Familiendrama in Düren: Griff Frau aus Notwehr zum Messer?

Notwehr oder Heimtücke : Aussagen zum Familiendrama in Düren werfen Fragen auf

Das Beziehungsdrama zwischen der 41 Jahre alten Marianne S. und ihrem drei Jahre älteren Ehemann Björn S. entwickelt sich zu einem Trauerspiel. Die Schilderungen der wegen versuchten Mordes angeklagten Dürenerin und die Tatumstände decken sich zumindest nicht mit der Aussage des Opfers. Auch wenn der Vorsitzende Richter Roland Klösgen auf die Folgen einer Falschaussage hinwies, blieb der Mann bei seinen Worten.

Björn S. erzählt die Ereignisse in der Nacht des 4. auf den 5. Mai dieses Jahres so: Er habe schlafend im Bett gelegen, sei von „einem kalten Stich“ gegen 22.20 Uhr aufgewacht, habe seine Frau gesehen und sie angeschrien. Dann sei er geflüchtet und habe sich mit einer tiefen Wunde im linken hinteren Schulterblatt zum Nachbarn geschleppt, die 13 Zentimeter lange Klinge habe er sich kurz zuvor selbst aus der Schulter gezogen. Er kam in die Klinik, wurde gerettet.

Dass Marianne S. zugestochen hat, ist nach ihrem Geständnis am Morgen des ersten Verhandlungstages völlig unumstritten. Nur das Wie und die Umstände sind weniger eindeutig.

Denn die Version des Ehemannes steht jener seiner künftigen Ex-Frau – er hat die Scheidung eingereicht – diametral entgegen. Der Elektriker gab zu, dass sich das Paar zumeist nach ausuferndem Alkoholkonsum gestritten habe. Am diesem Tattag, einem Samstag, jedoch eben nicht. Er sei von der Frühschicht nach Hause gekommen, sie habe ihn nochmals zum Discounter geschickt, um Wodka zu kaufen. Das habe er getan, einen guten Zug aus der Flasche genommen und sei „auf der Couch“ eingeschlafen.

Das erst Mal unsanft geweckt wurde er, als gegen 20.40 Uhr zwei junge Polizistinnen in die Wohnung kamen. Mariane S. habe von Eheproblemen gesprochen, auch der jüngere Bruder der Angeklagten wurde gerufen, er kam ebenso. Die Polizei vermutete häusliche Gewalt, doch die Ehefrau belastete ihren Mann nicht weiter und schickte Polizei und Bruder gegen 22 Uhr wieder fort.

Vor Gericht schilderte die Ehefrau ein bereits länger andauerndes Martyrium im Zusammenleben mit dem alkoholabhängigen und außerdem wegen seiner Drogenabhängigkeit in Behandlung befindlichen Ehemannes, der sie im betrunkenen Zustand regelmäßig gewalttätig bedroht und sie des Öfteren mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe, was sie allerdings regelmäßig vertuschte. Auch an dem Tattag habe er sie bereits nachmittags massiv bedroht. Als die Polizei wieder weg war, habe er sie in der Küche geschlagen und gewürgt. Da habe sie sich nur mit einem Messer zu wehren gewusst. Sie fügte ihm auf der Brust mehrere Schnitte zu. Als er sich in der Tür zum Schlafzimmer umgedreht habe, habe sie tatsächlich in sein Schulterblatt gestochen, er sei daraufhin aufs Bett gefallen.

Der Unterschied: Der Ehemann hatte angegeben, bereits bäuchlings schlafend auf dem Bett gelegen zu haben und habe nie an diesem Tag die Hand gegen seine Frau erhoben. In diesem Fall wäre die Tat als versuchter Heimtückemord zu werten. Dem widersprechen die Schnitte an der Vorderseite seines Körpers. Der Prozess wird am 5. November fortgesetzt.