Düren: Fußball-EM: Die Erinnerung der Promis aus Düren

Düren : Fußball-EM: Die Erinnerung der Promis aus Düren

Die Spannung steigt — noch einmal schlafen, und die deutsche Fußballnationalmannschaft bestreitet bei der Europameisterschaft in Frankreich ihr erstes Gruppenspiel gegen die Ukraine. Millionen Deutsche werden dann vor dem Fernsehen sitzen und Neuer & Co. die Daumen drücken.

Fußball-Länderspiele sind für viele etwas ganz Besonderes. Und genau deswegen haben die „DN“ rechtzeitig zum EM-Start „Promis“ aus dem Kreis Düren gefragt, was ihre ersten Erinnerungen an ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft sind.

Peter Borsdorff, besser bekannt als der „Läufer mit der Sammelbüchse“, kann sich noch genau an den 4. Juli 1954 erinnern. „Es war mein Geburtstag“, sagt Borsdorff. „Ich bin elf Jahre alt geworden. Und habe zu Hause ganz dicht vor dem Radio gesessen und das Finale Deutschland gegen Ungarn in Bern verfolgt.“ Seine Mutter und sein Großvater seien nicht so fußballbegeistert gewesen.

„Ich durfte den Ton nur ganz leise hören, deswegen musste ich so nah ran. Fast ins Radio rein.“ Fußballer-Namen wie Helmut Rahn, Max Morlock, Ottmar und Fritz Walter seien ihm seitdem unauslöschlich im Gedächtnis — genau wie die „Tooooooor“-Rufe von Reporter Herbert Zimmermann.

Torschützenkönig Gerd Müller

Das erste Länderspiel, das Landrat Wolfgang Spelthahn, Jahrgang 1963, bewusst erlebt hat, war bei der WM 1970 in Mexiko. „Gerd Müller ist damals Torschützenkönig geworden, und das hat bei mir die Leidenschaft für den FC Bayern München geweckt.“ Bei der WM in Deutschland vier Jahre später hätten zu Hause auf dem Wohnzimmertisch schon Deutschland-Fähnchen gestanden. „Und ich habe Sammelbildchen von der Tankstelle bekommen.“

So richtig vertraut mit den Turnierregeln war Spelthahn damals noch nicht. „Stimmt! Als Deutschland in der Vorrunde das Spiel gegen die DDR verloren hat, ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Meine Eltern mussten bittere Tränen trocknen, weil ich dachte, dass das Turnier für uns vorbei ist.“ Zum Glück war es das aber nicht, und Deutschland ist vor 42 Jahren Weltmeister geworden! Übrigens ist Wolfgang Spelthahn beim Ukraine-Spiel morgen Abend in Lille live im Stadion dabei. „Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Lille ist ja nur 284 Kilometer von Düren entfernt.“

Jana Leßenich, Ex-Kinderprinzessin aus Düren, ist 17 Jahre alt, Schülerin und großer Fußball-Fan. „Meine erste Erinnerung ist das WM-Halbfinale von 2006, Deutschland gegen Italien.“ Damals habe sie mit ihren Eltern bei Nachbarn im Garten geguckt. „Ich hatte ein Deutschland-Trikot an und eine rot-weiße Hula-Kette, weil ich Fan vom 1. FC Köln bin.“ Um ihren Papa ein bisschen zu ärgern, ergänzt Jana, hätte sie damals die italienische Flagge mit zum Fußball-Abend bei den Nachbarn genommen. „Aber ich war natürlich todtraurig, dass Deutschland ausgerechnet bei der WM im eigenen Land mit 0:2 verloren hat.“

