Aachen/Düren: Gerichtsurteil: Hammerschläger müssen für lange Zeit hinter Gitter

Aachen/Düren : Gerichtsurteil: Hammerschläger müssen für lange Zeit hinter Gitter

Mit tumultartigen Szenen aus den Reihen der Familienangehörigen im Gerichtssaal ist am Dienstag ein langwieriger Prozess wegen versuchten Mordes — begangen von den drei Angeklagten in einem Dürener Supermarkt — zu Ende gegangen.

Im Streit zwischen einer Dürener Familie und einem Berufskollegen der Angeklagten aus Erftstadt hatten die drei Angeklagten am 21. März 2017 mit 35 Hammerschlägen den Kontrahenten traktiert und schwer am Kopf verletzt. Vater, Onkel und der erst 17-jährige Sohn waren im Kassenbereich des Supermarktes über das Opfer hergefallen.

Für die Tat, die eine Große Jugendkammer des Aachener Landgerichts unter Vorsitz von Richterin Melanie Theiner zu bewerten hatte, sprach das Gericht am Dienstag für den Vater Osman Y. (42) eine Strafe von vier Jahren und neun Monaten Haft wegen der zahlreichen Schläge aus, die Richterin hatte in einem Überwachungsvideo 17 harte Schläge auf Kopf und Körper des Opfers gezählt.

Für seinen Schwager Mehmet Y. (57) fand das Gericht wegen seiner einschlägigen Vorstrafen und seinem brutalen Vorgehen — Mehmet Y. brachte es sogar auf 18 Hammerschläge — eine höhere Strafe von fünf Jahren und neun Monaten Haft für schuldangemessen. Alleine Mehmet Salih Y., inzwischen 18 Jahre alt, kam mit einer auf Bewährung ausgesetzten Jugendstrafe davon. Dabei hätte es angesichts der „erheblichen Brutalität“, sagte Richterin Theiner, durchaus zu einer Verurteilung wegen versuchten Mordes kommen können. Alleine der Aussage einer Tatzeugin, die zuvor in dem Supermarkt eingekauft hatte und dann sah, dass das Opfer aus der Haupttüre des Supermarktes fliehen konnte, sei es zu verdanken, dass man juristisch einen sogenannten Rücktritt von der Mordabsicht annehmen könne.

Die Zeugin hatte bekundet, dass die Angeklagten keinerlei Anstalten gemacht hatten, das Opfer Ali N. (39) weiter zu verfolgen. Dem Hauptangeklagten Osman Y. hielt das Gericht außerdem Geschehnisse aus 2016 zugute. Damals hatte das jetzige Opfer auf den heutigen Angeklagten eingeprügelt. Die Gründe lagen wohl in Rivalitäten der beiden, die bei einem in Erftstadt ansässigen Paketdienst arbeiteten. Damals wurde Osman Y. verletzt, weswegen er angegeben hatte, seitdem in Furcht vor neuerlichen Angriffen zu leben.

Nach dem Urteil kam es im Zuschauerraum zu lautstarken Beschimpfungen gegen das Gericht. Als die Wachtmeister eingriffen, wurden junge weibliche Familienmitglieder handgreiflich.

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