Sanftes Konzert: Geheimnisvolle Harfenklänge in St. Clemens

Sanftes Konzert : Geheimnisvolle Harfenklänge in St. Clemens

In gedämpftem Licht sitzen die Besucher in der ehrwürdigen Pfarrkirche St. Clemens und harren der Dinge, die da kommen sollen. Musiker Tom Daun hat eine Überraschung im Programm.

Nach der Begrüßung durch Kantor Peter Mellentin, der noch einige Informationen im Gepäck hatte, ertönt unter dem Glockenturm der Kirche leise Harfenmusik.

Wie früher König David in Jerusalem mit seinem Harfeninstrument und die Spielmannsleute im Mittelalter trug Tom Daun, bekannter Harfenist aus Solingen, ein kleines Saiteninstrument, eine kleine irisch-keltische Harfe, vor seiner Brust. Zarte Klänge versetzten die Gäste in eine geheimnisvolle Stimmung.

Tom Daun, vor zwei Jahren schon einmal Gast in St. Clemens, hatte noch drei weitere Harfen zwischen Altar und Publikum postiert. Da gab es eine Renaissance-Harfe, dann die „arpa paraguaya“, das typische Instrument der heutigen Volksmusik Paraguays, und die gotische Harfe.

Daun machte mit den Gästen eine musikalische Weltreise, die in Spanien begann, sich dort mit Elementen afrikanischer, arabischer und sephardischer (jüdisch-spanisch)Musik mischte und so beispielsweise den Flamenco kreierte. Die spanischen Eroberer Mittel- und Südamerikas transportierten diese Musik in Regionen, die bis dato keine Saiteninstrumente kannten. Bausteine der Musik der Ureinwohner Lateinamerikas fügten sich ein.

Tom Daun präsentierte Harfenmusik vom Mittelalter bis hinein in die Neuzeit. Einmal meditativ und kontemplativ, dann wieder im leichten Tanzschritt schwebend, kam sie daher. In vielen Stücken war ein Gemisch aus Lebensfreude und melancholischen Passagen zu spüren. „Wehmut“ — Mut gepaart mit Leid — ist vielleicht das treffende Wort, das die Atmosphäre vieler lateinamerikanischer Harfenkompositionen beschreiben kann.

Eine tröstende Musik

Mit der gotischen Harfe tauchte Tom Daun in das Mittelalter ein. Lieder der Pilger nach Santiago de Compostella im spanischen Galizien erzählen von Mühe und Freude. Andalusische Weisen mit erkennbar maurischen Elementen sprechen von einer Welt, die scheinbar in Ordnung ist. Virtuos zupfen die Finger des Musikers die Saiten. Technische Details jeder Harfe erläutert der Harfenist zwischen den Liedern. So werden Halbtöne bei einigen Harfen oft durch Umlegen von Haken an der Oberkante des Rahmens möglich. Eindrucksvoll sind Tondichtungen der Sepharden — der Juden in Spanien — die 1492 auf Befehl der allerchristlichsten Könige Ferdinand II. und Isabella I. das Land verlassen mussten. Daun entlockt der Harfe zur Flucht der Juden aus Andalusien zarte, leidvolle und klare Töne. Es ist eine tröstende Musik, die über das tägliche, oft ungerechte Leben, hinweghelfen sollte.

In Südamerika entpuppt sich die Harfe als Konkurrent der Gitarre. Harfenmusik kann auch flott und rebellisch sein. Monotone, dumpfe Passagen in beiden Händen des Harfenspieler erzählen von Frust und Empörung. Die Neuzeit steht vor der Tür. Das Streben nach Harmonie in einer heilen Welt ist nicht mehr nur das Ziel. Erzählungen über ein Leben voller Leid und Entbehrungen kommen dazu.

Harfenist Tom Daun hat mit virtuosem Können und beeindruckender Empathie den Menschen in den harten Kirchenbänken einen nachdenklich-frohen Einstieg ins Wochenende geschenkt.