Düren: Gebet, entspannen und politischer Diskurs bei der „Nacht der offenen Kirchen“

Düren : Gebet, entspannen und politischer Diskurs bei der „Nacht der offenen Kirchen“

Sakrale Orte einmal aus einer anderen Perspektive erleben — das ist seit 15 Jahren die Idee der „Nacht der offenen Kirchen“. Immer am ersten Freitag im September öffnen Dürener Gotteshäuser zu ungewohnt später Stunde von 20 Uhr bis Mitternacht ihre Türen. Sie sprechen mit einem außergewöhnlichen Programm auch Menschen an, die sonst nicht automatisch zu den Kirchgängern gezählt werden.

Freitag war es wieder soweit: In 14 Gotteshäusern konnte Kirche anders erlebt werden. Während im Kloster St. Peter Julian beispielsweise die eucharistische Anbetung im Vordergrund stand, wurde die Evangelische Christuskirche zum Treffpunkt der Jugend. An der Bar mixten Besucher des Jugendtreffs „Underground“ alkoholfreie Cocktails, zwischen den Stühlen wurden gemütliche Sessel und Sitzsäcke platziert, es gab Musik und Tanz.

In der Annakirche stand Gottes Schöpfung im Mittelpunkt. Foto: sj

Die „Nacht der offenen Kirchen“ lebt davon, dass es eine bunte Mischung der Angebote gibt, Besinnliches ebenso wie Rockiges, Altbewährtes ebenso wie ganz neue Ansätze und Versuche.

Ein Meer von Teelichtern im Muttergotteshäuschen. Foto: sj

Eine Premiere war das „Lichtspektakel“ am Muttergotteshäuschen, das diesen sakralen Ort am Rande der Innenstadt beeindruckend in Szene setzte — von innen und außen gleichermaßen. Erkundungsarbeit für alle Sinne wartete in St. Johannes Evangelist Gürzenich auf die Besucher. Dort galt es, in einem Parcours durch die Kirche Gott mit allen fünf Sinnen zu erfassen.

Politisch wurde es am Abend in der Annakirche. Unter dem Motto „Das Stöhnen der Erde hören“ setzte sich die Fotoausstellung „Laudato si und das Rheinische Braunkohlerevier“ mit den Folgen des Tagebaus für die Menschen und die Natur, kurzum für Gottes Schöpfung auseinander. Papst Franziskus hat sich in seiner Enzyklika „Laudato si“ für einen Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen ausgesprochen, die Kombination von Bildern und vorgelesenen Passagen der päpstlichen Enzyklika bildeten eine ideale Grundlage für einen sehr regen Meinungsaustausch in der Kirche.

Egal, an welchen Stationen die Besucher in der „Nacht der offenen Kirchen“ Station machten: Überall gab es auch Zeit und Raum für den Gedankenaustausch, die Begegnung. Spät in der Nacht kamen Besucher, Beteiligte und Mitwirkende zu einem ökumenischen Abschluss mit Agapefeier noch einmal in der Annakirche zusammen.

(sj)
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