Düren: „Equal Pay Day“: Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer

Düren : „Equal Pay Day“: Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer

Auf dem Tisch liegen gelbe Plakate, in unterschiedlichen Handschriften sind einige Fragen notiert: „Warum Führungsetagen ohne Frauen?“, „Sind ,Frauenbe rufe‘ weniger wert?“ und „Sind Frauen nur Dazuverdienerinnen?“ steht dort unter anderem.

Die verschiedenen Handschriften gehören zu sieben Engagierten des Frauenforums, die sich im Kreis Düren für Frauen und ihre Rechte einsetzen. Anlässlich des so genannten „Equal Pay Days“ am morgigen Sonntag haben sie sich zusammengetan, um auf den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen.

Der Durchschnittsverdienst

In diesem Jahr markiert der 18. März den Tag, bis zu dem Frauen theoretisch umsonst arbeiten. Sie verdienen durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer. 21 Prozent des Jahres 2018 sind nun vorbei. Christina van Essen, Leiterin des Frauenbüros der Stadt Düren, und ihre Mitstreiterinnen hoffen, dass der „Equal Pay Day“ in den kommenden Jahren immer früher im Jahr begangen werden kann, der Lohnunterschied also immer weiter sinkt.

Tatsächlich stagniert der Wert aber sogar. In den vergangenen neun Jahren ist er von 23 auf 21 Prozent gesunken, nun liegt er das zweite Jahr in Folge bei 21 Prozent. „Wir sind empört, dass der Lohnunterschied gleich geblieben ist“, sagt van Essen. „Keiner möchte diese Ungleichheit und trotzdem existiert sie. Im Bewusstsein jedes einzelnen muss sich viel tun, damit alte Rollenbilder schmelzen.“ Andrea Hilger, bei der Arbeitsagentur Aachen-Düren zuständig für Chancengleichheit, sieht die kostenlose Kitabetreuung im Kreis Düren als wichtigen Schritt an.

Trotzdem müsse noch viel geschehen: „Von allen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen im Kreis Düren arbeiten 79,6 Prozent in Teilzeit. Das sind knapp 30.000 Frauen. Hinzu kommen noch einmal knapp 13.000 Frauen, die ausschließlich in Minijobs geringfügig beschäftigt sind.“ Dies habe zur Folge, dass die Frauen später im Schnitt 50 Prozent weniger Rente bekommen als die Männer.

Mit Blick auf die Altersvorsorge sei die Teilzeit also mit Vorsicht zu genießen, trotzdem solle sie nicht als automatischer Karriere-Killer gesehen werden, sagt Hilger. Das Arbeitsamt als Arbeitgeber biete auch in Team- oder Bereichsleiterposition Teilzeit an und veranstalte Informationsveranstaltungen für Unternehmen, um zu vermitteln, wie so etwas organisiert werden kann.

An dem Tisch mit den gelben Plakaten sitzt auch Ingrid Lensing vom Freiwilligenzentrum Düren. Sie erzählt, dass ihre Tochter in Schweden lebt und dort Männer nur dann ernsthafte Aufstiegschancen haben, wenn sie sich längere Familienzeit nehmen. Dort sei man der Ansicht: Nur wer zu Hause anpackt und Verantwortung übernimmt, kann das auch im Betrieb tun.

Die Damen in der Runde beklagen auch, dass es immer noch typische „Frauenberufe“ gebe, die schlecht bezahlt seien. „Zum Beispiel Erzieherinnen oder Krankenschwestern. Wir bezahlen für die Erziehung unserer Kinder weniger als für die Reparatur unserer Autos“, kritisiert van Essen. Aber auch bei hoch dotierten Jobs klaffe eine Gehaltslücke von manchmal 20 Prozent zwischen den Geschlechtern.

Die Frauenbüro-Leiterin ist überzeugt: „Je höher die Gehaltsstufe, desto größer wird der Unterschied zwischen den Gehältern von Frauen und Männern.“

Um dem entgegen zu wirken, wurde das seit Januar geltende Entgelttransparenzgesetz eingeführt. Hinter dem vielversprechenden Titel steckt der gesetzliche Anspruch darauf, zu erfahren, was Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen.

Jedoch kritisieren nicht nur die Dürener Frauenrechtlerinnen, dass dieses Auskunftsrecht nur in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern und unter anderen strengen Bedingungen gilt und deshalb nur wenigen etwas bringt. „Das Gesetz ist ein zahnloser Tiger, weil es die kleinen und mittleren Betriebe zu großen Teilen ausschließt“, sagt Ann-Katrin Steibert, Gewerkschaftssekretärin in der Aachener Geschäftsstelle des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Geschlechtergerecht

Aber wie können Unternehmen vor Ort einen Schritt in Richtung Lohngleichheit machen? Christina van Essen empfiehlt Schulungen für Führungskräfte, damit Auswahlverfahren, Stellenbesetzungen und die Förderung von Mitarbeitern geschlechtergerechter werden. Sie habe gelesen, dass wenn die Entwicklung so weitergehe, Frauen und Männer erst in 129 Jahren gleiche Gehälter beziehen. Die sieben Frauen am Tisch mit den gelben Plakaten haben sich jedoch auf die Fahnen geschrieben, dass der „Equal Pay Day“schon vorher abgeschafft werden kann.

(wel)
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