Düren: Geflüchtete sind in den Startlöchern für die Ausbildung

Düren : Geflüchtete sind in den Startlöchern für die Ausbildung

„Sie waren fünf Jahre in Afghanistan als Tischler tätig. Wie groß waren die Teams, in denen Sie gearbeitet haben?“, fragt David Paul. Ihm gegenüber sitzt der 22-jährige Natibullah Rahmati, der vor zwei Jahren nach Deutschland floh.

Er erzählt davon, im Betrieb seines Onkels gelernt zu haben und dann noch in einem großen Unternehmen tätig gewesen zu sein. Dass ihm die deutsche Sprache Schwierigkeiten bereitet, spürt man. Man versteht aber gut, was der junge Mann sagen möchte.

Überfordert ist er mit der nächsten Frage von David Paul: „Warum interessieren Sie sich ausgerechnet für unser Unternehmen?“ Keine leichte Frage, schließlich arbeitet Paul nicht für eine Tischlerei, sondern ist Berufsberater bei der Arbeitsagentur, und das Bewerbungsgespräch ist auch kein echtes, sondern eine Übung, die Rahmati spontan absolvieren soll.

Er ist einer von mehr als 70 Geflüchteten, die dieser Tage an einem Workshop im Berufsinformationszentrum teilnehmen. Die Agentur für Arbeit und die Jobcom geben den 18- bis 35-Jährigen die wichtigsten Informationen und Tipps zum Bewerbungsgespräch und helfen bei der Erstellung der nötigen Unterlagen. Damit bereiten die Fachleute die Geflüchteten auf die Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz vor, leisten aber auch ganz konkrete Vorarbeit zu einer Veranstaltung, die am 30. Mai stattfinden wird.

Bei einem so genannten „Come together“ können sich Bewerber mit Fluchthintergrund und Arbeitgeber bei einer Art Speeddating kennenlernen und gegebenenfalls ein ausführlicheres Gespräch oder Probearbeiten vereinbaren. In der etwas ungezwungeneren Atmosphäre der Kennenlernveranstaltung soll die Hürde für beide Seiten möglichst gering gehalten werden. „Es gibt immer mehr Betriebe, die ihre Ausbildungsstellen nicht besetzt bekommen“, weiß Berufsberater David Paul. „Beim ,Come together‘ haben die Arbeitgeber direkt ein sympathisches Gesicht gegenüber und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass der Bewerbungsprozess weitergeht.“

Hinweise auf kulturelle Unterschiede

Damit nicht nur der erste Eindruck stimmt, sondern auch das Bewerbungsgespräch bestmöglich verläuft, helfen Spezialisten den Geflüchteten in den aktuellen Workshops. Welche Kleidung ist die richtige? Worauf kommt es bei der Begrüßung an? Was gilt es beim Kennenlernen zu vermeiden? Bei diesen und vielen weiteren Fragen benötigen Geflüchtete nicht nur die grundlegenden Tipps, die auch anderen Nachwuchskräften helfen, bevor sie sich um ihren Ausbildungsplatz bewerben. Wichtig sind für sie auch Hinweise auf kulturelle Unterschiede — zum Beispiel: Wie viel Abstand zum Gegenüber wird in Deutschland beim Handschlag als angemessen empfunden?

Trotz der kulturellen Unterschiede und der Sprachbarriere haben Geflüchtete auch einen Vorteil gegenüber den Bewerbern, die aus der Region stammen: „Sie haben berufliche Erfahrungswerte im Gepäck, die andere vielleicht nicht haben“, weiß Stefan Köhnen, Teamleiter des Arbeitgeber-Service bei der Agentur für Arbeit. Auch Natibullah Rahmati hat schon einige Jahre Erfahrung als Tischler, in Deutschland aber erst ein kurzes Praktikum absolviert. Seine größte Hürde war zunächst die Sprache. Diese vor der Ausbildung zu nehmen und nicht als zusätzliche Belastung während der Ausbildung hat sich als zielführender erwiesen.

Katharina Klöpperpieper von der Jobcom erinnert sich: „Vor zwei Jahren kam ein großer Schwung Flüchtlinge, verbunden mit den nahezu euphorischen Erwartungen vom Arbeitsmarkt. Da mussten wir alle feststellen, dass wir zu hohe Erwartungen hatten, dass viel mehr Vorbereitung nötig ist“, sagt sie und meint damit schulische oder fachliche Bildung und vor allem die Sprache. Stefan Köhnen ergänzt: „Damals haben wir gesagt: ,Wir reden über eine Lösung für übermorgen.‘ Jetzt ist übermorgen, jetzt machen viele den Schritt in Richtung Ausbildung.“