Vereinigte Industrieverbände: Gegründet in turbulenten Zeiten als Sprachrohr

Vereinigte Industrieverbände : Gegründet in turbulenten Zeiten als Sprachrohr

Die Vereinigten Industrieverbände feiern 100-jähriges Bestehen. Am 14. November 1918 wurde die „Vereinigung der Industriellen von Düren und Umgegend“ gegründet. Unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkrieges schlossen sich 77 Unternehmen zusammen, um gemeinsam als Industrie Fragen der Übergangswirtschaft zu behandeln.

Dazu gehörte auch, die schwierige Frage der Verhütung einer Arbeitslosigkeit in der ersten Zeit der Umstellung der Betriebe von der Kriegs- auf die Friedenswirtschaft.

Es waren schwierige Zeiten. Die Industrie kämpfte mit Rohstoffknappheit, Kohlenmangel und Absatzschwierigkeiten und die Menschen sorgten sich um die Lebensmittelversorgung und ihren Lebensunterhalt. Die politischen Ereignisse der Nachkriegszeit und die Auswirkungen der Novemberrevolution waren auch in Düren zu spüren. Es galt, Unruhen zu vermeiden – eine Verantwortung, der sich die Unternehmensvertreter bewusst waren. So fassten sie in der Gründungsversammlung einstimmig den Beschluss: „Zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit erklären sich die Industriellen von Düren und Umgegend bereit, ihre jetzt beschäftigten Arbeiter, zuzüglich derer, die von ihnen aus ins Feld gerückt sind und am 1. August 1914 bei ihnen in Arbeit standen und jetzt zurückkehren, vier Wochen zu beschäftigen.“

Hinzu kam, dass die Zeit der betriebsindividuellen Regelungen zu Ende ging. Am 15. November 1918 schlossen Arbeitgeber und Gewerkschaften in Deutschland das sogenannte Stinnes-Legien-Abkommen und legten damit den Grundstein für die deutsche Tarifautonomie. Mit diesem Abkommen akzeptierten die Arbeitgeber die Gewerkschaften als Vertreter der Arbeiterschaft. Die Arbeitsbedingungen sollten künftig durch Kollektivvereinbarungen (später: Tarifverträge) zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften geregelt werden. Zugleich stimmte die Arbeitgeberseite der Einrichtung von Arbeiterausschüssen in Betrieben mit mehr als 50 Arbeitnehmern zu, ebenso wie der Einführung des Acht-Stunden-Tags.

Auch die Dürener Industrie benötigte eine Vereinigung, die autorisiert war, für die Gesamtheit der regionalen Unternehmen zu sprechen. Im Jahr 1922 gehörten der Vereinigung der Industriellen bereits 207 Mitgliedsfirmen mit rund 22.000 Arbeitnehmern an.

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