Düren: Für Wilfried Hannes steigt „das WM-Fieber ab Montag“

Düren: Für Wilfried Hannes steigt „das WM-Fieber ab Montag“

Seine Dürener Wurzeln kann Wilfried Hannes nicht verleugnen. Und das will er vermutlich auch gar nicht. Beim Treffen in seinem Lieblingscafé in der Dürener Innenstadt plaudert er erst einmal ein bisschen mit der Bedienung. Und sprachlich ist dem 57-Jährigen seine Herkunft immer noch deutlich anzumerken.

Wilfried Hannes ist in Düren geboren, hier ist heute immer noch seine Heimat. Hier fühlt er sich wohl. „Wurzeln sind wichtig“, sagt der Ex-Fußballnationalspieler. „Gerade als Fußball-Profi ist es wichtig, geerdet zu sein.“ Hannes weiß genau, wovon er spricht. 309 Mal hat der Abwehrspieler in der Fußball-Bundesliga für Borussia Mönchengladbach und Schalke gespielt, acht Mal hat er für die Fußballnationalmannschaft gespielt, war 1982 bei der WM mit von der Partie. Seit 2004 ist er Trainer von Borussia Freialdenhoven.

„Jeder Fußball-Fan freut sich auf die Weltmeisterschaft“, lacht Wilfried Hannes. „Das ist doch klar. Bei mir steigt das Fieber erst, wenn wir am Montag gegen Portugal spielen.“ Für die WM nominiert zu sein, sagt der leidenschaftliche Kartenspieler, sei ein „absolut geiles Gefühl“. „Die Nachricht vom damaligen Bundestrainer Jupp Derwall, dass ich dabei bin, war einfach eine Bestätigung für die erbrachte Leistung während der Saison. Und natürlich habe ich mich darüber sehr gefreut.“

Die WM 1982 wurde in Spanien ausgetragen. „Wir hatten mit ähnlichen Temperaturen zu kämpfen wie die Jungs jetzt in Brasilien. Aber es war eine unvergessliche Zeit.“ Zum Nationalteam haben 1982 Stars wie Toni Schumacher, Paul Breitner, Pierre Littbarski, Manfred Kaltz und Karl-Heinz Rummenigge gehört. Wilfried Hannes‘ Zimmergefährte im WM-Hotel war Lothar Matthäus. „Wir kamen beide aus Gladbach, da war es klar, dass wir zusammen auf ein Zimmer gehen. Das prägt irgendwie“, sagt Wilfried Hannes. „Zu Lothar habe ich noch heute regelmäßig Kontakt.“

Damals hatten die Nationalkicker kein eigens für sie gebautes Hotel. „Wir haben in normalen Stadthotels gewohnt“, so Hannes. „Aber es waren ja auch ganz andere Zeiten. Das kann man überhaupt nicht vergleichen.“ Die Medienpräsenz sei schon damals groß gewesen. „Aber heute ist sie um ein Vielfaches höher. Und das macht es auch nicht immer einfacher.“

Klar, dass Wilfried Hannes bei allem WM-Fieber auch den Dürener Fußball nie aus den Augen verloren hat. Nimmt er regelmäßig an den Treffen der Ex-Gladbach-Profis im Borussia-Park teil („Mein Herz schlägt immer noch für Gladbach!“), ist er auch bei den Verabredungen der ehemaligen A-Junioren von Düren 99 dabei. „Zu meiner Zeit“, so Hannes, „war Düren 99 der Verein in Düren. Und alle Talente sind da über kurz oder lang hingegangen.

Heute versucht jeder Verein, sein eigens Süppchen zu kochen und die guten Spieler zu halten. Ich glaube, dass das mit ein Grund ist, warum in Düren nicht mehr so hochklassig Fußball gespielt wird.“ Damit, betont Hannes weiter, wolle er nicht sagen, dass in den Vereinen keine gute Arbeit geleistet würde. „Im Gegenteil. Jeder macht auf seine Art eine gute Arbeit. Aber es gibt einfach viele mehr Vereine als früher. Und die wollen ja alle existieren.“

Sehr zuversichtlich

Was die deutsche Fußballnationalmannschaft und deren WM-Erfolg angeht, ist Wilfried Hannes eigentlich ganz zuversichtlich. „Ich glaube, dass die hohen Temperaturen wirklich ein Problem sind. Es hat noch nie eine europäische Mannschaft in Südamerika ein Turnier gewonnen.“ Trotzdem tippt Hannes auf ein deutsch-brasilianisches WM-Finale. Und wünscht der deutschen Elf den Titel. Hannes ist 1982 Vizeweltmeister geworden, 1:3 hat seine Mannschaft das Finale gegen Italien verloren. „Es gibt nichts Schlimmeres als verlorene Endspiele. Man selbst sitzt auf dem Rasen, ist total enttäuscht. Und die anderen stehen oben und bekommen den Pokal. Das ist schrecklich.“