Hürtgenwald/Düren: Fünf Anlagen für den Windpark Peterberg in Raffelsbrand

Hürtgenwald/Düren : Fünf Anlagen für den Windpark Peterberg in Raffelsbrand

Der Windpark Peterberg in Raffelsbrand wird kommen. Fünf Anlagen werden dort in den kommenden zwei Jahren errichtet. Noch nicht geklärt ist, ob sich die Hürtgenwalder Gemeindeentwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft (GED) mit jeweils zehn Prozent an den fünf Windkraftanlagen beteiligen wird.

Das muss der Gemeinderat noch absegnen. Wann genau die Abstimmung auf der Tagesordnung stehen wird, ist noch ungewiss. „Wir müssen das konkrete Angebot mit den neuen Zahlen noch abwarten. Die Kostenfrage ist noch nicht beantwortet. Wir rechnen im Frühjahr mit den konkreten Zahlen“, sagt Bürgermeister Axel Buch (CDU).

Planen eine Bürgerinformation zum Windpark Peterberg: Johanna Schruff und Klaus Wildrath von der REA aus Düren. Foto: Rose

Falsche Zahlen auf Flugblatt

Buch dementiert, dass ein Windrad sechs Millionen Euro kosten würde. So heißt es in einem Flugblatt gegen „Schuldenwahn“, das in der Gemeinde die Runde gemacht hat. Darauf steht zudem, dass „die Gemeinde und damit alle Bürger“ für die fünf Windkraftanlagen mit einer Bürgschaft von 15 Millionen Euro haften würden — auch dies sei laut Buch nicht korrekt. „In diesem Schreiben stimmen Zusammenhänge und Zahlen nicht, über Kosten haben wir noch überhaupt nicht diskutiert“, betont Buch, der auch nicht näher auf dieses Schreiben eines „besorgten Bürgers“ — wie es in der Signatur steht — reagieren will.

Tendenz der baldigen Abstimmung im Rat? Buch geht nicht mehr von einem formalen Selbstläufer aus, wie er es in der Vergangenheit getan hat, als Windkraftanlagen noch „Gelddruckmaschinen“ gewesen seien. „Ich glaube nicht an eine Fehlinvestition, der Ertrag mit den Anlagen wird in den kommenden 20 Jahren wohl generell auskömmlich sein. Aber wir als Gemeinde müssen kurzfristig denken, die Rendite muss sich schnell einstellen. Genau das müssen wir als Nächstes prüfen“, sagt Buch. Die Gemeinde treibt die Planung des Windparks am Peterberg seit 2012 voran. Das Gesetz sieht vor, dass der Gemeinde ein Anteil von jeweils zehn Prozent pro Windrad angeboten werden muss.

Das Besondere an der jüngsten bundesweiten Ausschreibung für Windkraftanlagen: Alle fünf Peterberg-Anlagen werden von drei Bürgerenergiegesellschaften betrieben, also mehrheitlich von Bürgern aus dem Kreis Düren. Grundsätzlich kann sich jeder beteiligen. Die Bürgerenergie Hürtgenwald ist als Betreiberin eine Genossenschaft. Der Unterschied zwischen einer Gesellschaft und einer Genossenschaft ist, dass die Genossenschaft bei ihrer Gründung kein Mindestkapital festlegen muss und alle Beteiligten unabhängig von der Höhe des Kapitaleinsatzes gleiches Stimmrecht haben.

Die Bürgergenossenschaft muss zu 51 Prozent aus Bürgern aus dem Kreis Düren bestehen. Eine einmalige Beteiligung an der Genossenschaft startet bei 500 Euro. „Grob gesagt hat man nach zehn Jahren das Geld wieder raus, was man investiert hat“, erklärt Klaus Wildrath von der Dürener REA-Firmengruppe. „Rechnet man linear weiter, hat sich die Investition nach 20 Jahren verdoppelt.“ Laut Wildrath sei die Bürgerenergie Hürtgenwald „deutschlandweit eine von zwei Genossenschaften, die einen Zuschlag erhalten hat“.

Die REA, bei der Wildrath als Projektentwickler arbeitet, ist ein Ingenieurbüro für regenerative Energietechniken, kümmert sich als Dienstleister um die Organisation des Windparks, ist der Ansprechpartner des Projekts. Wildrath, 28, kommt selbst aus Vossenack. Er weiß also, dass „der Wind die einzige Ressource ist“, von dem die Gemeinde Hürtgenwald genügend habe. Deswegen betont er auch: „Ein Kritikpunkt an der Windenergie ist oft, dass die Wertschöpfung überall landet, nur nicht vor Ort, weil die Anlagen von großen Investoren betrieben werden“ — mit Bürgergenossenschaften und -gesellschaften solle das anders laufen.

Gelassen gegenüber Klagen

Die haben gesetzlich den Vorteil, dass sie von der Bundesnetzagentur einen höheren Zuschlag bekommen als andere Mitbewerber. Im aktuellen Fall 5,28 Cent/Kilowattstunde, der durchschnittliche Wert lag bei 4,73. Die geplanten Anlagen werden laut Wildrath 207 Meter hoch sein mit einem Rotordurchmesser von 115 Metern. Künftig würden Windräder mit 250 Metern Höhe und 160 Metern Rotordurchmesser noch größer, um die Preise niedrig zu halten.

„Ob das sinnvoll ist, muss jeder selbst entscheiden“, sagt Wildrath offen mit Blick auf stetige Kritik an Windparkprojekten, die im Fall Peterberg auch zu zwei Klagen beim Verwaltungsgericht Aachen gegen den Kreis Düren als Genehmigungsbehörde geführt hat, wie Kreis-Sprecher Josef Kreutzer auf Anfrage mitteilt. Klaus Wildrath: „Den Klagen sehen wir gelassen entgegen, weil der Windpark ja alle Auflagen erfüllt hat.“

„Anlagen mit Fantasieangeboten nicht realisierbar“

Mit 15 Megawatt Leistung hat der Windpark Peterberg von der Bundesnetzagentur den Zuschlag für ein Viertel des 60-Megawatt-Gesamtvolumens in NRW erhalten. Nach Rechnung von REA-Projektentwickler Klaus Wildrath können die fünf Anlagen bis zu 40 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Damit könnten mehr als 10.000 Drei-Personen-Haushalte versorgt werden.

Bei der jüngsten Vergabe boten nicht mehr so viele Bürgerenergiegesellschaften mit, da sich die Bedingungen geändert hatten. Es waren nur noch Gebote mit genehmigten Anlagen zugelassen. „Der Großteil der Zuschläge im vergangenen Jahr ging an Gesellschaften, die mit Zukunftsprojekten spekuliert haben, ob alle tatsächlich realisiert werden, ist aber fraglich“, betont Wildrath.

Die Gemeinde Hürtgenwald mit der Gemeindeentwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft (GED) und die REA sind mit jeweils 50 Prozent an der Innovativen Energieanlagen Hürtgenwald (IEH) GmbH beteiligt. Die IEH kümmert sich um den Bau der Anlagen; der Gemeinderat muss jeden Schritt vorher absegnen. Die Rechte und die Anlagen verkauft die IEH an die Genossenschaft Bürgerenergie Hürtgenwald, die letztlich als Betreiberin und Risikoträgerin auftritt.