Frauenhaus Düren ist in die Jahre gekommen und nicht barrierefrei

Verein „Frauen helfen Frauen“ : Ein neues Frauenhaus muss her – dringend

Es ist immer noch keine Lösung in Sicht. Seit anderthalb Jahren sind Petra Müller und ihre Vorstandskollegen vom Verein „Frauen helfen Frauen“ auf der Suche nach einer neuen Bleibe für das Frauenhaus. Drei Immobilien haben sie besichtigt, zwei waren räumlich ungeeignet. Bei der dritten hat sich der Vermieter dagegen entschieden, seine Räume für das Frauenhaus zur Verfügung zu stellen. Dabei ist die Not wirklich groß.

„Unser Frauenhaus“, sagt Diplom-Sozialarbeiterin Susanne Kappe, die seit Mai Teamleiterin bei „Frauen helfen Frauen“ und für das Frauenhaus verantwortlich ist, „stammt aus den 1920er Jahren. Seit 1996 nutzen wir es. Es ist nicht barrierefrei und für 15 Personen gibt es nur zwei Mini-Bäder und zwei Küchen. Außerdem haben wir keine Möglichkeit, dort Gruppenangebote für die Frauen anzubieten. Das Haus erfüllt nicht die notwendigen Standards.“

Im vergangenen Jahr gab es 61 Aufnahmeanfragen für das Frauenhaus, 18 Frauen wurden angenommen. 31 abgewiesen. Müller: „Wir nehmen keine Minderjährigen auf, keine Frauen, die obdachlos sind und keine, die Drogen konsumieren. 31 Frauen mussten wir wegen Überbelebung ablehnen.“ Das Frauenhaus bietet Platz für acht Frauen und sieben Kinder. „Dafür“, sagt Müller, „gibt es eine Landesförderung. Hätten wir mehr Personal und mehr Platz, könnten wir auch darüber nachdenken, mehr Frauen aufzunehmen.

In der Regel ist es so, dass die Frauen nicht im Frauenhaus ihrer Heimatstadt untergebracht werden. „Bei der Aufnahme“, erklärt Kappe, „machen wir eine gründliche Gefährungsanalyse. Die Frauen haben alle zu Hause Gewalt erlebt. Und da ist es in den meisten Fällen nicht ratsam, wenn sie ihren Ex-Partner auf dem Weg zum Kindergarten oder beim Einkaufen treffen.“

Gewalt gegen Frauen gibt es in allen Kulturen und quer durch alle Schichten und Altersgruppen. 50 Prozent der aufgenommenen Frauen hatte einen deutschen Pass, die andere Hälfte waren Ausländerinnen. 13 Frauen, die 2018 ins Frauenhaus gekommen sind, waren zwischen 26 und 40 Jahre alt, jeweils fünf zwischen 19 und 25 Jahren und 41 und 60 Jahren, nur eine war älter als 61 Jahre. 14 der aufgenommenen Kinder waren jünger als fünf Jahre, acht zwischen sechs und 14 und eins älter als 14 Jahre. „In der Regel“, sagt Petra Müller, „ist es unser Ziel, dass die Frauen und ihre Kinder nicht länger als drei bis sechs Monate im Frauenhaus leben. Aber wir haben immer mehr Frauen, die länger als ein Jahr bei uns sind.“

Bezahlbare Wohnungen in Düren zu finden, sei extrem schwer, ergänzt die Expertin. „Die meisten Frauen, die aus ihrer Heimatstadt fliehen müssen, verlieren ihren Job und sind auf Hartz IV angewiesen, weil ihre Männer sich weigern, für sie zu bezahlen. Das schreckt viele Vermieter ab, genau wie die Tatsache, dass die Frauen aus dem Frauenhaus kommen.“

Teamleiterin Susanne Kappe und Vorstandsmitglied Petra Müller (von links) vom Verein „Frauen helfen Frauen“. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Die Unterbringungszahlen des Frauenhauses sind in den vergangenen Jahren konstant. Gleiches gilt für die Beratungszahlen des Vereins „Frauen helfen Frauen“. 224 Beratungen hat es dort in 2018 gegeben. „Die Zahlen sind auf hohem Niveau stabil“, sagt Petra Müller. „Das müssen wir leider so feststellen.“

Die Zahl der ausländischen Frauen, die Hilfe suchen, ist nur leicht gestiegen. „Frauen, die schon sehr lange in Deutschland leben oder einen deutschen Pass haben“, sagt Müller, „haben ein ganz anderes Netzwerk als ausländische Frauen. Sie können zu Freundinnen oder ihrer Eltern gehen. Deswegen ist der Anteil deutscher Frauen leicht gesunken. Aber wirklich nur minimal.“

Die Suche nach dem neuen Frauenhaus, das der Verein am liebsten mieten würde, bleibt auch in diesem Jahr das große Thema des Vereins „Frauen helfen Frauen“. „Wir hoffen sehr“, sagt Petra Müller, dass wir noch in diesem Jahr ein geeignetes Objekt mit ausreichend Zimmern, mindestens einem Bad pro Etage und mehr als zwei Küchen finden.“

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