Jupp Hammerschmidt über den Eifler: „Er schweigt gerne und trinkt lieber“

Jupp Hammerschmidt über den Eifler : „Er schweigt gerne und trinkt lieber“

Jupp Hammerschmidt, seit Jahren schon in Sachen Frohsinn, Narretei und Sprachforschung unterwegs, brachte seinen Fans im Atelierhaus Götze in Nideggen die Eifel und den Eifeler an und für sich nahe.

Geschickt und gekonnt mit Mimik und Gesten unterstützt, spielte er Wörter und Begriffe, die dem normalen Flachländer aus dem Dürener und Jülicher Land nicht geläufig sind.

„Rodon(g)-Kuchen“, ist ein runder Trockenkuchen, der in der Mitte ein großes Loch hat. Schon an diesem Wort aus dem Französischen, erklärte Jupp Hammerschmidt, könne der geneigte Beobachter erkennen, dass der Eifeler oft besser Französisch sprechen könne als der Franzose.

Noch größere Heiterkeit erzeugte die Definition von „Freien“ und „Poussieren“. Freien sei, so Hammerschmidt, die Liebesbezeugung kurz vor der Heirat. Das Poussieren liege eher im Bereich des Flirtens. Jupp Hammerschmidt outete sich als das wandelnde Lexikon in der Sprache der Verliebten und Liebenden.

Worüber der wortkarge Eifeler immer wieder spricht, ist der „wracke Wönk“ („steife Brise“). Diesem Naturereignis gegenüber muss er Geduld zeigen. Warten auf „de wracke Wönk“ ist eine immer wieder zu beobachtende Tätigkeit, die bei vielen Einwohnern schon zu einer starren Geisteshaltung geführt hat.

„Do siste en Zuversich!“ Gemeint ist meistens ein Anwesen, das heruntergekommen und verdreckt ist, erklärt der Komödiant. Wozu die breite und verständliche Übersetzung der Begriffe? Penibel bereitet Hammerschmidt so seine Lieder und Gedichte vor, die hier und da auf einer kleinen Trommel oder von einer CD begleitet werden.

Eine immer wieder ins Publikum geworfene Aussage ist: „Der Eifeler schweigt gerne und trinkt lieber.“ Und noch mehr Gelächter kommt auf, wenn Hammerschmidt Wesen und Natur der Eifeler anhand von Witzen beschreibt. Beispiel: Zwei Eifeler treffen sich. „Hallo, woost du jestere en Prüm? Ich glöv´, ich han´ dich do jesehn.“ Antwort: „Ich war jestere net en Prüm. Ich woe noch nie en Prüm.“ „Na sowas, ich woe och net en Prüm.“ „Dann mösse dat zwei angere jewese sin.“

Eine große Passage von Hammerschmidts Performance widmete sich der Fastenzeit und dem „Klümpchensglas“. Während der Fastenzeit durften die Katholiken, erinnerte Hammerschmidt, hier besonders mit Augenmerk auf die Kinder, keine Süßigkeiten essen. Die Bonbons, eiflerisch Klümpchen, wurden in einem großen Glas, dem Fastenglas, gesammelt. Vergehen gegen das Fastengebot musste man beichten.

Mit der Leerung des hochvollen Behälters wurde Ostersamstag Punkt zwölf Uhr, wenn die Glocken aus Rom zurück waren, begonnen. Dass die Verdauungsorgane bei dem einen oder anderen danach schmerzlich und oft mit groben Geräuschen in Einheit mit fürchterlichem Gestank an die freie Luft wollten, ist Jupp Hammerschmidt noch heute allgegenwärtig.

Der Kabarettist verstand es, das Einfache und Naheliegende, das Menschliche, mit Gestik und Mimik auf gutem Schauspielerniveau zu vergegenwärtigen. Eingefroren wirkten seine Stimmorgane, wenn er die Sprechweise seines Großvaters imitierte, ohne dabei den Mund zu bewegen. Selbst Gäste, die die Eifeler Mundart zu verstehen glaubten, hatten bei der Entzifferung dieser speziellen Darbietungen Probleme.

Fazit: ein vergnüglicher Abend mit Jupp Hammerschmidt, über den die Besucher auf ihrem Heimweg noch lange lachen mussten.

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