Flüchtling wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt

Selbsternannter Gotteskrieger verurteilt : Das Dschihadisten-Gehabe war vorgeschoben

Mit einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten ist der selbsternannte Gotteskrieger Mahmoud H. (24) am Mittwoch noch gut vor dem Aachener Schwurgericht davon gekommen.

Er kassierte die Strafe wegen der Delikte gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung sowie gleichermaßen wegen Sachbeschädigungen in seiner Unterkunft Düren-Gürzenich.

Ende Januar dieses Jahres hatte der aus Tunesien stammende Flüchtling sein Unwesen in dem Gebäude getrieben, hatte mit dem bekannten Dschihadisten-Schlachtruf „Allahu akbar“ (Gott ist groß) und den wiederholten Drohungen „ich steche euch alle ab“ für Angst und Schrecken gesorgt.

Doch es blieb nicht bei den Drohungen. In der Nacht vom 29. auf den 30. Januar verfolgte, so das Gericht unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen, der angebliche Gotteskrieger unter wüsten Drohungen und mit einem spitzen Gegenstand bewaffnet einen Landsmann, der in einem benachbarten Zimmer der Unterkunft wohnte. In der Nacht hatten sich die Bewohner und mit ihnen das Zielobjekt des Zorns von H. versteckt, hatten sich im Zimmer eingeschlossen.

Doch am Morgen sah der Angeklagte das Objekt seines Hasses nicht mehr in dem Zimmer. Warum er sich auf diese Person fixiert hatte, wurde nicht klar, der Angeklagte schwieg dazu bis zum Ende. Auf dem Flur ergriff er einen anderen Asylbewerber, beschimpfte ihn ebenfalls als Ungläubigen und begann umgehend, den 30-Jährigen zu würgen.

Mit vereinten Kräften anderer Insassen zerrte man den Täter von seinem Opfer weg, der kam jedoch mit einem geröteten Halsbereich eher glimpflich davon. Trotzdem hatte die Staatsanwaltschaft auch wegen der massiven und über einen längeren Zeitraum ausgestoßenen Tötungsdrohungen an alle im Lager, die er für „ungläubig“ hielt, den Tatbestand eines versuchten Mordes angeklagt.

In der Urteilsbegründung ging der Vorsitzende Richter darauf ein und erklärte, warum man den zudem drogenabhängigen Angeklagten nicht wegen versuchten Mordes, sondern „nur“ in der Hauptsache wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt habe.

Der Würgeversuch sei nicht geeignet gewesen, das Leben des Opfers auch wirklich zu beenden, hieß es dazu. Im Übrigen sei der Angeklagte eine Persönlichkeit mit ausgeprägten dissozialen Zügen, der die Religion vorgeschoben und dazu genutzt habe, seine eigenen Interessen durchzusetzen und narzistischen Kränkungen zu rächen. Er sei somit eher ein normaler Krimineller.

So hatte der zunächst mit blankem Hass verfolgte Nachbar ihn bei der Leitung der Unterkunft angeschwärzt, er halte sein Zimmer nicht in Ordnung und nehme Drogen. Mahmoud H. war allerdings bei der Leitung der Unterkunft bereits einschlägig bekannt, Zeugen aus der Unterkunft St. Augustin hatten H. als „paranoid“ und absolut gewaltbereit beschrieben.

So gab es tatsächlich seit dem ersten Tag seiner Ankunft Ärger mit H. in Düren. Der Flüchtling war davor in St. Augustin untergebracht und dort quasi als nicht handhabbarer Intensivtäter hinauskomplimentiert worden. Daraufhin landete er in Gürzenich. Wegen seiner Drogensucht machte ihm die Kammer zur Auflage, sich in der Haft einer Entzugsbehandlung zu unterziehen.