Grenzlandtehater Aachen gibt Gastspiel in Düren

Theater im Haus der Stadt : Grenzlandtheater Aachen begeistert mit Molières „Der Geizige“

Das Grenzlandtheater Aachen begeistert mit „Der Geizige“ von Molière im Theater Düren. Schrille Figuren und ein gutes Timing sorgen für viel Unterhaltung.

Im Mittelpunkt des Geschehens befindet sich der krankhaft geizige Harpagon (dargestellt von Charles Ripley), der davon überzeugt ist, dass alle Welt ihm an das sorgsam gehütete rote Kissen mit dem Geld darin will. Bekannte, enge Verwandte – einfach alle werden verdächtigt. Selbst seinen beiden Kindern Cléante (Martin Krah) und Elise (Johanna Steinhauser) traut er nicht über den Weg. Geschweige denn mag er deren persönliches Glück gegen Verzicht seinerseits eintauschen. Beide mögen doch bitte reich heiraten, um die Familienkasse nicht zu belasten und um außerdem Vater Harpagon den Weg für eine Heirat mit der hübschen Mariane zu ebnen, in die eigentlich Sohn Cléante verliebt ist.

Bester Soff für eine Komödie

Bester Stoff für eine Boulevardkomödie mit vielen Verwechslungen und liebevoll ausgestatteten Charakteren also, die seit ihrer Uraufführung im Jahre 1668 so absolut gar nichts an Aktualität eingebüßt hat. Kein Wunder, geht es doch um das liebe Geld, Triebfeder für Gier, Eitelkeit, Lug und Betrug, Verlust- oder Existenzängste. Das ist so allgegenwärtig in jeder Epoche, dass es bereits den römischen Dichter Plautus veranlasst hatte, eine Komödie daraus zu machen, von der Molière sich für seine Version auch inspirieren ließ. Das Grenzlandtheater Aachen zeigte „Der Geizige“ im Theater Düren.

„Ein angenehmes Laster ist einer langweiligen Tugend bei weitem vorzuziehen“ soll einer der Wahlsprüche des großen französischen Autors und Schauspielers gewesen sein, der - eigentlich als Jean Baptiste Poquelin und ältester Sohn eines reichen Pariser Innenausstatters geboren – im Geschäft des Vaters die Ticks der Reichen und Mächtigen beobachtete, um sie später zu karikieren und schließlich in seine Stücke einzubauen. Die Version des Grenzlandtheaters Aachen ist eine locker-leicht daherkommende Adaption mit schrillen Figuren und sauberem Timing, das es den Darstellern ermöglicht, Komik und Wortwitz bis ins Letzte auszuloten.

Hausgemachte Livemusik - von Gitarre bis Blasinstrument dargeboten ausschließlich durch das Ensemble - rundete den Theaterabend ab. Mit „Ti Amo“, „Imagine“ und schließlich „Money (That’s What I Want)“ zeichnete auch der Soundtrack die Themen des Abends nach: Liebe, Kampf und die bedingungslose Vergötterung des Geldes nach.

Comicfiguren oder Marionetten

Die Charaktere erinnerten an Comicfiguren oder Marionetten, die sich wie an einem Gummiband geführt durch die Szenerie bewegten, die aus einem übergroßen gelben Sessel bestand. Unterstrichen wurde dieser Eindruck auch akustisch - durch eine Pfeife, die immer dann ertönte, wenn einer der Darsteller beispielsweise vom Sessel rutschte, seine Enttäuschung mimisch sichtbar machte oder eine ruckartige Bewegung vollzog.

Ganz besonders sinnentleert

War in den 1980er-Jahren noch ein dem Harpagon nachempfundener Louis de Funès, in all seiner Hektik und mit seinen Vernebelungstaktiken das Model für den Geizigen, so hat Molières Titelfigur in der Inszenierung des Grenzlandtheaters eine andere Form gefunden.

Eingerahmt von der Jugend um ihn herum, die Liebe und Tod „voll schwer“ findet, ist Ripleys Harpagon ganz besonders sinnentleert.

Er rutscht auf seinem Sessel hin und her, macht ständig Sitzproben, ohne sich festlegen zu können auf irgendeine andere Aussage als die des Schlussbildes: Das rote Kissen mit dem Geld darin ist die große Liebe des Geizigen, der sich während des gesamten Abends kein einziges Mal auf seinem Polster niedergelassen hat, um es ich auf dem übergroßen unbequemen Sitzmöbel etwas gemütlicher zu machen. Geld dient als Selbstzweck.

Das Ensemble des Grenzlandtheaters erhielt von den Zuschauern Jubel und tosenden Applaus im Haus der Stadt.

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