Kreis Düren: Förderschulen: Gemeinsamer Unterricht soll Normalität sein

Kreis Düren: Förderschulen: Gemeinsamer Unterricht soll Normalität sein

Nicole Fischer (35) hat vier Kinder zwischen vier und elf Jahren. Zwei ihrer Kinder besuchen die Cornetzhofschule in Düren, eine Förderschule mit Förderschwerpunkt Lernen. Nicole Fischer hat sich ganz bewusst dafür entschieden, ihre Kinder auf dieser Schule anzumelden. Und das, obwohl seit diesem Schuljahr Schüler mit und ohne Behinderung auf einer Regelschule zusammen unterrichtet werden sollen. Eigentlich.

„Mein älterer Sohn war zunächst auf einer normalen Grundschule“, so die Mutter. „Aber er hatte große Schwierigkeiten und ist nur sehr ungerne in die Schule gegangen.“ Lesen, Schreiben, Rechnen — ihr Sohn, so Nicole Fischer, habe viel langsamer gelernt als die anderen Kinder. „Er braucht einfach länger. Deswegen ist er auf der Förderschule, wo auf seine Bedürfnisse Rücksicht genommen wird, besser aufgenommen werden.“

Rechtsanspruch

Mit dem neunten Schuländerungsgesetz setzt das nordrhein-westfälische Schulministerium die UN-Behindertenrechtskonvention um. Und gibt Erst- und Fünftklässlern, die mit einer Behinderung leben, damit einen Rechtsanspruch auf einen Platz in der Regelschule. In erster Linie richtet sich das neue Gesetz an Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen, soziale/emotionale Entwicklung und Sprache (LSE). Also Jungen und Mädchen, die ähnliche Probleme haben wie der Sohn von Frau Fischer, verhaltensauffällige und autistische Kinder. Aber auch Schüler mit einer Hör-, Seh-, Körper- oder geistigen Behinderung sollen die Möglichkeit bekommen, an einer Regelschule unterrichtet zu werden.

Wie viele Kinder mit einer Behinderung von ihrem Rechtsanspruch auf einen Platz auf der Regelschule Gebrauch gemacht haben, können die Verantwortlichen nicht genau sagen. Insgesamt werden in den Grundschulen im Kreis Düren 293 (von 9178) Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf unterrichtet. Das sind fünf weniger als im Schuljahr 2013/2014. Auf den weiterführenden Schulen (Klasse fünf bis zehn) sind es 511 Jungen und Mädchen (von 12926). Bei den weiterführenden Schulen, so die Auskunft der Bezirksregierung Köln, sind das acht Kinder mehr als im vergangenen Jahr.

Maria Kaptain, Leiterin des Schulamtes des Kreises Düren. „Dass die Zahl der Kinder mit besonderem Förderbedarf an den Grundschulen gesunken ist, kann daran liegen, dass immer weniger Gutachten erstellt werden.“ Schulrätin Anna Helene Lürken, als „Generalistin für Inklusion“ mit dem Thema befasst, ergänzt: „ Wir wollen vermeiden, dass die Kinder sofort mit dem Stempel ‚LSE‘ in die Schule gehen. Deswegen kommen diese Kinder nicht selten ohne ein spezielles Gutachten auf eine Regel-Grundschule.“ Gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung solle möglichst normal sein. In der Regel, so die Schulrätin, könne man aber davon ausgehen, dass rund vier Prozent aller Schüler einen Förderbedarf im Bereich Lernen, soziale/emotionale Entwicklung und Sprache hätten.

Langfristig sollen alle Schulen Kinder mit dem Förderschwerpunkt LSE aufnehmen, darüber hinaus wird es Schwerpunktschulen geben, also Schulen, an denen zusätzlich zum Förderschwerpunkt LSE noch Kinder mit einem anderen Förderschwerpunkt, beispielsweise Sehen oder Hören, unterrichtet werden können.

Dirk Keimes vom Schulamt der Stadt Düren: „Die Grundschule in Derichsweiler hat beispielsweise den Förderschwerpunkt Sehen. Die Anne-Frank-Gesamtschule in Mariaweiler den Förderschwerpunkt Hören. Hier hat die Stadt entsprechende bauliche Veränderungen vorgenommen.“ Die Schulen konnten selbst mitteilen, welchen Förderbedarf sie abdecken können. Keimes: „Natürlich ist es sinnvoll, Schulen, die sowieso barrierefrei sind, zu Schwerpunktschulen für körperbehinderte Kinder zu machen.“

„Für Kinder, die es schaffen“, sagt Nicole Fischer, „ist die Inklusion ein guter Weg. Aber für meine Kinder kommt eine Regelschule nicht in Frage.“

Best mögliche Förderung

Ihr Sohn habe große Sprachschwierigkeiten. „Es ist manchmal schwierig, ihn zu verstehen. Er ist sensibel, wenn er gehänselt wird. Und genau das passiert auf einer normalen Schule.“ Auf der Förderschule bekomme ihr Sohn die bestmögliche Förderung. „Er wird hier regelmäßig von einer Logopädin betreut. Und die Klassen sind kleiner. Meine Kinder lernen hier besser.“

Im übrigen, so Frau Fischer, sei auch auf der Cornetzhofschule ein normaler Hauptschulabschluss möglich. „Es ist heute schwer zu sagen, wo meine Kinder später einmal arbeiten werden. Im Augenblick ist es mir wichtig, dass sie eine glückliche und unbeschwerte Schulzeit haben. Und die haben sie auf der Förderschule.“

(kin)