Fünf Meter großes Loch: Abwasserkanal in Düren bricht zusammen

Düren-Niederau : Fünf-Meter-Loch in der Straße: Abwasserkanal ist zusammengebrochen

Was mit einem 60 Zentimeter großen Loch am Freitagabend begann, wurde von Bauarbeitern mittlerweile auf eine 10 mal 5 Meter große Baugrube ausgeweitet: In der Renkerstraße klafft in unmittelbarer Nähe zu den Gleisen der Rurtalbahn ein bis zu fünf Meter tiefes Loch.

Seit Freitagabend ist deswegen der Bahnverkehr zwischen dem Dürener Bahnhof und dem Bahnhof Kreuzau eingestellt, auch Teile der Renkerstraße sind gesperrt. Dies wird sich auch in den nächsten Tagen nicht ändern, mindestens eine Woche lang bleibt die Bahnstrecke noch gesperrt.

Die Ursache: Ein unter der Straße liegender Abwassersammelkanal des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) ist auf mehreren Metern eingebrochen, unter der Straße entstand mit der Zeit eine Art Hohlraum von mehreren Kubikmetern Volumen. Nach den Schilderungen von Anwohnern tauchten in der vergangenen Woche zunächst im Straßenbelag kleine „Dellen“ auf, am Freitag entstand ein kleineres Loch, in dem eine Autofahrerin gegen 17 Uhr mit dem rechten Vorderrad steckenblieb. Schnell stellte sich heraus, dass aufgrund des beschädigten Kanals das Erdreich unterhalb der Straße ausgespült worden war. Verletzt wurde niemand, die Autofahrerin kam mit dem Schrecken davon. Die Suche nach den Gründen startete sofort.

Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die Straße weiter einbricht, wurde am Freitag umgehend eine Sperrung der Renkerstraße/Im Kleffert und der Bahnstrecke nach Heimbach eingerichtet. Vom Bahnhof Düren bis zum Bahnhof Kreuzau pendeln seitdem Busse. „Der obere Teil des Kanals wurde an dieser Stelle der Renkerstraße von den Abwässern zerfressen“, erklärte Dr. Joachim Reichert, Vorstand des Wasserverbandes Eifel-Rur, auf Anfrage unserer Zeitung. Der sogenannte Hauptsammler führt das kommunale und industrielle Abwasser ab Untermaubach zur Kläranlage Düren-Merken. Neben dem Abwasser der Industrie wird auch das Abwasser von rund 18.000 Menschen über die Leitung transportiert.

Zwölf Meter Kanal müssen erneuert werden

An der Ecke Gerhard-Fuß-Straße/Renkerstraße macht der Kanal einen 90-Grad-Knick. In rund vier Metern ist der Kanal eingebrochen. Seit Sonntag ist klar: Etwa zehn bis zwölf Meter müssen ersetzt werden. Um mit einer Manschette das neue Stück an den bestehenden Kanal anschließen zu können, wurde mühsam unter der Erde nach einem noch intakten Stück gesucht. Die Befahrung mit einer Kamera hat gezeigt: Dieses intakte Stück liegt unterhalb der Gleise der Rurtalbahn. Die Gleise werden nun abgebaggert und der WVER zieht ein Stahlrohr ein, damit die Bahnstrecke wiederhergestellt und im Schutze des Rohrs weitergearbeitet werden kann. „Selbst wenn wir noch arbeiten, kann die Bahn wieder sicher fahren“, erklärt Reichert.

Damit der Transport des Abwassers sichergestellt wird, sichert das Technische Hilfswerk mit derzeit vier Großwasserpumpen den Transport des Abwassers „über Tage“. Mehrere Hundert Meter Leitung wurden verlegt, um das defekte Stück Kanal zu überbrücken. Derzeit werden etwa 20.000 Liter Abwasser pro Minute gepumpt, das entspricht etwa sechs bis sieben Badewannen pro Sekunde.

Gemeinsam mit der Feuerwehr Düren und dem DRK waren in Spitzenzeiten bis zu 70 Einsatzkräfte tätig.

Der zum Teil eingestürzte Sammelkanal wurde in der ersten Hälfte der 1970er Jahre errichtet. Das betroffene Stück stammt aus dem Jahr 1973 und gehört mit zu den ältesten Kanalnetzteilen. Die Kombination aus industriebedingt höheren Abwassertemperaturen und einer höheren Belastung des Abwassers führte zur Bildung schwefliger Säuren, die die Lebensdauer des Kanals stark reduzieren.

Regelmäßige Untersuchungen des WVER in der Vergangenheit hatten gezeigt, dass der Kanal in Teilen sanierungsbedürftig ist. Die Arbeiten am Parallelsammler, der den Kanal entlasten und Sanierungen ermöglichen soll, verzögern sich (wir berichteten).

„Wir werden uns ein komplettes Bild der Situation vor Ort machen“, sagte Reichert. Über weitere Erkenntnisse und Angaben zu den Sperrungen will der Wasserverband Eifel-Rur die Öffentlichkeit informieren. Das St.-Augustinus-Krankenhaus ist für Autofahrer bis auf Weiteres nur über Rölsdorf und die K27 erreichbar.

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(sj)
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