Düren: Erinnerungen an Düren, wie es nie mehr sein soll

Düren: Erinnerungen an Düren, wie es nie mehr sein soll

Am Amtsgericht in der August-Klotz-Straße haben sich rund 30 Menschen versammelt, Männer und Frauen, viele junge Leute. Es ist der 9. November, und in Düren wird - wie überall in Deutschland - an diesem Abend an die Reichspogromnacht vor 62 Jahren erinnert.

Treffpunkt für die dezentralen Gedenkfeiern an der Rur sind die zehn Rückriem-Stelen überall in der Stadt. Die kleine Feier an der Stele vor dem Amtsgericht haben Schülerinnen und Schüler des Stiftischen Gymnasiums, der St.-Angela-Schule und des Rurtalgymnasiums gemeinsam mit ihren Lehrern Dr. Achim Jäger, Frank Schöngarth und Elke Bauer vorbereitet.

Eindrucksvolle Texte

Die Mädchen des Grundkurses Geschichte der Jahrgangsstufe 13 der Angela-Schule haben Plakate gestaltet, die sich mit jüdischem Leben in den 30er Jahren in Deutschland beschäftigen. Vom Leben in Konzentrationslager ist da die Rede, von den sozialen Strukturen und dem Arbeitsalltag zum Beispiel. Die Schüler des Geschichtsleistungskurses der Jahrgangsstufe zwölf tragen Zeitzeugenberichte aus Düren vor, die von der Pogromnacht berichten, zwei Jugendliche lesen Gedichte von Paul Celan und Gertrud Kolmar. Die Texte gehen ganz schön unter die Haut.

Bereits zum 20. Mal fanden in diesem Jahr in Düren die Gedenkfeiern an den Stelen statt. In der Schützenstraße haben sich Menschen genau dort versammelt, wo früher in Düren die Synagoge stand, auch an der Anne-Frank-Gesamtschule haben Schülerinnen und Schüler die Feierstunde vorbereitet.

Die Schüler der Gesundheits- und Krankenpflegeschule der LVR-Klinik in der Meckerstraße gedachten in ihrer Veranstaltung des jüdischen Kinderarztes Dr. Eich Aschenheim. Ascheinheim, Träger des Militärverdienstordens, bekam zur Zeit des Nationalsozialismus Berufsverbot. Systematisch wurde seine Existenz zerstört, so dass er 1941 freiwillig aus dem Leben schied. Die Schüler hatten sich gemeinsam mit dem Pädagogen Thomas Hax-Schoppenhorst intensiv mit dem Leben des Kinderarztes auseinandergesetzt und ein szenisches Spiel über den Mediziner einstudiert.

Außerdem las Dr. Lorenz Peter Johannsen, der ebenfalls viele Jahre als Kinderarzt in Düren gearbeitet hat, in Haus fünf der Klinik vor rund 60 Gästen aus seinem aktuellen Buch „Jüdische Miniaturen”, das auf die Lebenswege der drei jüdischen Pädiater Aschenheim, Eckstein und Weyl aufmerksam macht. Im Anschluss an die Lesung entwickelte sich eine angeregte Diskussion.