Mobile Hühnerhaltung: „Freiland plus“ greift im Kreis weiter um sich

Mobile Hühnerhaltung : „Freiland plus“ greift im Kreis weiter um sich

Immer samstags in der Früh wird umgezogen. Wenn sich Landwirt Bernhard mit dem Traktor dem „Eimobil“ nähert, werden die 200 Legehennen schon ganz nervös, denn sie wissen: Wenn sich nach der kurzen Ruckelpartie wie an jedem Tag um 10 Uhr die Klappe des mobilen Hühnerstalls öffnet, wartet auf einer neuen Wiese wieder frisches Grün auf sie.

„Freiland plus“ nennt Sarah Erasmi diese Form der Hühnerhaltung, die auch im Kreis Düren immer mehr Freunde findet. Viele Biohöfe setzen bereits seit längerem Hühnermobile ein, Familie Erasmi hat sich im Frühjahr zu diesem Schritt entschlossen und mehrere Zehntausend Euro in die energetisch dank Solarmodulen autarke Anlage investiert. „Weil uns das Wohl der Tiere am Herzen liegt“, erklärt Sarah Erasmi.

Und weil das Bewusstsein in der Bevölkerung für nachhaltige Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen sei, ergänzt ihr Mann, der den Familienbetrieb 2008 übernommen hat, dann aber rasch feststellen musste, dass konventionelle Milchviehwirtschaft auf einem Hof seiner Größe keine Zukunft mehr hat. Zehn Jahre lang betreute das Ehepaar neben dem Ackerbau noch Mutterkühe und „Pensionsrinder“, jetzt sind Bernhard und Sarah Erasmi aufs Huhn gekommen und in die Direktvermarktung von Eiern eingestiegen, die zwar deutlich teurer als im Supermarkt sind, aber nachgefragt werden.

Die freie Platzwahl

„Unsere Hühner können von 10 Uhr morgens bis zum Sonnenuntergang zwischen dem Auslauf auf der Wiese sowie zwei Etagen im Stallbereich frei wählen“, erklären sie das Plus zur „normalen“ Freilandhaltung, „und finden immer wieder neues, sattes Grün vor“. Das habe großen Einfluss auf Qualität und Geschmack der Eier. „Die Dotter sind nicht mehr Gelb, sondern Orange.“ Abends brauchen die Hennen im Übrigen nicht eingefangen zu werden, sie gehen von allein zurück in ihr fahrbares Haus. „Hühner sind lichtgesteuert“, erklärt Bernhard Erasmi. „Wird es morgens hell, werden sie aktiv, bricht die Dunkelheit ein, wissen sie, dass es Zeit zum Schlafengehen ist.“

In der unteren Etage des Eimobils, das nachts natürlich auch Schutz vor Fressfeinden wie Fuchs und Marder bietet, haben die Hennen ausreichend Platz zum Scharren in Stroh und Spänen. Im oberen Bereich befinden sich Sitzstangen, außerdem sind hier die Futtertröge und Tränken untergebracht. Seitlich befinden sich die Legenester, in die sich die Hühner zurückziehen können. Sie sind mit Dinkelspreu ausgelegt und somit ideal zur Ablage der Eier geeignet. Täglich sammelt der Landwirt die Eier ein, lagert sie in der ehemaligen Milchküche zwischen, bis sie im „Eierautomaten“ vor dem Anwesen rund um die Uhr gekauft werden können.

Seitlich am Mobil befinden sich die Legenester, die Landwirt Bernhard Erasmi täglich leert. Foto: ZVA/Jörg Abels

Dass sich die Hühner bei dieser Form der Haltung pudelwohl zu fühlen scheinen, wird selbst dem Laien schnell deutlich. Ausgerupfte Federn oder gar kahle Stellen im Gefieder finden sich nicht. Ein Beleg, dass die Tiere so gut wie keinen Stress haben. Und den sollen sie auch bis zum Schluss nicht haben. Anderthalb Jahre lang wollen Bernhard und Sarah Erasmi die Hühner voraussichtlich halten, deutlich länger als in der konventionellen Haltung.

Erst wenn die Legeleistung spürbar nachlasse, sollen sie ausgetauscht werden. Erste Anfragen für Suppenhühner haben sie schon. Doch bis dahin werden die 200 Hennen noch an so manchem Samstag umziehen, auch in den Wintermonaten.

Auch dann sollen sie die Wahl haben, entweder im Freien rumzulaufen oder aber in den wärmeren Stall zu klettern.

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