Gladbach: Grandioses Zusammenspiel von Bariton und Klavier

Gladbach: Grandioses Zusammenspiel von Bariton und Klavier

Auf eine musikalische Reise in längst vergangene Zeiten entführten die Musiker Jasper Schweppe und Thomas Palm das Publikum des Musikabends auf Burg Gladbach. In einem grandiosen Zusammenspiel von Bariton und Klavier wurde das sensible Thema des Abends „Der Zweite Weltkrieg“ aufgefasst und sehr emotional transportiert.

Die Mischung aus vertonten Gedichten von Hanns Eisler und Francis Poulenc ließ den Zuhörer verschiedene Facetten der schrecklichen Ereignisse vor allem in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nacherleben.

Eisler, den eine enge Freundschaft mit Berthold Brecht verband, vertonte sein ganzes Leben lang hauptsächlich Gedichte seines Freundes. Manche wurden bereits wenige Tage nach dem Entstehen in Musik umgesetzt. Die Vertonungen von Francis Poulenc spiegeln noch einmal eindrucksvoll die Haltung der Franzosen gegenüber dem Zweiten Weltkrieg wider. Während für die meisten Deutschen Nationalsozialismus und Holocaust die Leiden des Ersten Weltkrieges in den Hintergrund gedrängt haben, nennen die Franzosen den Ersten Weltkrieg immer noch, „La grande guerre“, den großen Krieg.

Diese unterschiedliche Wahrnehmung wurde in diesem Konzertprogramm spürbar.

Poulenc wählte für seine während des Zweiten Weltkriegs komponierten Lieder neben zeitgenössischen Resistance-Dichtern und Rückgriffen auf Pierre de Ronsard sehr häufig Verse von Apollinaire, der bereits im Ersten Weltkrieg verwundet wurde.

So wurden Gedichte von Berthold Brecht, Hölderlin, Apollinaire und Careme in Liedform vorgetragen. Der Pianist und der Sänger, die in Gladbach erst zum zweiten Mal gemeinsam auf der Bühne standen, vermittelten den Zuschauern ein ganz bestimmtes Gefühl einer inneren Verbindung. „Es war für uns ein Experiment, und die Chemie hat einfach gestimmt“, erklärte Pianist Thomas Palm.

Zu keiner Zeit des Konzertes war zu bemerken, dass die Künstler kein festes Standardrepertoire hatten. Auch waren die Musiker sehr glücklich über die Zusammenstellung der Gedichte durch die künstlerische Leiterin des Zentrum LIED aus Köln, Ingrid Schmithüsen. In einem Programmheft konnten die Gedichttexte von den Zuhörern mitgelesen werden.

(mh)
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