Düren/Hannover: GaW-Schüler diskutieren im niedersächsischen Landtag

Düren/Hannover : GaW-Schüler diskutieren im niedersächsischen Landtag

Alisa Vaassen hat sich intensiv mit dem Thema Plastik im Ozean auseinandergesetzt. sich hat sich gründlich über die Problematik informiert, diskutiert und am Ende mit anderen Jugendlichen aus ganz Deutschland eine Resolution erarbeitet, die anschließend im Landtag von Hannover diskutiert worden ist.

Alisa ist 17 Jahre alt, Oberstufenschülerin und eine von sieben Jugendlichen des Gymnasiums am Wirteltor (GaW), die an der bundesweiten Sitzung des „European Youth Parliament“ (EYP), des Europäischen Jugendparlaments, teilgenommen haben.

Um nach Hannover fahren zu dürfen, mussten Alisa Vassen, Marianna Dänner (17), Tiana Rönner (18), Charlotte Horst (17), Max Weichardt (17), Sophie Theißen (16) und Natalie Peters (18) sich bei regionalen Auswahlsitzungen qualifizieren. Und auch in der niedersächsischen Landeshauptstadt haben die jungen Leute wieder eine gute Figur gemacht: Im August sind die Dürener als Gastdelegation zur nationalen EYP-Konferenz nach Zypern eingeladen.

Das Europäische Jugendparlament ist ein Wettbewerb, in erster Linie ist es aber eine perfekte Möglichkeit, andere Jugendliche kennenzulernen, sich mit wichtigen politischen Themen auseinanderzusetzen und zu lernen, wie Politik wirklich funktioniert. Sechs Tage hat das Treffen in Hannover gedauert, es gab neun verschiedene Komitees, die sich mit unterschiedlichen europa- und weltpolitischen Themen auseinandergesetzt haben, und am Ende eine große Generalversammlung im Landtag, bei der die einzelnen Resolutionen diskutiert und teilweise auch verabschiedet worden sind. „Der Rahmen war schon sehr besonders“, sagt Alisa Vaassen. „Immerhin mussten wir eine Rede im Landtag halten. Und das auch noch auf Englisch.“

Grundsätzlich sind sich die Schüler einig, dass das EYP in Hannover deutlich anspruchsvoller war als der regionale Vorentscheid. „Die Themen“, sagt Natalia Peters, „waren viel komplexer, und es war sehr viel schwieriger, gute Lösungen zu finden.“

Nehmen wir noch einmal das Beispiel Plastikmüll im Ozean: Während der EYP-Sitzungen gab es die Nachricht, dass die EU-Kommission Plastikteller, Trinkhalme, Wattestäbchen und Ballonhalter verbieten möchte. „Das haben wir natürlich in unsere Resolution eingearbeitet“, sagt Alisa Vaassen. „Darüber hinaus haben wir unter anderem noch eine Steuer auf Import und Produktion von Plastik vorgeschlagen und gefordert, nur noch den Gebrauch von wiederverwertbarem Plastik zuzulassen.“

Charlotte Horst hat sich in ihrem Komitee mit dem Thema Internationaler Handel mit Entwicklungsländern auseinandergesetzt. „Vorher habe ich mich mit diesem Thema kaum beschäftigt“, sagt die Schülerin. „Aber jetzt fühle ich mich sehr gut informiert und habe das Gefühl, dass ich mitreden kann.“

Alle Debatten und Treffen im Rahmen des Europäischen Jugendparlaments finden in englischer Sprache statt. Alisa Vaassen: „Wenn man bei der Abschlussversammlung eine Rede halten muss, ist der Druck schon enorm. Ich war auch sehr nervös. Aber das ist mit der Zeit immer besser geworden, und ich habe wirklich gelernt, das zu sagen, was ich denke. Ich habe gelernt, mir eine fundierte, eigene Meinung zu bilden.“

Disziplinierter und selbstsicherer

Marianna Dänner ergänzt, dass sie grundsätzlich besser im Diskutieren geworden sei. „Man darf die anderen Diskussionsteilnehmer nicht überfahren, muss auch zuhören, auf Kompromisse eingehen.“ Max Weichardt ergänzt, dass es ihm besonders wichtig gewesen sei, politische Prozesse kennenzulernen. „Und auch besser zu verstehen“, sagt er. „Dazu hat man in seinem normalen Alltag nur wenig Gelegenheit.“

Neben den Ergebnissen der Resolution hat die Jury, die die Jugendlichen in Hannover die ganze Zeit beobachtet hat, auch das Sozialverhalten der Schüler bewertet. „Dabei“, sagt Alina Vaassen, „ging es zum Beispiel auch darum, wie wir uns bei den Partys benommen haben, und ob wir beispielsweise den Kontakt mit Teilnehmern anderer Delegationen gesucht haben.“

Lehrer Stephan Mauel, der das EYP am Wirteltor-Gymnasium seit mehr als zehn Jahren betreut und regelmäßig mit Schülern zu den Sitzungen fährt, hat beobachtet, dass die Jugendlichen sich in so einer Parlamentswoche deutlich verändern. „Sie hinterfragen mehr, sind viel disziplinierter, stringenter und selbstsicherer. Die Erfahrung, die sie beim EYP machen konnten, kann Schule ihnen im normalen Alltagsgeschäft so nicht vermitteln.“

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