Thum: Ex-Militärgelände Thum soll zurückgebaut werden

Thum : Ex-Militärgelände Thum soll zurückgebaut werden

Die ehemalige belgische Raketenstation südlich der Drover Heide gibt ein hervorragendes Freizeitgelände ab. Weitläufig, abgeschieden, naturnah — und ungenutzt. Die NRW-Stiftung, der das Areal und der gesamte ehemalige Truppenübungsplatz seit 2016 gehört, hat große Probleme mit unerlaubten Gästen.

Das Eingangstor am Thumer Ortsausgang neben dem Sportplatz wird regelmäßig geknackt. „Wenn wir bei gutem Wetter jemanden für Kontrollen auf das Gelände stellen würden, könnte derjenige jede Woche Anzeigen im hohen zweistelligen Bereich wegen Hausfriedensbruch schreiben“, verdeutlicht Thomas Härtel von der NRW-Stiftung die Lage.

Vorhängeschlösser reichen nicht: Das Tor zum ehemaligen Militärgelände wird regelmäßig aufgebrochen. In der Halle rechts im Hintergrund haben Unbekannte am Abend des 10. April Feuer gelegt. Foto: Rose

Im Herbst noch sei eine geplante Party verhindert worden: Die „Veranstalter“ hätten gar Theken und Musikboxen aufgebaut, erzählt Härtel. Der zuständige Förster, Rainer Fuchs, ist ein bis zwei Mal die Woche vor Ort. Er spricht von regelmäßigen Grillfeten, von Treffen der rechten Szene und Gruppen, die auf dem Gelände Gotcha spielen. Das ist ein Taktikspiel, bei dem sich die Teilnehmer aus Druckluftwaffen mit Farbbeuteln beschießen. Dem Vernehmen nach wird das Gelände auch gerne als Motorradrennstrecke und von Lkw-Fahrern mit Damenbesuch als Rückzugsort genutzt.

Diese Vorkommnisse (abgesehen von drei Brandstiftungen in der jüngsten Vergangenheit) sind vergleichsweise Bagatelldelikte. Anzeigen verlaufen im Sande. Das Problem ist aber, dass die Stiftung als Eigentümerin haftet, falls den unerlaubten Gästen etwas passiert. Einige der Risiken wie einsturzgefährdete Gebäude und Stacheldraht sind sichtbar. Als erste Sicherheitsmaßnahme soll in Kürze ein stabileres und schwerer zu knackendes Eingangstor installiert werden.

Thomas Härtel ist bei der NRW-Stiftung für den Naturschutz zuständig und betreut das Projekt ehemaliges Militärgelände. Das Ziel: Die über 20 Gebäude mit ehemaligen Raketenhallen, Bunkern und Versorgungsgebäuden zurückbauen und das Areal Stück für Stück in das Naturschutzgebiet Drover Heide eingliedern — zusammen sind das 637 Hektar Fläche. Dann soll es auch legal zu betreten sein. „Fix ist noch nichts“, betont Härtel. „Noch sind es Gedankenspiele.“

Am besten hätten die Arbeiten bereits im vergangenen Herbst begonnen, betont Härtel. Da die Gebäude jedoch mit Asbest und anderen Schadstoffen belastet seien, müssten sie noch final untersucht werden. Wie es bei riesigen Naturgebieten auch üblich ist, stehen noch Artenschutzgutachten aus. „Es könnte sein, dass wir dieses Jahr mit dem Rückbau beginnen“, sagt Thomas Härtel, der von geschätzten Kosten im sechsstelligen Bereich ausgeht. Die genaue Summe kann erst nach den Ergebnissen aller Analysen und Gutachten bestimmt werden.

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