Düren: Frauen die Scheu vor der Feuerwehr nehmen

Düren : Frauen die Scheu vor der Feuerwehr nehmen

Die schweren Feuerwehrstiefel und die hochhackigen Schuhe mit Blumenmuster auf dem Absatz — was auf den ersten Blick wirkt, wie ein starker Kontrast, hat einen gemeinsamen Nenner: die 27-jährige Michaela Jansen, ihres Zeichens Brandmeisterin, stellvertretende Stadtjugendwartin der Feuerwehr Düren und aktives Mitglied der Löschgruppe Gürzenich.

Die hohen Hacken trägt die Versicherungskauffrau im Job, die schweren Stiefel im Einsatz. Dass Beides hervorragend zusammenpasst, ist für sie selbstverständlich. Aber ist das auch in der Gesellschaft angekommen oder gibt es noch Vorurteile gegenüber Feuerwehrfrauen?

Als Versicherungskauffrau trägt Michaela Jansen Schuhe mit Absatz, als Brandmeisterin kommen die Feuerwehrstiefel zum Einsatz. Vorurteile gegenüber Frauen gebe es in der Wehr nicht, meint die 27-Jährige. In der Gesellschaft aber schon. Foto: Welkener

„Nicht von Seiten der Kameraden“, sagt die 27-Jährige. „Von innen merkt man keine Vorurteile, eher von außen.“ In der Truppe lerne man sich schnell sehr gut kennen und funktioniere als Team, da würden Vorurteile automatisch abgebaut. Außenstehende hätten schon eher das Gefühl, dass Frauen bei den schweren körperlichen Arbeiten nicht mithalten könnten. „Aber wenn man Interesse zeigt, mitziehen will und Spaß dabei hat, ist alles möglich“, ist ihre Überzeugung.

„Man wird nicht weniger gefordert, weil man eine Frau ist. Gerade das reizt auch. Wir führen alle Tätigkeiten durch, die auch Männer machen. Es bestärkt, sagen zu können: ,Ja, das kann ich genau so.‘“ Ganz wichtig sei dabei, körperlich fit zu bleiben, auch in der Freizeit Sport zu treiben, besonders die Ausdauer zu trainieren. „Im Innenangriff unter Atemschutz zu arbeiten, ist keine leichte Tätigkeit. Aber so lange man regelmäßig trainiert, geht das.“

Im gesamten Kreisgebiet sind von 2764 aktiven Feuerwehrleuten 212 weiblich. Das entspricht knapp acht Prozent. Eine Zahl, die zunächst klein wirkt, aber schon deutlich gestiegen ist, weiß Jansen. Als sie im März 2004 in die Wehr eintrat, musste sie sich noch bei den Männern umziehen. „Viele Gerätehäuser wurden mittlerweile ausgebaut, weil mehr Frauen dazukamen“, berichtet sie.

Vater als Vorbild

Das Ziel, in die Feuerwehr einzutreten, hatte Michaela Jansen schon als Kind. Ihr großes Vorbild, der eigene Vater, war und ist in der freiwilligen Feuerwehr. Da wollte sie auch hin. Die Eltern hatten aber eine Bedingung: Die Zensuren mussten besser werden. „Zwei Jahre habe ich an meinen Noten gearbeitet, bis ich die Erlaubnis hatte und dann ging‘s ganz schnell mit der Feuerwehr“, erzählt Jansen und lacht. Damals wie heute steht für sie eines im Fokus: „Man möchte helfen. Man kann nicht still sitzen: Ich kann helfen. Ich will helfen. Ich muss jetzt helfen“, erklärt sie ihre Motivation. Aus ihren bisherigen Jahren bei der Feuerwehr hat Jansen gelernt: Je länger sie dabei ist, desto stärker werden sowohl das Helfersyndrom als auch das Kameradschaftsgefühl.

Letzteres möchte sie nicht nur bei der Jugendwehr weitergeben, sondern damit auch andere Frauen ermutigen, den Weg in die Wehr zu finden. Bei der freiwilligen Feuerwehr seien es immer mehr Frauen, die sich interessieren und engagieren, aber im hauptamtlichen Wehrteil der Feuerwehr Düren sei noch keine einzige Frau. Jansen meint, da gebe es eine Scheu. „Aber man muss als Frau keine Angst davor haben, dass es zu schwer ist oder man nicht akzeptiert wird.

Es gibt Dinge, die sind schwer. Aber die trainiert man wie eine Sportart und dann klappt es.“ Frauen müssen ihrer Meinung nach bestärkt werden, die Möglichkeit eines Jobs bei der Feuerwehr wahrzunehmen. Sie zieht Parallelen zur Arbeit bei der Polizei: „Man setzt sich bei beiden Jobs Gefahren aus. Das Risiko ist meiner Meinung nach das Gleiche. Feuer und Verbrecher sind beide unberechenbar, nur die Scheu vor den Flammen ist vielleicht größer. Aber das ist trainierbar. Man lernt dazu und weiß besser abzuschätzen, wie sich das Feuer verhält.“

Wenn den Frauen diese Scheu genommen würde, meint Jansen, dann hätte die Feuerwehr eine Chance auf eine ausgeglichene Geschlechterverteilung zwischen Männern und Frauen. „Aber das wird noch einige Jahre dauern. Zunächst wäre eine Annäherung wünschenswert.“

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