Jaromir Zachrich, Spielführer der SWD Powervolleys, hat 1990 bei der WM in Italien zusammen mit seinen drei Brüdern die Deutschland-Spiele im Fernsehen verfolgt. „So richtig hat Fußball bei uns zu Haus keine Rolle gespielt.“ Zachrich war damals fünf Jahre alt. „Ich habe noch einzelne Spielszenen ganz rudimentär vor Augen. Und ich weiß genau, dass meine Brüder und ich mit Rasseln vor dem Fernseher gesessen haben und von zu Hause die deutsche Mannschaft angefeuert haben.“ Genau wie alle Jungs hätten er und seine Brüder auf der Straße Fußball gespielt. „Und das Golden Goal von Oliver Bierhoff von der EM 1996 haben wir auf der Straße nachgestellt.“

Auch Lars Vogt, Weltklasse-Pianist und künstlerischer Leiter des Kammermusikfestivals „Spannungen“ im Jugendstil-Kraftwerk in Heimbach, ­ ist großer Fußball-Fan, bis zu seinem 15. Lebensjahr hat er aktiv bei Düren 99 gekickt. „Es hat sogar einmal für die Kreisauswahl gereicht, aber leider nicht für Jogi...“ Bei der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien war Vogt sieben Jahre alt und kann sich noch bestens an Jubelszenen mit den Eltern im heimischen Wohnzimmer erinnern. „Schon damals fand ich Torwart Sepp Meier wahnsinnig toll. Und diese WM ist auch schuld daran, dass ich unbedingt mit dem Fußballspielen anfangen wollte.“

„Finale war legendär“

Noch genauer sind Vogts Erinnerungen an die Europameisterschaft zwei Jahre später in Italien. „Das Finale gegen Belgien war legendär. Ich weiß es noch wie heute, dass Horst Hrubesch nicht nur das erste Tor geschossen hat, sondern in der 88. Minute auch noch für den 2:1-Siegtreffer gesorgt hat. Das war toll.“ Ob er diesmal das Endspiel sehen kann, weiß Vogt noch nicht genau. „Ich bin dann auf dem Weg zu Konzerten nach Australien. Und ich hoffe, dass ich nicht gerade im Flieger sitze, wenn EM-Finale ist.“

SPD-Bundesschatzmeister und Bundestagsabgeordneter Dietmar Nietans erste Länderspielerinnerung hat er an das erste Gruppenspiel bei der Weltmeisterschaft 1974. „Deutschland hat damals gegen Chile gespielt. Und mein Lieblingsspieler Berti Vogts hat dem chilenischen Stürmer dauernd den Ball abgenommen und den wirklich behindert. Kurz vor der Halbzeitpause hat der Chilene Vogts dann übelst gefoult und dafür die Rote Karte bekommen.“ Auch an das Ergebnis der Partie erinnert sich Nietan noch genau. „Deutschland hat mit 1:0 gewonnen.“ Damals, erzählt Nietan, habe er die Spiele fast alle bei seinen Großeltern geschaut. „Im Gegensatz zu uns hatten die nämlich schon einen Farbfernseher.“

„Beim WM-Finale 1974 gegen Holland“, erinnert sich Helga Conzen, Leiterin des Katholischen Forums für Erwachsenen- und Familienbildung in Düren, „war ich zehn Jahre alt. Meine jüngeren Schwestern und ich durften das Spiel gucken. Und es war sehr aufregend.“ Die Erwachsenen, erzählt Conzen, hätten sich über den Gegner lustig gemacht. „Und Deutschland hatte mit Persönlichkeiten wie Franz Beckenbauer und Sepp Meier eine tolle Mannschaft.“ Ob damals der Grundstein für ihre Fußballleidenschaft geweckt worden ist, weiß Conzen nicht. „Aber Länderspiele sind immer sehr mitreißend.“

Handball-Nationalspieler und Europameister Simon Ernst aus Birkesdorf guckt die Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft am liebsten mit seinen beiden Brüdern. „Bei der Weltmeisterschaft 2002 in Korea und Japan haben wir immer mehr Spaß an den Länderspielen bekommen. Und beim Finale haben wir bei einer befreundeten Familie mit geschminkten Gesichtern und selbst bedruckten Trikots im Wohnzimmer gesessen und das Spiel geguckt. Die Enttäuschung, dass Deutschland verloren hat, war riesengroß.“

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