Kreuzau: Erstes Ziel erreicht: Endlich konkrete Zahlen auf dem Tisch

Kreuzau: Erstes Ziel erreicht: Endlich konkrete Zahlen auf dem Tisch

Sehr engagiert und kenntnisreich haben am Donnerstag Mitglieder der Bürgerinitiative Kreuzau vorgetragen, welche Einwände sie hinsichtlich der Produktion in der Papierfabrik Niederauer Mühle haben.

Direkt zu Beginn des Erörterungstermins, der am Freitag fortgesetzt wird, ging es um die Fragen, um die sich seit Jahren alles dreht: Wie viele Tonnen werden eigentlich täglich angeliefert, und gibt es für die Verarbeitung dieser Menge eine Genehmigung?

Selbst Rat und Verwaltung der Gemeinde tappen diesbezüglich seit 1999 im Dunkeln. 470 Tonnen pro Tag seien es, und die seien auch genehmigt, erfuhren die Bürger gestern vom Antragsteller. Dies nach Jahren des Fragens, Kombinierens und Ratens, wo auch oft viel niedrigere und neue Zahlen genannt wurden. Die Niederauer Mühle hat 2006 den Bau der Maschine PM3 genehmigt bekommen und diese Maschine 2011 errichtet. Jetzt soll sie genutzt werden, aber anders, als ursprünglich vorgesehen.

Die Bezirksregierung muss vor der Genehmigung die Bedenken der Bürger anhören. Diese hatten im Vorfeld 240 Eingaben fristgerecht und schriftlich vorgelegt und sich ausführlich über ekelhaften Gestank, donnernden Lkw-Verkehrslärm und zahlreiche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Keime, Sporen, Fliegen, Ratten und anderes mehr ausgelassen.

Hunderte Kreuzauer fühlen sich schon jetzt durch die Produktion mitten im Ort belästigt (die „DN” berichteten mehrfach). Eine Ausweitung der Produktion wollen sie verhindern.

Die Bezirksregierung ist mit mehreren Immissionsschutz-Sachverständigen vertreten, die Bürgerinitiative mit Rechtsanwalt Justus Peters, und die Papierfabrik ist bei der Anhörung mit Rechtsanwälten, Gutachtern und Teilen der Geschäftsleitung dabei. Wenig Begeisterung gab es, als mitgeteilt wurde: das Kreis-Gesundheitsamt, das eigens eingeladen wurde, könne „aus personellen Gründen” nicht vor Ort sein.

Von 470 Tonnen pro Tag geht die Niederauer Mühle also aus, der TÜV hatte bei Gutachten immer mit 230 Tonnen gerechnet. Sind nun alle TÜV-Gutachten hinfällig? Die Mitglieder der Bürgerinitiative, insbesondere ihr Sprecher Karl-Heinz Kern, sind im Laufe der Jahre zu Experten geworden: Ihnen entging nicht der kleinste Widerspruch. Sie warfen dem Antragsteller „trickreiches Vorgehen” vor und ernteten dafür Beifall aus dem zahlreich erschienenen Publikum. Dabei hatte Moderator Matthias Wudtke von der Bezirksregierung es nicht leicht, der Veranstaltung eine Struktur zu geben.

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