Kreuzau: Geschichte zum Anfassen bei der Bücherbörse des Geschichtsvereins

Kreuzau : Geschichte zum Anfassen bei der Bücherbörse des Geschichtsvereins

Ganz schön viel los war am Sonntag in der Kleinen Festhalle. Etwa 20 Händler boten auf Tischen und in Kisten jede Menge „Geschichte zum Anfassen“ an.

Literatur aus der Region (von besonderem Reiz für die Sammler waren nicht mehr lieferbare oder auch nie im Handel erschienene Werke), alte Fotos, Bilder, Aktien, Geldscheine, Münzen, historische Dokumente und — erstmalig — auch Briefmarken wurden zum Gegenstand von Handel, Tauschgeschäften oder Fachsimpeleien unter Liebhabern.

x. Foto: Anke Holgersson

Karl-Heinz Schmidt zum Beispiel verkaufte seine Münzen zwar, der wahre Grund für sein Erscheinen auf dem Markt war jedoch der Austausch zwischen Gleichgesinnten: „Im stillen Kämmerchen kann schließlich jeder sammeln.“ In regem Austausch befand er sich zum Beispiel mit seinem Standnachbarn. „Da sind die wahren Schätze zu finden“, sagte er und meinte die wertvollen Goldmünzen von Peter, der seinen Nachnamen lieber nicht nennen wollte.

x. Foto: Anke Holgersson

Wohl auch aus Furcht vor Diebstahl, denn seine teuersten Goldmünzen sind 200 Euro-Münzen als Erstauflage nach der Euro-Umstellung. Sie sind 2000 bis 2500 Euro wert und Peter besitzt gleich zehn davon. Auch einige Abschieds-DM-Goldmünzen finden sich in seinem Portfolio. Sie werden mit bis zu 550 Euro gehandelt.

x. Foto: Anke Holgersson

Wem mit Blick auf diese Summen etwas schummrig wurde, der konnte sich am Stand des Heimat- und Geschichtsvereins Kreuzau in puncto Ahnenforschung informieren. Heribert Macherey und Rosemarie Plücken gaben Ratschläge für Interessierte, die sich auf die Suche nach ihren Vorfahren begeben wollten. „Wir raten jedem, erst einmal innerhalb der Familie zu fragen. Meist kommt man mindestens bis zum Namen der Urgroßeltern. Irgendwann gelangt man aber an einen toten Punkt.

Da helfen wir dann weiter“. Die Jagd nach der Vervollständigung des eigenen Stammbaums führt über Standesämter immer jeweils weiter bis zur nächsten Generation. „Das ist wie eine kriminalistische Spurensuche, bei der man unheimlich viel über Geschichte lernt“, sagte Pflücken, die ihre eigene Familie bis 1780 zurückverfolgen kann. Der letzte Vorfahre, den sie ermitteln konnte, gehörte zu den „Langen Kerls“, dem „Altpreußischen Infanterieregiment“ aus Potsdam. Sein Geburtsort fehle aber, daher könne sie eben nicht beim zuständigen Standesamt weiterforschen. Das zuständige Militärarchiv sei im zweiten Weltkrieg zerstört worden. Das mache ihr aber nichts aus. So helfe sie eben Anderen bei der Suche.

Wesentlich bescheidener als in der Welt der Münzsammler geht es auch auf dem Markt für Ansichtskarten zu. Auf der Kreuzauer Börse waren Exemplare zu finden, für die Fans aber immerhin auch bis zu 95 Euro bezahlen sollen. Einer, der sich auskennt, ist Karl Rainer Grass. „Für seltene Lithos werden bei Aktionen auch schon einmal dreistellige Summen aufgerufen“, sagte er. Von der Börse in Kreuzau versprach er sich nicht allzu viel.

Einzigartig im Umkreis

Es sei ein toller Markt, besonders im Bereich Regional-Literatur sei das Angebot ziemlich einzigartig im näheren Umkreis. Aber er würde im Jahr nur etwa zwei neue Postkartenmotive finden, die eine sinnvolle Ergänzung zu seiner umfangreichen Sammlung darstellten. Grass sammelt seit einigen Jahren Postkarten aus der Region. Angefangen hatte alles mit einer Ansichtskarte aus noch gar nicht allzu ferner Vergangenheit. Auf einem Flohmarkt hatte er ein Motiv aus seiner Heimatgemeinde Golzheim gefunden. Auf der Rückseite stand ein Gruß von seinem Nachbarn. Von da an war die Sammel-Leidenschaft geweckt.

Auf der Kreuzauer Börse wurde er schließlich unerwartet doch fündig. Ein Motiv aus dem Merzenich der Fünfzigerjahre wird von jetzt an seine Sammlung schmücken. Die Rückseite verrät durch mit Bleistift aufgebrachte Notizen und eine Skizze, dass das für 10 Euro ergatterte Foto Teil einer Vierbild-Postkarte werden sollte. Grass ist zufrieden. Seine Ehefrau habe er schon einmal losgeschickt zum zeitgleich stattfindenden Kunst- und Genussmarkt in der Innenstadt. „Das ist Arbeitsteilung“, sagte er augenzwinkernd.

Der Markt zog bei herrlichem Wetter zahlreiche Besucher in den Ortskern. Für die Augen gab es: Kunsthandwerk für Haus und Garten, Pflanzen, selbstgebaute Instrumente, Schmuck, Kinderkleidung, Taschen, Keramik, Skulpturen, Bilder und Kurioses. Reges Interesses herrschte zum Beispiel an den Taschen aus gebrauchten und neuen Feuerwehrschläuchen von Steffi Schinkel. Die Gaumen der Flanierenden wurden durch Klassiker wie Currywurst und Pommes, durch originelle Streetfood-Snacks wie „Alpenburger“ (Hacksteak vom Eifelrind trifft Südtiroler Speck) oder Choco-Kebab verwöhnt.