Düren: Ensemble „Cembaless“ eröffnet die Konzertreihe Tonspuren

Düren : Ensemble „Cembaless“ eröffnet die Konzertreihe Tonspuren

„La Follia und andere Verrücktheiten“ — das Ensemble „Cembaless“ gastiert im Rahmen der Konzertreihe „Tonspuren“ in Düren. Am Montag, 27. August, 19.30 Uhr, startet die Reihe des Kunstfördervereins in ihre neue Spielzeit — wie immer finden die Konzerte in der Kulturfabrik „Becker & Funck“ in Düren, Binsfelder Straße 77, statt. Gleich zu Beginn gibt es mit „Cembaless“ ein besonders temperamentvolles Programm.

„Cembaless“, was man mit „ohne Cembalo“ übersetzen kann, macht seinem Namen alle Ehre und brilliert mit der für Alte Musik seltenen Besetzung ohne Cembalo. Das junge, internationale Ensemble gründete sich im Jahr 2014 und ist mit Gesang (Elisabeth von Stritzky), Barockgitarre (Stefan Koim), Theorbe, einer Frühform der Laute (Robbert Vermeulen), Viola da gamba (Shen-Ju Chang) und Percussion (Syrash Rastani) besetzt.

Dass der Funke überspringt, zeigen die Erfolge: der Publikumspreis des „Biagio-Marini“-Wettbewerbs 2015 in Neuburg an der Donau, der Publikumspreis bei „Zamus Spielwiese“ im März 2016 sowie der Förderpreis „Alte Musik des Saarländischen Rundfunks“ und der „Akademie für Alte Musik“ im Saarland im März 2017.

Mit seinem Programm „La Follia und andere Verrücktheiten“ greift „Cembaless“ eines der beliebtesten harmonischen Improvisationsmuster des 16. und 17. Jahrhunderts auf — die Follia. Als Sarabande aus Südamerika kommend wurde sie zunächst in Spanien als wilder und zügelloser Tanz von Kastagnetten begleitet. Die feurigen und lebensfrohen Rhythmen waren nicht zu stoppen und gelangten als Follia, La Spagna, Sarabande, Passacaglia oder Chaconne Anfang des 17. Jahrhunderts ins heutige Italien, das zu der damaligen Zeit zum großen Teil von der spanischen Linie der Habsburger regiert wurde.

Dort fand das Harmonieschema insbesondere in der Gitarrenmusik seinen Niederschlag. Die Rhythmen der Kastagnetten wurden zunehmend durch die Schlagtechnik auf der Gitarre ergänzt. Um die Jahrhundertwende vom 16. zum 17. Jahrhundert standen sich Spanien und England als politisch konkurrierende und immer wieder Krieg führende Großmächte gegenüber. Auch musikalisch könnte die kulturelle Landschaft kaum kontrastreicher ausgesehen haben.

Melancholie und Einsamkeit spiegeln in Lyrik und Musik des elisabethanischen Zeitalters eine anhaltende gesellschaftliche Stimmung wieder. Im Gegensatz zur extrovertierten Follia in Spanien wurden Musik und Tanz in England in kleinen Gesellschaften praktiziert, die der besonderen Intimität der Musik gerecht wurden. Der Follia-Bass fand zwar erst später über Frankreich kommend und in einer stark abgeänderten Form seinen Weg auf die Insel, als Pendant liebten jedoch die Engländer den Ground, ein sich ebenfalls wiederholendes Bass-Schema, das in dem Titel „Greensleeves“ sein berühmtestes Beispiel fand.

Mit der an die in England typische „Broken Consort“ angelehnten Besetzung, erschafft „Cembaless“ eine eigene Klangwelt, die sowohl in die intime englische Kammermusik führt als auch die feurige spanische Gitarrenrhythmen zum Klingen bringt und somit zwei musikalische Welten gegenüberstellt und vereint.

Karten für das Konzert gibt es an der Abendkasse. Sie kosten 15 Euro, Schüler und Studenten bezahlen sieben Euro. Kartenreservierungen sind per E-mail an tonspuren@darja-grossheide.de möglich.

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