Fünf Schafkadaver verwesen auf Wiese in Kettenheim

Tierschutz : Fünf Schafskadaver verwesen auf Wiese

Die Fotos, die Sandra Lück am 30. Dezember geschossen hat, sind grauenerregend. Die Kadaver von fünf Schafen, darunter drei Lämmer, lagen mit leeren Augenhöhlen auf einem Gelände an der Dorfstraße in Kettenheim, teilweise eingequetscht unter einem Wassertrog, einer Schubkarre und einer Wanne.

Die Kadaver waren unterschiedlich stark verwest. Nach Einschätzung von Lück, die Bundesvorsitzende der Tierschutzpartei ist, waren die Lämmer noch nicht lange tot. Um die Tiere herum lagen Knochen und Fellreste.

„Das war ein ganz ekliger Anblick“, sagt Sandra Lück. Sie spricht von „unterirdischen Zuständen“ und sieht ein Infektions- und ein Seuchenschutzproblem, da auf der Wiese rund 35 Schafe gehalten wurden, die freien Zugang zu den Kadavern hatten. Lück hat deshalb beim Kreis Düren Anzeige erstattet.

Beim Veterinäramt war diese Schafwiese bereits bekannt. Sie sei schon in den vergangenen Jahren auffällig gewesen, sagte Kreissprecher Ingo Latotzki, und wurde regelmäßig überprüft. Den Aufforderungen, wie zum Beispiel herumliegenden Müll zu entsorgen, sei der Besitzer dann immer nachgekommen. Latotzki: „Es gab keinen Grund einzuschreiten.“

Sandra Lück erstattete am 27. November zum ersten Mal Meldung beim Kreis, weil ihr Schafe aufgefallen waren, die vor lauter Schmerzen nicht normal laufen konnten, sondern sich auf den Vorderläufen quasi kniend fortbewegten. Ihr Verdacht auf Moderhinke, eine hochansteckende Erkrankung der Klauen, wurde vom Veterinäramt bei einer unangekündigten Kontrolle der Schafe am 30. November bestätigt. Der Kreis teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, dass dem Schäfer die Auflage erteilt worden sei, die Klauen schneiden zu lassen. Weitere Kontrollen am 4. und 19. Dezember hatten laut dem Kreissprecher das Ergebnis, dass die Auflagen erfüllt worden waren und es keine Beanstandungen gegeben habe.

Sandra Lück ist noch mehrfach an der Wiese vorbeigegangen und hatte wie die Mitarbeiter des Veterinäramtes den Eindruck, dass sich etwas getan hätte. „Das vorher sehr vermüllte Gelände ist etwas aufgeräumt worden. Mir schien, als wären dort auch weniger Tiere als zuvor.“

Ein wahrer „Leichenberg“

Am 30. Dezember aber entdeckten sie vom Zaun aus das Hinterteil eines am Boden liegenden Schafes. „Wir haben gedacht, es sei verletzt, und sind auf das Gelände gegangen, um zu helfen“, erzählt Lück. „Dort haben wir dann den Leichenberg entdeckt, ein unübersehbares Depot.“ Da das Veterinäramt am Sonntag nicht erreichbar war, rief sie die Polizei. Ihr war wichtig, dass sich die Beamten vor Ort ein Bild machen, um die Echtheit ihrer Fotos bezeugen zu können. Zuständig für die Anzeigen ist aber das Veterinäramt.

Dessen Mitarbeiter hatten noch am 30. Dezember, auf eine Mail von Sandra Lück hin, Kontakt mit dem Schäfer aufgenommen. Er sagte aus, das Mutterschaf und die Lämmer seien bei der Geburt kurz vor Silvester gestorben, das andere Tier kurz vor Weihnachten. Auf den Anruf des Kreises hin entfernte er die Kadaver an Silvester. Gestern war eine Veterinärin des Kreises vor Ort und sagte, das Gelände sei in einem „vorzeigbaren Zustand“. Es habe sich „ordentlich was getan“ seit Anfang Dezember, und es gebe nichts zu beanstanden.

Kreissprecher Latotzki führte aus, dass die Lagerung der Kadaver aus Sicht des Kreises nicht akzeptabel sei, jedoch nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoße, da die Tiere tot seien. Ob ein Verstoß gegen die Seuchenschutzverordnung vorliegt, wird noch geprüft. Auch unabhängig davon könne ein Bußgeld verhängt werden, zunächst sollen jedoch die genauen Umstände mit dem Schäfer geklärt werden, führte Latotzki aus. Außerdem wird es weitere unangekündigte Kontrollen geben. Ein reines Bußgeld hält Sandra Lück nicht für ausreichend. „Wir fordern ein Tierhalteverbot.“

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