Düren: Gewalt - und wie jeder die Vorzeichen erkennt

Düren: Gewalt - und wie jeder die Vorzeichen erkennt

Um ein Problem, das Menschen aller Schichten und Bildungsgrade betrifft, geht es bei einer Ausstellung im Dürener Bürgerbüro am Markt. Dort wird auf Schautafeln die Frage beantwortet, woran eigentlich zu erkennen ist, dass eine Beziehung dabei ist, in eine Gewalt-Beziehung abzurutschen.

Bei „Warnsignale”, so der Titel der Schau, geht man davon aus, dass sich Gewalt in der Familie oder in einer Beziehung sehr, sehr langsam entwickelt. „Über einen langen Zeitraum hinweg bahnt sich die Gewalt-Problematik an”, weiß auch Gila Knorr vom Frauenbüro in Düren.

In der Ausstellung geht es um die Gewalt, die Männer Frauen antun, mit denen sie zusammenleben. Und darum, dass Frauen bestimmte Warnsignale meistens übersehen. „Wenn er dir die Schuld zuschiebt und sein eigenes Fehlverhalten herunterspielt, dann ist Gefahr im Verzug”, ist da zu lesen. Und: Wenn er dir nachspioniert, wenn er dich in aller Öffentlichkeit runtermacht, wenn er zu schnell zu viel will, wenn er grundlos eifersüchtig ist, wenn er Haustiere misshandelt. Dann und bei weiteren typischen Situationen „ist Gefahr im Verzug”.

Hilfreiche Bilder

In fünf Sprachen werden den Betrachterinnen der Schau die typischen Anzeichen erklärt und in Comic-Szenen verdeutlicht. Alles basiert auf dem Buch von Rosalind B. Penfold: „Und das soll Liebe sein” (Eichborn Verlag). Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Gewaltbeziehung in kurzen Texten und als Comik. Die Zeichnungen sind deutlich und zeigen oft Stimmungen und Situationen, die mit Worten nicht zu beschreiben sind. Viele Frauen, so Elke Ricken-Melchert vom Dürener Runden Tisch gegen Gewalt an Frauen, „kommen mit den Bildchen gut zurecht”. Sie erkennen sich und ihre eigene schwierige Situation.

Im Kreis Düren wurde die Polizei im Jahr 2009 zu durchschnittlich 600 Fällen von häuslicher Gewalt gerufen. Die Tendenz ist steigend. Und die Dunkelziffer ist enorm, denn die Frauen, die tatsächlich die Polizei zu Hilfe rufen, „das ist jeweils die Spitze des Eisbergs”, so Ricken-Melchert.

Die Ausstellung ist noch bis zum 16. November im Bürgerbüro der Stadt Düren zu sehen, täglich außer Donnerstag von 7.30 bis 13 Uhr.