Niederzier: Erste deutsch-belgische Strombrücke „Alegro“ vor Baubeginn

Niederzier : Erste deutsch-belgische Strombrücke „Alegro“ vor Baubeginn

Kampfmittelsondierung und archäologische Untersuchungen sind abgeschlossen: Der Bau der ersten deutsch-belgischen Strombrücke von der Umspannanlage Oberzier über rund 90 Kilometer ins belgische Lixhe soll in Kürze beginnen.

„Wir rechnen Ende September/Anfang Oktober mit dem Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Köln, also der Baugenehmigung, und werden dann umgehend loslegen“, kündigt Joëlle Bouillon vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion an, der auf deutscher Seite für das insgesamt 550 Millionen Euro teure „Alegro“-Projekt verantwortlich ist.

Wer in diesen Tagen durch die Felder zwischen Niederzier, Oberzier und Krauthausen spaziert oder mit dem Rad fährt, sieht im bisherigen Zufahrtsbereich der Umspannanlage Oberzier bereits die ersten Baucontainer stehen, in denen Ingenieure der Firma Siemens in den kommenden beiden Jahren den Bau der sogenannten Konverteranlage koordinieren.

Der rund 130 Millionen Euro teure Konverter ist das Herz der Strombrücke. In ihm wird Wechsel- in Gleichstrom umgewandelt, vergleichbar mit einem Netzteil eines Smartphones — nur halt viel, viel größer. Rund 1000 Megawatt Leistung sollen in Zukunft durch das Erdkabel fließen. Eine Menge, die ausreicht, um etwa eine Million Menschen mit Strom zu versorgen. Um die sensible, aus Unmengen von Transistoren, Dioden, Kondensatoren und Spuren bestehende Elektronik vor Wind und Wetter zu schützen, wird eine 6500 Quadratmeter große und 18 Meter hohe Halle gebaut.

Daneben werden vier Trafos errichtet, drei für den laufenden Betrieb, einer in Reserve, die voraussichtlich 2019 mit der Rurtalbahn bis zum Haltepunkt Krauthausen und von dort mit Schwertransportern angeliefert werden. Um die Bürger des nahen Weilers Berg nicht über Gebühr zu strapazieren, hat Amprion auf Bitten der Gemeinde Niederzier eigens eine neue Zufahrt zur Umspannanlage errichtet, über die in den kommenden Monaten der gesamte Baustellenverkehr mit dem Erdaushub und der Anlieferung von Bauteilen fließen wird.

In diesem Zusammenhang verweist Joëlle Bouillon noch einmal auf die Zusage von Amprion, dass die von der Umspannanlage ausgehenden Emissionen mit dem Konverter nicht zunehmen werden. Um dies sicherzustellen, wird die Anlage bis 2023 modernisiert, die früher recht laut surrenden Trafos wurden bereits durch leisere ersetzt.

Trasse im Zick-Zack-Kurs

Parallel zum Bau des Konverters will Amprion mit der Verlegung der beiden Erdkabel beginnen. Die Trasse führt von der Umspannanlage im Zick-Zack-Kurs entlang von Wegen Richtung A 4 und dann weitgehend entlang der Autobahn nach Belgien. Zwar hat sich der Netzbetreiber nach eigenen Angaben erst mit rund 50 Prozent der betroffenen Grundstückseigentümer geeinigt, wie Projektleiter Ingo Sander am Rande einer Bürgerinformation in Niederzier erklärte. Das sei aber zum jetzigen Zeitpunkt völlig normal. „Viele warten erst den Planfeststellungsbeschluss ab.“ Nicht verhehlen aber wollen Sander und Bouillon, dass es immer wieder Grundstückseigentümer gebe, mit denen man sich nicht einigen könne. In diesen Fällen würden dann rechtliche Schritte eingeleitet, um die Flächen doch nutzen können.

Das Problem: Über den in zwei Meter Tiefe in Lehrrohren verlegten Kabeln können zwar weiterhin Felder bestellt werden, ein Schutzstreifen von zehn Metern darf aber weder bebaut noch mit Bäumen bepflanzt werden. Ziel sei es, erklärte Bouillon, an mehreren Stellen gleichzeitig mit der Kabelverlegung zu beginnen.

Mit dem „Alegro“-Projekt dürfte der Standort Oberzier im Übrigen seine Ausbaugrenze erreicht haben. Zwar ist im europäischen Netzausbauplan bereits von einer zweiten deutsch-belgischen Strombrücke die Rede, die aber wohl nicht mehr von Oberzier aus entwickelt wird. Für eine weitere Erdkabelstrecke gebe es im Raum Aachen schlichtweg nicht genug Platz, betont Joëlle Bouillon. Schon für „Alegro“ habe man an einzelnen Stellen Klimmzüge machen müssen. Die „Amprion“-Sprecherin geht derzeit davon aus, dass eine zweite Verbindung Richtung Belgien wohl eher ihren Ausgangspunkt in Dahlem im Kreis Euskirchen haben würde.

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