"Endart"-Kulturfabrik: Fete mit Freunden am Ersten Feiertag

„Endart“-Kulturfabrik : Bei der Weihnachtsparty den Braten von den Hüften tanzen

Dirk Boltersdorf (49) aus Düren organisiert seit Jahren die legendäre Weihnachtsparty in der „Endart“-Kulturfabrik. Am Dienstag steht er mit „Indigo“ zudem auch selbst auf der Bühne. Aber was macht den Erfolg dieser Veranstaltung eigentlicha aus?

Die zahlreichen Ausbildungen, die Dirk Boltersdorf in seinem Leben abgeschlossen hat, reichen gleich für mehrere Lebenswege. Dass der ausgebildete Surflehrer, Sozialarbeiter, der ehemalige Radio-Moderator und Redakteur einmal ausgerechnet zum „Fabrikarbeiter“ werden würde, hätte er niemals gedacht. Die Fabrik aber, die er sich vor zwanzig Jahren als Arbeitsplatz ausgewählt hat, ist keine gewöhnliche, sondern die „Endart“-Kulturfabrik. Hier kann er alle oben genannten Berufe nach Herzenslust ausleben.

Mit drogenabhängigen Jugendlichen surfen gehen und ihnen zeigen, dass sie auch selbständig noch Glückshormone produzieren können, mit Abiturienten Veranstaltungen planen, Werbung und Pressearbeit in Schwung bringen. Hauptsächlich ist er als Vorstandsmitglied jedoch dafür verantwortlich, dass Konzerte und Parties schwarze Zahlen schreiben. Die von ihm und Wilfried Pallenberg ins Leben gerufene Partyreihe „70er – 80er – 90er“ ist eine der tragenden Säulen dabei.

Fast wäre es mit alledem allerdings nichts geworden. Denn eigentlich saß Boltersdorf 1998 fest im Radio-Sattel. Mit dem später als Comedian Paul Panzer berühmt gewordenen Dieter Tappert hatte er eine Morgensendung moderiert und arbeitete später bei einem anderen Sender. „Endart“-Gründer Wilfried Pallenberg und sein Kollege Peter Verhees waren wie so oft schon in einer seiner Sendungen zu Gast gewesen um gemeinsam mit Musikgrößen wie Wolfgang Niedecken, „Brings“ oder „Element of Crime“ musikalische Grüße zu unterbreiten und einen Hinweis auf ein bevorstehendes Konzert zu platzieren. Da fragte Verhees beim Hinausgehen, ob Boltersdorf nicht jemanden kenne, der sein Anerkennungsjahr in der Kulturfabrik absolvieren wolle.

„Moment mal“ habe er in diesem Augenblick gedacht, sagt Bolterdorf und schmunzelt: „Ich bin doch derjenige, dem dieser Abschluss noch fehlt.“ Und so griff er - eine Woche vor Ablauf der Frist, die ihm nach dem Studium der Sozialarbeit blieb, um diesen Weg einzuschlagen - zu. Er habe es bis heute nicht bereut.

Es sei nicht so ganz leicht, ergänzt der 49-Jährige, Events zu etablieren, die dazu geeignet seien, sich selbst zu finanzieren. Da könne immer viel schiefgehen. Eine Sache allerdings sei seit Mitte der 1980er-Jahre eine „berechenbare Größe“. Die Rede ist von der legendären Weihnachtsparty mit Live-Konzert immer am Ersten Weihnachtstag. 

Ein absolutes Muss 

Dieses „Familientreffen“ mit der selbst gewählten Familie aus Freunden, die sich nach der Weihnachtsfeier zu Hause in der „Endart“ verabreden, ist für viele Dürener – egal, ob sie erst 20 oder schon 60 Mal Weihnachten gefeiert haben – ein absolutes Muss. Eine Institution, ganz in dem Sinne, wie sie einst erdacht wurde: als alternatives Angebot zum besinnlichen Teil von Weihnachten. „Die Idee ist entstanden, als die „Endart“ in Düren eine wichtige Keimzelle für alternative Musik in der Region war“ erzählt Boltersdorf über die Anfänge der Party und ergänzt: „Treibende Kraft war damals Wilfried Pallenberg.“

Boltersdorf selbst habe sich als „noch nicht 18-Jähriger“ in die Weihnachtskonzerte geschlichen. Dass die damals schon ein Muss waren, war unter Dürener Schülern und Bandmitgliedern, so wie er selbst eines seit seinem 14. Lebensjahr ist, Gesetz. Heute organisiert Boltersdorf nicht nur diese Feier, bei der er sich damals den Zutritt ermogelte, sondern er steht auch noch höchstselbst auf der Bühne. Als Bassist und Sänger der Band „Indigo“. Bis zu fünf Stunden Livemusik, Cover beliebter Songs und gelegentlich heimlich hinzugemischte eigene Werke seien die Erfolgsmischung, die für Musiker und Publikum schon seit etwa zehn Jahren hervorragend funktioniere. 

Nicht zu spät kommen 

Wer hier zu spät, also nach 22.30 Uhr, eintrudelt, den bestraft die verschlossene Fabriktür. Dann sind nämlich bereits mehrere Hundert Leute auf der anderen Seite der Tür, klönen, feiern Wiedersehen mit verschollen geglaubten Schulfreunden aus aller Welt, tanzen sich Gebäck und Braten von den Hüften und genießen das alternative Weihnachten in der „Endart“.

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