Garde-Corps "Dürener Bürgerwehr" feiert Jubiläum

Vollblut-Karnevalisten : Garde-Corps „Dürener Bürgerwehr“ kämpft gegen Muckertum und Spießigkeit

Hans-Peter Schneppenheim ist Gründungsmitglied und Commandant des Garde-Corps’ „Dürener Bürgerwehr“. Die Gesellschaft feiert in diesem Jahr ihr 22-jähriges Bestehen.

An das Pfarrfest 1995 kann Hans-Peter Schneppenheim sich noch gut erinnern. „Ich war damals im Pfarrgemeinderat aktiv“, erinnert sich der 70-Jährige, „und wartete beim Pfarrfest auf meine Frau. Die kam aber nicht. Als wir uns dann irgendwann zu Hause getroffen haben, stand fest, dass wir im gleichen Jahr Prinzenpaar der Stadt Düren werden würden.“ Das ist nur die Kurzform der Geschichte, Fakt ist aber, dass Nancy Schneppenheim diesen Sonntagvormittag im Jahr 1995 mit dem damaligen Präsidenten des Festkomitees Dürener Karneval, Franz-Josef Vois, und dessen Frau verbracht hatte. „Anfangs war alles nur ein Witz“, sagt Schneppenheim. „Aber wir sind tatsächlich Prinzenpaar geworden.“ Und irgendwie auch ins kalte Wasser geworfen worden.

Hans-Peter Schneppenheim hatte zwar schon immer enge Kontakte zur KG „Südinsulaner“ in Düren, aber ein richtiger Karnevalist war er eigentlich nicht. „Ich war lange im Internat und nicht mehr in Düren. An besagtem Pfingstsonntag hatte ich vorher noch nie eine Prinzenproklamation gesehen. Ich wusste überhaupt nicht, was mich da erwarten würde.“

Heute, also knapp 25 Jahre später, ist Schneppenheim das, was man ohne Probleme als „Urgestein des Dürener Karneval“ bezeichnen kann.

Gründungsmitglied

Er ist Gründungsmitglied des Garde-Corps „Dürener Bürgerwehr“, war lange Jahre deren Vorsitzender und ist mittlerweile Commandant dieser Vereinigung, die in dieser Session ihre 2x11-jähriges Jubiläum feiert. „Wir sind ein Garde-Corps und keine Karnevalsgesellschaft“, sagt Schneppenheim, lacht und erklärt auch gleich, wie er das meint: „Franz-Willy Rey hat dieses Corps gegründet, um das Prinzenpaar der Stadt Düren zu begleiten. Wir sehen uns in Tradition der Dürener Bürgerwehr, die damals die Stadt verteidigt hat. Und heute kämpfen wir gegen Muckertum und Spießigkeit.“

Die Idee des mittlerweile verstorbenen Franz-Willi Rey, der übrigens ein Jahr vor Schneppenheim Karnevalsprinz in Düren war, hat nicht wirklich funktioniert. „Die anderen Karnevelsgesellschaften waren skeptisch, als wir uns gegründet hatten“, erinnert sich Schneppenheim. „Vielleicht haben sie auch befürchtet, dass wir ihnen Mitglieder wegnehmen. Wir haben jedenfalls nicht jedes Jahr das Dürener Prinzenpaar begleitet, aber natürlich schon regelmäßig. Zum Glück ist es uns aber gelungen, die  Ängste abzubauen. Mittlerweile gibt es ein wirklich schönes Miteinander.“

Wenn Hans-Peter Schneppenheim gerade einmal nicht in Sachen Karneval unterwegs ist, mag er lange Spaziergänge mit seinem Mischlings-Hund Oscar. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Erkennungszeichen der Bürgerwehr sind die blau-roten Uniformen, die – natürlich – auch einen historischen Ursprung haben. Schneppenheim: „Unsere Uniformen sind angelehnt an die Dragoner, die früher im Dürener Kornhaus stationiert waren.“

Hans-Peter Schneppenheim blickt auf eine bewegte Geschichte mit „seiner“ Bürgerwehr, auf Zeiten mit viel Spaß und Freude, aber auch auf schwierige Momente. Als unser Initiator und Ideengeber Franz-Willy Rey nur ein Jahr nach der Gründung der Bürgerwehr gestorben ist, war das schon schwer. Er ist am Tag unserer ersten Jahreshauptversammlung beerdigt worden.

Das sind Dinge, die man natürlich niemals vergisst.“ Es sind aber eindeutig die schönen Dinge, die überwiegen – unzählige Feste, gemeinsame Sitzungen und eben auch Prinzenbegleitungen, die es im Laufe der vergangenen 22 Jahre gegeben hat. Und die Tatsache, dass es der Bürgerwehr in diesem Jahr gelungen ist, wieder eine Jugendgruppe zu gründen, die auch gleich beim Dürener Kinderkarnevalszug dabei war. „Es fällt allen Vereinen, egal, ob Karneval, Sport oder Schützenwesen, immer schwerer, junge Leute zu begeistern. Das ist einfach der Geist der Zeit. Aber jetzt gab es bei uns noch einmal Jungen und Mädchen, die sich für unser Brauchtum interessieren. Das finden wir natürlich schön.“

Übrigens stammt Schneppenheims Ehefrau aus Chile. Vor mehr als 40 Jahren haben die beiden sich kennengelernt, als der Dürener seinen früheren Volksschullehrer auf einer Reise in das südamerikanische Land begleitet hat. „Sie hat dort in einem Chor gesungen. Da haben wir uns kennengelernt.“ Das ist deswegen erwähnenswert, weil Nancy Schneppenheim der rheinische Karneval nicht gerade in die Wiege gelegt worden ist. Aber genau wie ihr Mann kann auch sie sich ein Leben ohne Fastelovend nicht mehr vorstellen.

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