Gelhausen will Merzenicher Postangebote mit Bürgerbüro kombinieren

Mit Bürgerbüro kombinieren : Gemeinde Merzenich will Postfiliale künftig selbst betreiben

Mit einem ungewöhnlichen Plan will Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) die bestehende Postfiliale erhalten: Stimmt Mitte Dezember der Merzenicher Rat seinen Plänen zu, wird die Gemeinde eine neue Gesellschaft gründen, die die Postfiliale künftig selbst betreiben soll – in Verbindung mit einem neuen Bürgerbüro.

Bereits im Januar 2018 hatte die Gemeinde ein erstes Rettungspaket geschnürt. Die Postfiliale war zu dem Zeitpunkt Untermieter in einer Apotheke, deren Betreiber in die Privatinsolvenz gerutscht war. Während der Insolvenzverwalter die Beschäftigungsverhältnisse der Mitarbeiter der Postfiliale übernahm, erklärte die Gemeinde sich bereit, ein monatliches Defizit bis zu „einer mittleren dreistelligen Summe“ zu tragen.

Befristet war die Vereinbarung auf ein Jahr, um so Zeit für eine dauerhafte Regelung zu finden. „Es ist nicht so, dass uns Interessenten die Bude eingerannt hätten“, sagt Gelhausen mit Blick auf das nahende Ende der Jahresfrist. Schon im Januar hatte Gelhausen argumentiert, dass die Postfiliale ein belebendes Element im Ortskern sei. Das sieht er heute nicht anders. „Hätten wir vor einem Jahr nicht gehandelt, wäre die Post jetzt geschlossen“, sagt er.

Dieses Schicksal würde Ende Januar 2019 erneut drohen, betont Gelhausen, der lange auch mit der Post selbst über die Fortführung der Filiale verhandelt hat. „Alle Bemühungen sind gescheitert“, sagt er und schiebt hinterher: „Die Post hat eine andere Sicht als wir, was den Versorgungsauftrag betrifft.“ Mit anderen Worten: Die Filiale würde geschlossen und allenfalls noch ein Shop übrig bleiben. Gelhausen: „Angebote wie die Postbank würden verloren gehen. Und es gäbe deutlich reduzierte Öffnungszeiten.“ Genau das will er verhindern. „Wir können nicht viel Geld in ein Dorfinnenentwicklungskonzept zur Stärkung des Ortskerns stecken und dann hier nicht tätig werden“, stellt Gelhausen klar.

Dementsprechend hat er zunächst prüfen lassen, ob die Gemeinde überhaupt selbst tätig werden darf. In der entsprechenden Sitzungsvorlage für den Haupt- und Finanzausschuss, in dem das Thema am Mittwoch (18 Uhr im Rathaus) erstmals beraten werden soll, heißt es dazu: „Zwar ist der Betrieb einer Post keine Pflicht der Gemeinde; es besteht aber im Rahmen der Daseinsvorsorge ein öffentlicher Zweck. Die Betätigung liegt auch nach Art und Umfang im Rahmen der Leistungsfähigkeit der Gemeinde.“ Um die Haftung zu begrenzen, schlägt Gelhausen die Gründung einer Gesellschaft vor, die die Postfiliale betreiben und die drei Beschäftigten übernehmen würde.

Eine Lösung, mit der auch Postfilialleiterin Martina Triebel mehr als nur einverstanden ist. Sie verweist darauf, dass die Filiale im Schnitt täglich von mehr als 500 Kunden genutzt werde. Und das auch als Folge der Verlagerung des Handels ins Internet. „Wir haben am Tag allein 600 Retourenpakete, die bei uns aufgegeben werden. Viele der Kunden kommen aus Düren, weil sie keine Lust haben sich da erst ein Parkticket zu ziehen, um dann in einer langen Schlange stehen zu müssen.“ Auch die Postbankangebote werden gezielt von Kunden aus Kerpen angesteuert, nachdem dort eine Filiale geschlossen hat.

Spätestens zum 1. März soll die Filiale in Regie der neuen Gesellschaft öffnen – in einer leer stehenden Praxis direkt neben dem bisherigen Standort an der Dürener Straße. Parallel will Gelhausen aber auch die Chance nutzen, das Dienstleistungsangebot der Verwaltung für die Bürger zu erweitern. So soll einer der Praxisräume ab Oktober 2019 als Bürgerbüro fungieren, das zunächst nur samstags geöffnet hat.

„Damit hätten wir ein Angebot außerhalb unserer üblichen Öffnungszeiten speziell für Berufstätige“, sagt der Bürgermeister. Hier könnte man dann etwa Unterlagen abgeben oder seinen neuen Personalausweis abholen. In einer weiteren Stufe könnten die Bürgerbüro-Angebote ausgebaut werden. So wird über eine Kooperation mit dem Dürener iPunkt nachgedacht.

Das würde einen Kartenvorverkauf für Veranstaltungen ermöglichen, man könnte Car-Sharing-Angebote offerieren oder auch Vereine bei geplanten gemeindlichen App-Angeboten beraten und unterstützen. Selbst beim Themenschwerpunkt Digitale Verwaltung sieht Gelhausen Möglichkeiten, ein Bürgerbüro gezielt einzubinden. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

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