Fastenzeit-Serie: Ist jetzt der geeignete Zeitpunkt für eine Diät

Serie zur Fastenzeit : Verzicht auf Zucker und Mehl hilft sofort

Ernährungstechnisch beginnt für Dr. Markus Huppertz-Thyssen der Tag mit Kaffee und Jogurt und endet meist mit einem viel zu späten Abendessen. Der 48-Jährige ist  Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Akutschmerztherapie am St.-Augustinus-Krankenhaus in Lendersdorf – und Ernährung ist in seinem Alltag ein wichtiges Thema.

Genau wie für Diätassistentin Eva Kania. Allerdings ist es – anders als man im ersten Moment vielleicht annehmen könnte – weniger das Abnehmen, dass die beiden umtreibt, sondern eher das genaue Gegenteil. „Ich bin auch für die Patienten auf der Intensivstation verantwortlich, da ist die richtige Ernährung besonders wichtig“, sagt der Arzt und nennt auch gleich ein Beispiel: „Es gibt Patienten, deren frisch operierte Wunde schlecht heilt. Die brauchen dann besonders hochwertige Eiweiße. Und die müssen wir ihnen  geben.“ Auch Patienten mit einem verzehrenden Tumorleiden, sehr dicke, extrem dünne oder Menschen, die nicht mehr selbst essen können, bräuchten spezielle Ernährungsformen. Huppertz-Thyssen: „Wir müssen den Körper wieder ins Gleichgewicht bringen – auch mit Hilfe einer adäquaten Ernährung.“

Die Fastenzeit aus religiöser Sicht hält der Arzt durchaus für „eine Tradition, die man pflegen sollte“. Eva Kania ergänzt: „Es kann in der Tat sinnvoll sein, während der Fastenzeit auf Süßigkeiten zu verzichten, auch aus medizinischer Sicht.“ Blutzucker-, Fett- und Leberwerte würden sich sofort verbessern, wenn der Körper weniger schnell verfügbare Kohlehydrate wie Zucker und Weißmehl bekommt. „Wir wissen“, sagt Huppertz-Thyssen, „dass Zucker abhängig macht. Ein Verzicht macht also Sinn.“

Allerdings, das betont der Mediziner ausdrücklich, sei die Fastenzeit nicht geeignet, um zehn Kilogramm abzunehmen. „Langsames Abnehmen ist besser, das heißt, es kommt darauf an, seine Ernährung langfristig umzustellen. Wer es schafft, in sechs Wochen fünf Kilogramm abzunehmen, hat sehr viel erreicht.“ Wenn die Fastenzeit, ergänzt Kania, eine Gelegenheit wäre, dauerjhaft seine Ernährung umzustellen, sei das gut. „Und vielleicht gibt es Menschen, die wirklich einen solchen Anstoß brauchen.“

Dr. Markus Huppertz-Thyssen und Eva Kania sind Experten in Sachen Ernährung. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Noch nie eine Diät gemacht

Natürlich wissen auch der Mediziner und die Diät-Assistentin, dass gesunde Ernährung ein immer wichtiger werdendes Thema unserer Zeit ist – auch wenn beide noch nie eine Diät gemacht haben, jedenfalls nicht um abzunehmen. Huppertz-Thyssen: „Ich habe schon einmal bewusst eine Zeit lang auf zu viel Kohlenhydrate verzichtet oder versucht, weniger Fleisch zu essen. Aber mehr auch nicht.“ Ernährung, ergänzt er, sei ein riesiger Wirtschaftsfaktor. „Wir leben im Überfluss, alles ist absolut leicht verfügbar. Es ist deutlich günstiger, seinen Kindern zum Knabbern Süßigkeiten zu kaufen als zum Beispiel Erdbeeren. Das führt dazu, dass es immer mehr übergewichtige Kinder gibt. Und es führt auch dazu, dass Essen zur Sucht wird.“

Essen, ergänzt der Mediziner, habe das Rauchen abgelöst. „Rauchen ist immer weniger gesellschaftsfähig, Essen dagegen schon.“ Von 15 Patienten, die in seiner Klinik behandelt würden, wögen mittlerweile sechs mehr als 100 Kilogramm. „Das ist so alltäglich, dass überhaupt nicht mehr erwähnt wird. Und ich glaube, dass es noch schlimmer wird.“

Essen, vor allen Dingen auch das Essen von Süßigkeiten, sagt Eva Kania, bedeute für viele Menschen Wohlbefinden. „Wir wissen, dass so genannte schnelle Zucker das Belohnungszentrum in unserem Gehirn ansprechen. Im ersten Moment fühlt man sich danach wirklich besser.“ Bei einer gesunden Ernährung, betont die Diät-Assistentin, gäbe es eigentlich keine Tabus. „Alles ist erlaubt, aber eben in Maßen.“ Und auch die späten Abendessen von Markus Huppertz-Thyssen, die Vielen auf den ersten Blick vielleicht ungesund erscheinen, sind in Wahrheit kein Problem. „Es kommt darauf an, wie viel man ist und nicht, wann man es ist“, sagt Eva Kania.

Lange Esspausen

Und der Chefarzt räumt gleich noch mit einem anderen Vorurteil auf: „Um wirklich abzunehmen ist es für gesunde Menschen gut, lange Esspausen zu machen. Und eben nicht, viele kleine Mahlzeiten pro Tag zu essen.“

Mehr von Aachener Nachrichten