Fasten ist wichtiger Bestandteil vom Islam und Christentum

Ende der Fastenzeit : Fasten ist wichtiger Bestandteil beider Religionen

Die christliche Fastenzeit endet am Wochenende mit dem Osterfest und hat rund sieben Wochen gedauert. Der muslimische Fastenmonat Ramadan beginnt in diesem Jahr am 5. Mai und dauert 30 Tage. Fasten ist also in beiden großen Religionen ein wichtiges Thema.

Aber warum eigentlich? Und welche Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Fastenzeit gibt es im Christentum und im Islam? Fragen, denen wir im letzten Teil unserer Serie „Verzichten – na und? Gut durch die Fastenzeit“ auf den Grund gehen möchten.

Absolut freiwillig

Der wichtigste Unterschied zwischen dem christlichen und muslimischen Fasten ist schnell erklärt. Ob und wie in der christlichen Fastenzeit verzichtet wird, entscheidet jeder Gläubige für sich. „Alles“, sagt der evangelische Pfarrer Dr. Dirk Christian Siedler, „beruht auf einer absoluten Freiwilligkeit. Es ist sogar entscheidend, dass das Fasten auf einer freien Entscheidung beruht.“

Und es geht auch nicht ausschließlich um den Verzicht auf Nahrung. Auch der Verzicht auf Fernsehen, Internet oder Autofahren ist eine mögliche Form des Fastens. Im Islam dagegen ist es vorgeschrieben, während des Ramadans zu fasten. „Von der Dämmerung bis zum Sonnenaufgang dürfen Muslime nichts essen und nichts trinken“, erklärt Dr. Zuheer Al Halabi, Arzt, praktizierender Muslim und Mitbegründer des christlich-islamischen Gesprächskreises in Düren. Außerdem, ergänzt er, seien auch Geschlechtsverkehr und Tabak verboten. „Und man darf während des Ramadans nichts Böses tun.“

Zwei Gotteshäuser, unterschiedliche Religionen. Im letzten Teil der Fastenserie geht unsere Zeitung der Frage nach, welche Gemeinsamkeiten es beim muslimischen Ramadan und der christlichen Fastenzeit gibt. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Sowohl das Fasten im Christentum als auch das im Islam haben seinen Ursprung im Judentum. Siedler: „Fasten ist eine alte religiöse Tradition und eine Form der Buße. Wir Christen wollen uns auf das Leiden Jesu besinnen und mit Hilfe des Verzichtes daran Anteil nehmen.“ Gleichzeitig sei die Fastenzeit eine gute Möglichkeit, sich klar zu machen, dass man mit viel weniger auskommen kann.“ Dabei, ergänzt der Theologe, diene das Fasten nicht zur Selbstdarstellung. „Fasten ist auch nichts, womit man angeben kann. Vielmehr ist es etwas sehr Persönliches, sehr Privates.“

Siedler hat sich für die Fastenzeit nichts vorgenommen, allerdings hat er wie immer eine Woche komplett aufs Essen verzichtet. „Das ist Teil meines spirituellen Erlebens in der Fastenzeit. Und es ist natürlich eine Form des Verzichts und Gelegenheit, auf mich selbst und meinen Körper intensiver zu hören.“ Seit 1983 gibt es in der Evangelischen Kirche die Bewegung „Sieben Wochen ohne“. „Und das ist eine Bewegung, die wächst“, sagt Siedler. Im ersten Jahr hätten sich 70.000 Menschen beteiligt, 1989 schon 500.000 und in diesem Jahr sieben Millionen. Siedler: „Das ist eine starke Bewegung. Offenbar ist freiwilliger Verzicht für viele Menschen ein Thema. Und offenbar ist die Fastenzeit ein guter Anstoß dafür.“

Für Dr. Zuheer Al Halabi hat das Fasten neben dem Verzicht noch einen ganz anderen Aspekt. „Es reicht nicht, nur auf Essen und Trinken zu verzichten“, sagt er. „Man soll sich auch verbessern, sich Gedanken über sein Verhalten machen, freundlicher zu anderen Menschen sein und anderen mehr helfen. Deswegen ist das Fasten im Islam immer auch damit verbunden, dass man ärmeren Menschen etwas spenden soll.“ Auch das Christentum kennt den karitativen Aspekt im Rahmen der Fastenzeit. „Das kommt daher, weil man während der Fastenzeit auch besonders aufeinander acht geben soll“, erklärt Pfarrer Siedler.

Dr. Zuheer Al Halabi. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Für beide ist die Fastenzeit eine wichtige Zeit des Jahres und auch ein wichtiger Bestandteil ihres Glaubens. Dirk Siedler: „Ich fühle mich während meiner Zeit des Fastens irgendwie entlastet, leichter. Weil ich mir keine Gedanken darüber machen muss, was ich esse, schaffe ich Freiräume für mich selbst – zum Beispiel zum Lesen oder auch einfach nur, um die Vögel zu beobachten.“ Gleichsam sei er empfindsamer. „Ich habe insgesamt mehr Ruhe, auch Kleinigkeiten bewusster wahrzunehmen.“

Zuheer Al Halabi fühlt sich während des Ramadans näher an Gott. „Das liegt sicherlich auch daran, dass ich mich während des Ramadans intensiver mit dem Koran auseinandersetze“, erklärt er.

Dr. Dirk Christian Siedler. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Auch die Tage nach Fastenzeit und Ramadan sind für beide Männer etwas Besonderes. „Den Wechsel von Karfreitag, was ja auch ein Fast- und Abstinenztag ist, zu Ostern, wenn wir Christen Jesu Auferstehung feiern, erlebe ich immer ausgesprochen intensiv. Das ist etwas sehr Besonderes für mich.“

Für die Muslime ist an Tag eins nach dem Ramadan das Fasten ausdrücklich verboten. „Meine Familie und ich stehen an diesem Tag früh auf und gehen auf den Friedhof, um die Gräber unserer Verwandten zu besuchen. Anschließend gehen wir zum Festgebet in die Moschee.“ Zudem sei es im Islam Tradition, ergänzt Al Halabi, in den ersten drei Tagen nach Ende des Fastenmonats Verwandte, Freunde und Bekannte zu Hause zu besuchen und selbst auch jede Menge Besuch zu bekommen. „Für diese Besuche muss man sich auch nicht anmelden. Und das ist einfach schön.“

Für den Arzt aus Düren ist der Ramadan keine Belastung. „Im Gegenteil“, sagt er. „Ich freue mich darauf. Und ich bin auch nicht froh, wenn der Fastenmonat zu Ende ist.

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