Geschichtsverein Merken präsentiert neues Buch

Neues Buch : Gerichtsunterlagen helfen beim Eintauchen in die Vergangenheit

Der Geschichtsverein Merken präsentiert sein 10. Buch. Hobby-Historiker Heinz Kaulen gibt Aufklärung über die Finanz- und Landwirtschaft der Altvorderen im Verwaltungsbezirk Merken und Pier und ermöglicht den Vergleich zu heute.

Ob da noch unterschieden werden kann zwischen Laien und Experten? Oft werden Laien, wenn sie in der Freizeit und nach Verrentung in ihrem Hobby unterwegs sind, zu ausgesprochenen Experten.

So auch in Merken. Heinz Kaulen, neben Norbert Hommes einer der Sprecher des Geschichtsvereins Merken innerhalb der „Arbeitsgemeinschaft Merken (ARGE)“, weiß Bescheid über die Merkener und Pierer Geschichte. Besonders wenn es um Nachrichten aus dem Dingstuhl Merken und Pier geht.

Ein Dingstuhl (Thingstuhl) war der Sitz eines Gerichts. Das konnten eine Gerichtsstube, eine Gerichtsstätte oder ein Verwaltungsbezirk sein. Kaulen hat drei Jahre an diesem 10. Werk der ARGE gearbeitet. Kaulen hat die Begriffe in einem Glossar erklärt, so dass man nicht immer ein Lexikon oder Wikipedia bemühen muss.

Dingstühle waren eine Spezialität im Kurfürstentum Köln und im Herzogtum Jülich. Es waren Verwaltungsbezirke unterhalb der Amtsebene, in der Eifel und auch rund um Bonn vertreten.

Leser finden in dem Buch Veröffentlichungen beispielsweise über die Matrikularsteuer (Vermögenssteuer). Diese Steuer wurde von den örtlichen Beamten für die Steuerpflichtigen ausgerechnet und halbjährlich oder ganzjährig kassiert.

Landwirtschaft als größter Arbeitgeber

Wir schreiben das Jahr 1800 und folgende. In den Dörfern der Jülicher und Zülpicher Börden sind Agrarwirtschaft und Handwerk die bedeutsamsten Einkommens- und Lebensquellen. Merken und Pier waren Teil dieser Region. Der größte Teil der Bevölkerung der beiden Orte – so schreibt Kaulen – arbeiteten in der Landwirtschaft. Bäcker und Metzger fanden in den Dörfern nicht immer ihr Auskommen, denn die Menschen in der Landwirtschaft schlachteten ihre Schweine selbst und hatten einen eigenen Backofen.

Die meisten Bauern mussten zu dieser Zeit (17. und 18. Jahrhundert) Schulden machen. Schulden generieren Zinsen. Diese, so ist es minutiös im neuen Band von Heinz Kaulen aufgeführt, bedienten sie durch die Abgabe von Landsteuern.

In diesem zweiten Heft der Reihe „Beiträge zur Geschichte des Dingstuhls Pier und Merken“ stellt der Autor die Steuerakten zur Landsteuer der Dörfer Pier, Merken, Schophoven, und Luchem zum Ende des 17. Jahrhunderts vor.

Hoch interessant ist es, in die Details zu gehen. Wie viel Land hatten die Bauern, mit wie vielen Pferden wurde die Fläche bearbeitet? Nachzulesen ist die jeweilige Betriebsgröße der einzelnen Höfe in einer Arbeit über die Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte der Stadt Jülich. Zahlen und Statistiken belegen die Entwicklung der Stadt und ihres Umfelds.

Heinz Kaulen bedauert in seiner Abhandlung, dass die Agrargeschichte in jüngster Zeit vernachlässigt wird. Zur Genüge lägen dagegen Arbeiten über die sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Ereignisse und Fakten vor, mit denen man Leben und Tun der Menschen damals beleuchten könne.

Vergleich zu heute

Kaulen schafft es mit diesem Heft, die Lage der Bevölkerung, insbesondere die der Landwirte, im Dingstuhl Merken und Pier so darzustellen, dass der Leser Schlüsse und Vergleiche zu heute ziehen kann. Konnte ein kleiner Landwirt manchmal so gerade seine Familie ernähren, so kann ein (industrieller) Landwirtschaftsbetrieb heute Hunderte, oft gar Tausende von Menschen ernähren.

Keine Angst sollten potenzielle Leser vor unbekannten Begriffen haben. Kaulens ausführliches Glossar hilft, alle ungeläufigen Begriffe zu verstehen.

Das Buch mit 296 Seiten ist im Buchhandel erhältlich unter der ISBN-Nummer 978-3-96049-042-5. Es kostet 19,60 Euro. Kläre und Winand Krauthausen verkaufen das Buch unter winand.krauthause@gmx.de. Der Autor selbst verkauft die Bücher unter heinrich.kaulen@gmx.de.

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