Düren: Fachwissen allein genügt in Dürens Schulen nicht

Düren: Fachwissen allein genügt in Dürens Schulen nicht

Nichts als Kritik und Ablehnung schlagen einem entgegen, wenn man Schulleiter in Düren fragt, wie sie zu dem jüngsten Vorschlag von Bildungsministerin Schavan stehen. Diese hatte für den Einsatz von Fachleuten aus Unternehmen in Schulen plädiert.

Sie sollen dort Interesse für Naturwissenschaften wecken. Dem Geschäftsführer der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich und Euskirchen, Hans-Harald Sowka, fallen dabei gleich die eigenen unangenehmen Erfahrungen ein. Sowka hatte Ende der 60er Jahre „in Physik und Chemie zwei Lehrer, die aus der Industrie kamen”.

Das Interesse an beiden Fächern hätten diese Herren nicht wecken können, „im Gegenteil”. Es genüge nämlich nicht, fachliches Wissen zu haben. Man müsse das Wissen auch vermitteln können. Firmen seien zudem nicht bereit, Mitarbeiter aus dem Unternehmen rauszunehmen.

„Warum sollen sie das tun?”, fragt Sowka. Mal an einem Gymnasium eine AG leiten, das sei vielleicht noch drin. Aber vormittags oder nachmittags, also zur Hauptarbeitszeit, jemanden aus dem Unternehmen zu nehmen, das sei als flächendeckende Lösung unmöglich.

In der Realschule Nord hat man Erfahrungen mit Seiteneinsteigern. „Schwierig” sei das, weiß die stellvertretende Schulleiterin Irene Lüttgen. Wenn die nicht von Natur aus einen guten Zugang zu Kindern hätten, „gehen die teilweise kaputt an den Belastungen”. Schüler würden nun mal ständig austesten: Wie weit können wir bei dem gehen? Akzeptanz sei nur bei kurzfristigen, zeitlich begrenzten Projekten vorhanden.

Wolfgang Röther vom Gymnasium in Kreuzau kann den Schavan-Vorschlägen nur in einer Hinsicht etwas Positives abgewinnen: Die Ministerin habe indirekt auf den erheblichen Lehrermangel gerade bei den Naturwissenschaften hingewiesen. Und darauf, „dass seit Jahren zu wenig dafür getan wurde, den Lehrerberuf attraktiv zu machen”.

Dass aber erfolgreiche Firmen Mitarbeiter freistellen, „kann ich mir nicht vorstellen”. Lehrpläne müssten berücksichtigt werden. Und man müsse genau wissen, wie man Stoffe für verschiedene Altersstufen aufbereitet.

Wenig Begeisterung auch bei Hans-Willi Stollenwerk, Direktor der Anne-Frank-Gesamtschule. Seine Erfahrungen mit einem hervorragenden Ingenieur als Seiteneinsteiger: negativ. Der Mann habe nach einem Jahr das Handtuch geworfen. In den Schulen gehe es in der Hauptsache um pädagogische Kompetenz.

In der Hauptschule Birkesdorf hat Tina Wingen-Pahr erlebt, „dass sich unsere Kinder gegenüber Außenstehenden zunächst mal nicht öffnen”. Sie seien scheu und skeptisch. Gleichwohl müsse sich die Schule für Unternehmen öffnen. Allerdings nicht in Form von selbstständigem Unterricht durch Ingenieure, Manager oder Meister.