Düren: Er läuft und hilft und läuft und hilft: Verdienstkreuz für Borsdorff

Düren: Er läuft und hilft und läuft und hilft: Verdienstkreuz für Borsdorff

1,041,098. Diese Zahl ist die imposanteste auf der Homepage von Peter Borsdorff, dazu noch 1961, 104 und 369. Alle Zahlen hängen miteinander zusammen, zu jeder Zahl gibt es Geschichten, von denen Peter Borsdorff eine Menge erzählen kann, er hat sie alle auf Abruf in seinem Gedächtnis.

Das zeigt, mit wie viel Herzblut der Mann bei seiner Sache ist. 1,04 Millionen Euro hat Borsdorff, 71, seit 1995 mit seiner Aktion „Running for Kids“ gesammelt. Er hat das Geld in 104 Orten und in 369 Einrichtungen gespendet, zusammen 1961 Mal. Deshalb hat er am Donnerstag im Kreishaus Düren das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik erhalten.

„Was Sie machen, ist wirklich nachhaltig“, sagt Landrat Wolfgang Spelthahn, der die Auszeichnung im Namen des Bundespräsidenten übergibt. Politiker würden das Wort gerne in den Mund nehmen, nachhaltig, „bei Ihnen hat es tatsächlich eine Bedeutung“. 20 Jahre läuft Borsdorff für kranke und behinderte Kinder, mittlerweile braucht er in der Region nicht mehr vorgestellt zu werden.

Am Donnerstag hat er um die 30 Gäste eingeladen, alle persönlich, es ist ihm ein Bedürfnis, dass diese Menschen dabei sind, wenn er das Verdienstkreuz erhält. Statt einer langen Rede findet Borsdorff zu allen Gästen ein paar persönliche Worte, vor allem nennt er zwei junge Menschen, denen er helfen konnte. Es ist mucksmäuschenstill, als Borsdorff ihre Geschichten erzählt.

Der Landrat bescheinigt dem Dürener, der als Dauerläufer mit der Dose längst in die Dürener Sportgeschichte eingegangen ist, „große Ausdauer als Ein-Mann-AG“. Jeder Euro käme bei den Betroffenen an, sagt Spelthahn. Und Bürgermeister Paul Larue sagt, Borsdorff bringe Menschen zusammen und meint damit vor allem den Peter und Paul-Lauf, bei dem Ende Juni Hunderte Läufer auf der Anlage des Dürener TV, Borsdorffs Heimatverein, ihre Runden drehen.

„Ich hätte nie gedacht, dass sich so eine große Bewegung entwickeln würde“, sagt Larue und betont, dass er zwar mit seinem Vornamen für den Lauf stehe, der Motor der Veranstaltung aber Peter Borsdorff sei. Und wer den Dürener Dauerläufer bei eben dieser Veranstaltung erlebt, merkt: Auch das ist eine Herzensangelegenheit. Borsdorff kennt sie alle, meint man, zu vielen Läufern hat er kleine Geschichte zu erzählen, der Peter- und Paul-Lauf ist sein Lauf, auch wenn er selbst kaum läuft, nicht laufen kann, weil er moderiert, macht und tut.

Sonst läuft er aber. Unzählige Veranstaltungen bereichert er mit seiner Dose, auf Zeiten und Kilometerfresserei kommt es ihm schon lange nicht mehr an, auch wenn er ein passabler Marathonläufer war. Mit einer Ausdauer wie sie gelernte Langstreckenläufer nun mal haben, führt Borsdorff von Beginn an Buch über alle seine Läufe, das Geld, das in seiner Dose landet und über die Orte und Einrichtungen, die er aufsucht, um zu helfen. Selbst die Witterungsbedingungen, die ihn bei seinen Läufen begleiten, notiert er.

Damals, 1995, als alles begann, hat er „Running for Kids“ mit seiner Frau Doris gegründet, sie hat ihn immer unterstützt, bis sie 2005 viel zu früh starb und ihm sagte, er solle weitermachen und für die Kinder laufen. Borsdorff hat das getan, für sie, für die Kinder, für sich — und so ist das Verdienstkreuz sicher auch eine Auszeichnung für seine verstorbene Frau.

Nun sitzt er da mit seiner Lebensgefährtin, die ihn auch unterstützt, lächelt und scheint in sich zu ruhen. Ein Mann, der von seiner Sache überzeugt ist, überzeugt sein kann.

„Ich habe das schönste Hobby der Welt“, sagt er.

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