Merzenich/Peking: Florian Moll wird bei den Paralympics Achter

Merzenich/Peking: Florian Moll wird bei den Paralympics Achter

Mensch, war Freitag ein aufregender Tag. Kevin Keidel (17) ist extra früh aufgestanden und hat sich noch vor der Schule vor den Fernseher gesetzt und Videotext eingeschaltet.

Er wollte sich die neuesten Ergebnisse von den Paralympics in Peking angucken. Kevin wollte unbedingt wissen, wie sein Freund und Klassenkamerad Florian Moll aus Merzenich bei den Vorläufen über 400 Meter Freistil abgeschnitten hat.

„Früher haben mich die Paralympics eigentlich nie interessiert”, so Kevin. „Aber jetzt, wo man einen kennt, der da mitmacht, ist das ganz anders. Toll.” Toll war nach seinem siebten Platz am Montag über 100 Meter Brust auch am Freitag die Leistung von Florian Moll. Zwei Mal ist er persönliche Bestzeit geschwommen, trotz Mittelohrentzündung hat er im Finale sogar die 4:30 Minuten geknackt und wurde schließlich Achter. „4:29,67 min. ist eine Super-Zeit”, so Florian Molls Heimattrainer Michael Lichtwald. „Toll, toll, toll.”

Auch Florians Vater Wilfried, der Freitag mit vielen Freunden und Verwandten vergeblich auf eine Fernseh-Liveübertragung des Finales gewartet hat, war überglücklich. „Hach, ist das schön”, war sein erster Kommentar. Und im Hintergrund knallten die Sektkorken. „Ich habe schlecht geschlafen, weil ich überhaupt nicht wusste, was ich Florian wünschen sollte.” Er habe geschwankt zwischen starten und nicht starten, so Wilfried Moll, wohingegen für seinen Sohn die Sache von vorne herein klar war. „So viele Ohrenschmerzen hätte ich gar nicht haben können, dass ich heute nicht geschwommen wäre”, erzählte Florian Freitag am Telefon. „Das ist einfach ein irres Gefühl, in dem Wasserwürfel von Peking zu schwimmen.”

Mit drei Jahren hat Florian Moll gelernt zu schwimmen, seitdem ist das Wasser einfach sein Element. „Beim Brustschwimmen kann man anfangs noch mithalten”, erzählt Kevin Keidel. „Aber ich bin letztens mal 50 Meter Freistil gegen ihn geschwommen.

Florian hat mir zehn Meter Vorsprung gegeben. Und ist nach 20 Metern an mir vorbei gezogen. Da geht nichts.” Ansonsten sei Florian ein total lustiger und bescheidener Typ. „Und selbstkritisch. „Das ist schon gut, wie der das mit der Schule und dem Schwimmen hinbekommt”, meint auch Mitschülerin Annette Ewert (17). „Seine Noten sind guter Durchschnitt, aber er ist ja auch viel weg. Dieses Schuljahr war er erst eine Woche in der Schule. Wir wissen noch gar nicht genau, welche Kurse wir zusammen haben.”

Annette und Kevin haben derzeit nur sporadischen Email-Kontakt zu Florian Moll nach Peking, sie rechnen aber damit, dass er ab dem 22. September wieder in die Schule kommt. „Unsere Glückwünsche sind ihm sicher. Aber vielleicht fällt uns ja auch sonst noch was ein”, so Kevin.

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