Genauer Blick auf Bombenkrieg in Düren und Jülich

Veranstaltungsreihe in beiden Städten : Genauer Blick auf Bombenkrieg in Düren und Jülich

Zwischen Fakten, starken Gefühlen und inzwischen auch „Fake News“: Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs verschwindet „mehr und mehr aus dem personalen Gedächtnis und geht ins kollektive Gedächtnis über“, sagt der Historiker Guido von Büren.

Das ist – leider – eine nicht zu stoppende Entwicklung, weil die Zahl der Zeitzeugen, die aus erster Hand berichten können, immer kleiner wird. Zwei Einrichtungen in Düren und Jülich haben die Initiative ergriffen, um die schwärzeste Stunde in der Historie der beiden Städte genau zu beleuchten: die Zerstörung durch die britische Luftwaffe am 16. November 1944. Auch der Kontext ist unzweifelhaft: der Ausbruch des Krieges am 1. September 1939 und dessen Ende am 8. Mai 1945. Sie haben eine Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt, die schon in diesem Monat beginnt.

„Bombenkrieg und ,Befreiung’ an der Rur“ ist das Programm überschrieben, das aus Ausstellungen, Vorträgen, Exkursionen und Podiumsdiskussionen besteht. Entwickelt wurde es vom Stadt- und Kreisarchiv Düren sowie dem Museum Zitadelle Jülich. Mit der Kooperation und dem Blick eben auf beide besonders stark betroffenen Städte findet eine gemeinsame Aufarbeitung ihre Fortsetzung, die vor fünf Jahren bei einem Leserforum unserer Zeitung mit mehreren hundert Besuchern in der Dürener Marienkirche begann.

Nun fahren die Organisatoren zweigleisig. Alle Vorträge – sieben an der Zahl – finden zu unterschiedlichen Zeiten sowohl in Jülich als auch in Düren statt. Das thematische Spektrum reicht vom „Beginn des Zweiten Weltkriegs“, die psycholischen Auswirkungen („In ständiger Angst“), die „Operation Queen“ (alliierte Offensive an der Rur 1944), über die archäologische Annäherung an die Zwangsarbeit, Justiz und Gerechtigkeit („Sondergericht Aachen“) bis zum „Wiederaufbau in den Kreisen Düren und Jülich“.

Der 75. Jahrestag dieser schwarzen Stunde ist Anlass einer Veranstaltungsreihe. Foto: ZVA/Museum Zitadelle Jülich

Dazu haben die Organisatoren hochrangige Experten verpflichtet, die als Externe beim neutralen Blick auf das Geschehen helfen sollen. Am 19. November in Düren (Haus der Stadt) und am 8. Mai in Jülich (Kulturbahnhof) stehen zwei große Veranstaltungen mit Podiumsdiskussion auf dem Plan. Am Dienstag, 19. November, heißt es so ab 19 Uhr im Haus der Stadt: „Alles Denken setzte aus – Blicke auf den 16. November 1944 in Düren und Jülich“. An diesem Abend wird auch die Ausstellung „Zwischen ,Führer’ und Freiheit“ eröffnet. Über die Veranstaltungen wird unsere Zeitung als Medienpartner noch im Detail informieren (siehe auch Infobox).

„Der 16. November steht nicht am Anfang, sondern am Ende einer schrecklichen Entwicklung“, sagte Dürens Bürgermeister Paul Larue am Montag bei der Programmvorstellung. Terror, Verfolgung, Vernichtung, der verbrecherische Krieg seien auf schreckliche Weise auf die Zivilbevölkerung zurückgefallen. Wie auch der Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs („Experten von außen sind wichtig für die Neutralität der Betrachtung“) würdigte er das gelungene Programm und die Organisatoren. Das sind Helmut Krebs und Dr. Horst Wallraff für das Stadt- und Kreisarchiv Düren sowie Guido von Büren (Museum Zitadelle Jülich). Sie erhoffen sich „umfassende und neue Informationen“ (Krebs).

(-vpu-)
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