Kreuzau-Thum: Geplante Schweinemastanlage: Tierquälerei oder artgerecht?

Kreuzau-Thum: Geplante Schweinemastanlage: Tierquälerei oder artgerecht?

Das Thema „Schweinemastanlage” beschäftigt seit Jahren die Bewohner von Thum. Nun hatten Bündnis 90/Die Grünen Kreuzau und der Kreisverband der Grünen zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

In der Thum-Arena begrüßte Gudrun Zentis, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, viele Gäste. Eine rege Diskussion führten Norwich Rüße, bisher landwirtschaftlicher Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Jürgen Plinz, Vize-Vorsitzender des Tierschutzvereins für den Kreis Düren und Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft.

Gudrun Zentis forderte die Gesprächsteilnehmer zunächst auf, zu erläutern, was sie unter dem Begriff „bäuerliche Landwirtschaft” verstehen. Astrid Hohn, die Geschäftsführerin des Vereins „Pro Thum” sieht darin hauptsächlich eine artgerechte Haltung der Tiere und nannte die Spaltenbodenhaltung für Schweine Tierquälerei.

Norwich Rüße verbindet bäuerliche Landwirtschaft mit einem moralischen Anspruch, der Bauer denke in Generationen, ein Agrarunternehmen habe als einzigen Grundsatz den Gewinn. Dem hielt Erich Gussen entgegen: „Natürlich müssen wir Geld verdienen. Die Errungenschaften der Technik haben sich auch in der Landwirtschaft durchgesetzt.” Und für Jürgen Plinz stellt sich die Frage: „Wie gehen wir mit den Tieren um?”

Vergleich zum Emsland

Die Erläuterung der Standpunkte hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Tierschutz nahm einige Zeit in Anspruch, es wurden - für Tierschützer furchterregende - Vergleiche mit riesigen Mastanlagen im Münsterland und im Emsland gezogen. Schließlich fragte ein Zuhörer nach dem konkreten Stand der Dinge in Thum.

Hierauf fasste Astrid Hohn die Geschichte der Schweinemastanlage kurz zusammen: Vor sechs Jahren habe ein niederländischer Investor mit der Planung einer Anlage für 8600 Schweine begonnen, inzwischen sei er, aufgehalten durch Genehmigungsverfahren und gesetzliche Auflagen, auf die Anzahl von 1440 Mastschweinen zurück gegangen. Nun solle der Investor für die Erschließungskosten eine Bürgschaft hinterlegen. „Wir haben ihm gesagt, dass er doch nun gar nicht mehr richtig verdienen kann mit dieser Anlage.” Er will aber „den Fuß in der Tür behalten”, berichtete Astrid Hohn.

Wenn sie auch mit Stolz resümierte, dass man sechs Jahre lang „allen Behörden auf die Füße getreten habe”, so sieht sie durchaus auch die Möglichkeit, dass der Verein verlieren könnte. Deshalb richtet sie nun ihr Augenmerk darauf, mit allen Mitteln darauf hinzuwirken, dass die Gesetzeslage sich ändere, damit so etwas nicht genehmigungsfähig sein könne. Ein Bewohner aus Thum: „Es geht darum, unsinnige Überproduktion zu verhindern. Wo geht die ganze Gülle hin? Wir machen das Stück Land hier kaputt. Die nächste Generation wird diesen ganzen Blödsinn wieder rückgängig machen müssen!”

An die Verbraucher wurde appelliert, nicht das billigste Fleisch zu kaufen; damit könne man ein Zeichen setzen.