/Jörg Abels

150.000 Euro pro Modulgruppe

Jeweils eine mobile Modulgruppe sollen die Evangelische Kita in Birkesdorf sowie die Kita St. Marien in Niederau erhalten. Insgesamt sollen so 116 Betreuungsplätze zusätzlich geschaffen werden, davon 26 für Kinder unter drei Jahren. Die Kosten für die Modulgruppen liegt bei jeweils rund 150.000 Euro. Mit den zusätzlichen Plätzen würde die Stadt – Stand heute – den Rechtsanspruch bei den über Dreijährigen mit 101 Prozent erfüllen, bei den Jüngeren würde sich die Quote leicht auf 30,5 Prozent verbessern.

„Das Thema U3-Plätze wird uns daher auch noch in den kommenden Jahren weiter beschäftigen“, betont Floßdorf. Daher sollen die zuständigen Ämter der Stadtverwaltung schon mal mit dem Krankenhaus Düren über eine räumliche Erweiterung der Kita „Klinik Pänz“ sprechen und die Möglichkeit eines Kita-Neubaus mit direkter Anbindung zum Wohnpark Birkesdorf prüfen, in dem in den kommenden Jahren insgesamt 114 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und 110 Einfamilienhäuser mit Platz für mehr als 500 neue Einwohner entstehen.

„Die Schaffung von weiteren Kita-Plätzen, vor allem im U3-Bereich, ist eine der großen Herausforderungen, die in den kommenden Jahren auf uns zukommen werden“, betont Floßdorf. Aber es ist nicht die einzige. „Wir müssen auf einem weitgehend leer gefegten Arbeitsmarkt auch das entsprechende Personal für die Kitas finden“, weiß der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses.

Und schließlich ende die Frage der Betreuung ja nicht mit der Einschulung. „Wer sein Kind bereits 45 Stunden pro Woche in einer Kita betreuen lässt, wird auch einen Platz in einer Offenen Ganztagsgrundschule benötigen“, ist der CDU-Politiker überzeugt. Nach aktuellen Berechnungen geht der Jugendhilfeausschuss davon aus, dass in der Stadt rund 400 OGS-Plätze fehlen, was weitere Millioneninvestitionen in den kommenden Jahren nach sich ziehen wird.

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